Promi-Geburtstag vom 20. September 2016: Philipp Vandenberg

Bestseller-Autor
Philipp Vandenberg
Philipp Vandenberg in seinem Haus in Baiernrain (Bayern). Foto: Peter Kneffel

Einige seiner kulturgeschichtlichen Sachbücher und historischen Romane wurden Weltbestseller, darunter sein Debüt «Der Fluch der Pharaonen». Das Schreiben hat er inzwischen aufgehört. Ideen für Bücher hätte er aber noch so einige, wie er der Deutschen Presse-Agentur kurz vor seinem 75. Geburtstag (20. September) sagte.

Im Keller seines Hauses in der Nähe von München hat der Autor seine Werke gesammelt: Mehrere Regalmeter, ordentlich aufgereiht und nach Sprachen sortiert. Englisch, Italienisch, Holländisch, Finnisch, Russisch, Estnisch, Lettisch, Chinesisch, Rumänisch, Türkisch und so weiter. «Außer in Indien sind meine Bücher überall zu kaufen», sagt Vandenberg mit Stolz.

Zwischen all den Büchern liegt ein unscheinbares Paket. Vandenberg zieht eine gerollte Urkunde heraus - eine Dankesurkunde von Papst Johannes Paul II. für seinen Roman «Die Sixtinische Verschwörung». Dabei, sagt er, sei das «ein bitterböses Buch gegen die kirchliche Institution». Ein «Maulwurf» im Vatikan habe ihm bei den Recherchen Interna verraten. Umso mehr erheitert Vandenberg die Urkunde des Papstes. Zumal er mit der Kirche längst gebrochen hat. Grund dafür ist seine Zeit im Waisenhaus in Altötting. «Das Schlimmste, was man sich vorstellen kann», sagt er.

1941 wird Vandenberg in Breslau geboren. Als seine Mutter das Krankenhaus verlässt - weinend und mit dem unehelichen, namenlosen Sohn im Arm - kommt ihr eine Frau entgegen, wie Vandenberg erzählt. Ihr drückt die Mutter das Baby in den Arm. Die fremde Frau behält den Buben und gibt ihm den Namen Klaus-Dieter Walter.

Mit seiner Pflegemutter - «Ich habe sie innigst geliebt, im Gegensatz zu meiner leiblichen Mutter» - lebt er in der Nähe von Bamberg, bis nach dem Krieg das Rote Kreuz seine leibliche Mutter ermittelt. Diese trägt zufälligerweise auch den Nachnamen Walter, holt den Sohn zu sich nach Burghausen - und schickt ihn weiter ins Waisenhaus nach Altötting.

Später kehrt er nach Burghausen zurück, macht dort das Abitur und wird schließlich vom Stiefvater aus der Wohnung geworfen. «Er hat meine Sachen aus dem ersten Stock auf die Straße geworfen, ich habe sie schnell in meinen alten Fiat 500 gepackt und hoffte, dabei nicht beobachtet zu werden. Ich schämte mich für diesen Mann.» Vier Wochen lang lebt Vandenberg auf einem Fernfahrer-Parkplatz im Auto. Er entdeckt eine Stellenanzeige in der Heimatzeitung und wird Redakteur. Später geht er zu den Magazinen «Quick» und «Playboy», schreibt parallel seinen ersten Roman.

«Der Fluch der Pharaonen» handelt vom rätselhaften Tod von 30 Archäologen und wird weltweit ein Bestseller. Hollywood kauft die Filmrechte. Auf Rat seines Verlegers legt sich der Autor einen Künstlernamen zu. Den Namen Vandenberg findet er im Münchner Telefonbuch. Weil er kriegsbedingt keine gültige Geburtsurkunde besitzt, heißt er seit 1986 ganz offiziell Philipp Vandenberg.

In fast 40 Jahren schreibt er Roman um Roman. Monatelang recherchiert er für die Geschichten an Originalschauplätzen, gräbt in Archiven und spricht mit Experten. «Der Leser merkt sehr schnell, ob ein Autor auch wirklich vor Ort war.» Allein in Ägypten sei er 18 Mal gewesen. «Auf einer Nil-Kreuzfahrt hatte jeder fünfte Passagier ein Vandenberg-Buch in der Hand.»

Manche Literaturkritiker bewerteten Vandenbergs Bücher als oberflächliche «Archäo-Krimis». Seine 1995 erschienene Schliemann-Biografie stieß aber auf viel Zuspruch. Romane schreibt Vandenberg seit einer lebensbedrohlichen Erkrankung vor drei Jahren nicht mehr. Stattdessen widmet er sich seinen Hobbys - Oldtimern und der Restaurierung historischer Bibeln. Seinen 75. Geburtstag verbringt er mit seiner Frau «am schönsten Flecken der Erde», im Salzkammergut in Österreich.


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