Dioxin-Fund schockt Dorf

Erhebliche Gift-Werte in Recycling-Firma Woolrec
Tiefenbacher sind schockiert

Die brisanten polychlorierten Dioxine, die bereits in geringen Mengen die Entstehung von Krebs fördern können, seien sowohl in der Filteranlage, in der Produktionshalle als auch im umstrittenen Recycling-Produkt Woolit aus Dämmstoffabfällen gefunden worden, sagte Herrchen. Im Gutachten heißt es, es sei nicht auszuschließen, dass es rund um den Betrieb zu „erheblichen schädlichen Umwelteinwirkungen“ gekommen ist. Wieviel Gift in Luft, Boden und Wasser gelangt ist, sollen weitere Untersuchen klären.

Die Nachricht vom Dioxin-Fund verbreitet Angst und Schrecken bei den Nachbarn in Tiefenbach. Für viele ist es die Bestätigung ihrer schlimmsten Befürchtungen. Mehrfach hatten sie nach eigenen Angaben das RP Gießen in den vergangenen Jahren darauf hingewiesen, dass Bäume im Sommer ihr Laub verlieren und Kinder nach dem Spielen mit Rötungen nach Hause kommen. Außerdem auf eine steigende Krebsrate. Doch das RP hatte keinen Grund, entsprechende Messungen anzuordnen. „Theoretisch konnte es nicht sein“, sagte RP-Sprecherin Ina Velte auf Nachfrage zu der Schadstoffbelastung. Schließlich sei der Weg jeder Tonne Woolit – vom Abbruchhaus über die Recycling-Firma bis zur Deponie – bekannt.

Woher das Gift kommt, ist für die Aufsichtsbehörde noch völlig unklar

Woher die Dioxine stammen, ob sie bei Verbrennungsprozessen entstanden sind oder von Anfang an in den Dämmstoffabfällen vorhanden waren, sei noch völlig unklar. Velte: „Wir nehmen die Ergebnisse sehr ernst und versuchen nun herauszufinden, woher die Schadstoffe kommen.“

Als erste Reaktion hat das RP am Mittwoch den Woolrec-Betrieb mit sofortiger Wirkung stillgelegt – vorläufig. Das sei „aufgrund der jetzt vorliegenden Erkenntnisse bis zu einer endgültigen Klärung der ermittelten Werte unerlässlich“, teilte Regierungspräsident Lars Witteck mit. Das RP wurde nach eigenen Angaben am Dienstagabend über das Gutachten in Kenntnis gesetzt. Laut Staatsanwalt Herrchen ging der Bericht bereits „vor einigen Tagen“ an die Behörde. Konkrete Schadstoffwerte wollten weder Staatsanwaltschaft noch RP nennen. Woolrec-Chef Edwin Fritsch äußerte sich nicht zu den Vorwürfen – mit Verweis auf laufende Verfahren.


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Kommentare (3)
Und was ist mit dem Spielplatz im Kindergarten? Der ist gerade mal 200 Meter von dieser Giftschleuder Woolrec weg, und der Wind weht meistens von Woolrec in Richtung Kindergarten.

Übrigens: kleine Kinder rauchen mehr
normalerweise keine Zigaretten. Aber sie nehmen öfters Sand und Erde in den Mund. Trotzdem sind kleine Kinder keine Mülldeponien für Woolrec-Gift.
...da noch nicht bekannt ist, wieviel Dioxin wo gemessen wurde , ist das alles etwas hochgegriffen. In jeder Zigarette entsteht im Rauch Dioxin.
Es ist so traurig. Aber wenn der Schock über diese Nachricht vorbei ist, dann wollen wir die ganze Wahrheit wissen. Und wir wollen, dass Edwin Fritsch, Stefan Gäth und Lars Witteck zur Verantwortung gezogen werden. Und mehr
alle anderen, die an dieser Giftmüllfirma Schuld tragen.

Und wenn die Tiefenbacher wirklich mit Dioxinen vergiftet sein sollten, dann liegt die Verantwortlichkeit bei der Behörde, die diese Schweinerei jahrelang wider besseres Wissen und gegen jedes Recht und Gesetz genehmigt und gegen alle alle Widerstände durchgedrückt hat: das Regierungspräsidium Gießen. Und wenn ich den Fritsch-Spezi Wolfgang Keller noch einmal bei der Mahnwache sehe, obwohl er jahrelang für Woolrec und gegen die Tiefenbacher gearbeitet hat, dann kriege ich die Krise...
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