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„Mit Bayern war schon alles klar“
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Heute: „Dr. Hammer“ macht’s auch auf dem Dillenburger Golfplatz mit links. (Foto: R. Schäfer) |
(06441) 959187
t.hain@mittelhessen.de
Er hat mehr Bundesligaspiele bestritten als Franz Beckenbauer und mehr Tore geschossen als Uwe Seeler. Bernd Nickel aus dem Siegbacher Ortsteil Eisemroth im Lahn-Dill-Kreis wurde mit Eintracht Frankfurt UEFA-Cup-Sieger und gewann dreimal den DFB-Pokal. Und außerdem hält der 59-Jährige, der in Frankfurt lebt und mit seiner Frau in Herborn ein Sportgeschäft betreibt, den Fußball-Weltrekord der besonderen Art.
Frage: Sie haben 1972 selbst an den Olympischen Spielen teilgenommen. Hätten Sie auch – wie der Schalker Rafinha und Diego von Werder Bremen – teilgenommen, wenn es Ihre Eintracht verboten hätte?
Bernd Nickel: Das hätten wir uns bei unserem damaligen Präsidenten, dem alten (Rudi, die Red.) Gramlich, überhaupt nicht getraut. Die heutigen Fußballer verdienen so viel Geld, denen tun mögliche Strafen doch gar nicht weh.
Frage: Bei Olympia spielten Sie mit Uli Hoeneß und Ottmar Hitzfeld zusammen, später in Frankfurt mit dem heutigen Bundestrainer Joachim Löw. Hätten Sie denen seinerzeit zugetraut, was sie heute geworden sind?
Nickel: Uli war schon als junger Bursch so ein Typ, wie man sich einen Manager vorstellt. Jogi kam nach einer schweren Verletzung zu uns. Er war ein ganz junger Spieler, sehr angenehm, ruhig und zurückhaltend. Meinem Eintracht-Kollegen Werner Lorant (früher 1860 München, die Red.) hätte ich diesen Sprung ins große Trainergeschäft damals am wenigsten zugetraut.
Frage: Wäre Trainer oder Manager auch etwas für Sie gewesen?
Nickel: Irgendwo im Fußballbereich zu arbeiten, ja. Aber als Trainer weniger.
Frage: Sie haben zwei Bundesligaspiele mehr als Franz Beckenbauer und mehr Tore geschossen als Uwe Seeler oder Horst Hrubesch, aber nur ein A-Länderspiel ...
Nickel: In meiner besten Zeit dominierten der FC Bayern und Borussia Mönchengladbach. Und Bundestrainer Helmut Schön setzte auf Blockbildung. Außerdem gab es auch noch einen Wolfgang Overath. Der hat etwa genauso viele Bundesligaspiele wie ich, aber 60 Tore weniger geschossen. Wenn wir 1971 abgestiegen wären, wäre vielleicht manches anders gelaufen. Mit den Bayern war schon alles klar.
Frage: Und diesen Abstieg haben Sie selbst verhindert. Mit einem Tor des Monats beim Rivalen Kickers Offenbach, der daraufhin in die 2. Liga musste ...
Nickel: Danach hat mich die Eintracht nicht mehr gehen lassen.
Frage: Sie haben einmal gesagt, dass Sie den Bieberer Berg nie mehr betreten wollen ...
Nickel: Ich war zuletzt in Offenbach, als mein Sohn Frank dort mit dem VfB Marburg gegen den OFC spielte und ich von Kickers-Fans angepöbelt wurde.
Frage: Und auf der Heimfahrt sind Sie noch geblitzt worden ...
Nickel: Leider nicht nur ich. Meine Frau und ich waren mit zwei Autos dort. Uns hat es beide erwischt. Da habe ich gesagt, das war das letzte Mal, dass ich auf dem Bieberer Berg war. Und habe ihn auch nicht mehr betreten.
Frage: Eine lange und erfolgreiche Bundesligakarriere hat Spuren hinterlassen. Ist „Dr. Hammer“ ein Fall für die Ärzte?
Nickel: Über kurz oder lang werde ich ein neues Knie brauchen. Wegen meiner Beschwerden und der Folge von zwei Achillessehnenrissen beziehe ich bereits eine sogenannte Verletztenrente von der Berufsgenossenschaft.
Frage: Aber Golfen geht noch. Auch auf dem Dillenburger Berg-und-Talplatz ...
Nickel: Ja, aber in letzter Zeit bin ich nur noch mit dem Elektrowagen gefahren. Ich traue mir im Moment nicht zu, 18 Loch zu laufen. Aber das Spiel macht Spaß, auch wenn man es bekanntlich nie lernt. Es war manchmal leichter, einen Eckball direkt ins Tor zu zirkeln als einen kurzen Putt einzulochen.
Frage: Was Ecken betrifft, waren Sie ja Spezialist ...
Nickel: Statistiker haben festgestellt, dass ich der einzige Spieler der Welt bin, der in einem Stadion – dem Frankfurter Waldstadion – von allen vier Ecken Bälle direkt verwandelt hat. Gegen Sepp Maier und die Bayern, Kaiserslauterns Ronnie Hellström, beim 9:2 gegen Hermann Rülander von Werder Bremen und gegen Fortuna Düsseldorf. Wer im Tor stand, weiß ich nicht mehr.
Zur Person
- Wohnort: Frankfurt am Main
- Familienstand: verheiratet mit Evelyn
- Kinder: Andrea (35), Ralf (33), Frank (30)
- Berufe: Fernmeldetechniker, Fußballer, Geschäftsmann
- Sportlicher Werdegang: Spieler bei SV Eisemroth, Eintracht Frankfurt (426 Bundesligaspiele, 141 Tore, UEFA-Cup-Sieger 1980, DFB-Pokal-Sieger 1974, 1975 und 1981) und Young Boys Bern. Olympia-Teilnehmer 1972 in München, 1 A-Länderspiel
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