Ethan Hawkes «Regeln für einen Ritter»

Ethan Hawke
Der US-Schauspieler Ethan Hawke ist wieder einmal unter die Schriftsteller gegangen. Foto: Warren Toda

Mit seinen «Regeln für einen Ritter», die nun auch auf Deutsch erscheinen, will Hawke («Der Club der toten Dichter», «Boyhood») den eigenen Kindern Prinzipien für ein ehrenhaftes Leben an die Hand geben. Herausgekommen ist ein Büchlein voller Tugenden - etwas Kleines für die Jackentasche namens Alltag.

Nach «Hin und weg» und «Aschermittwoch» sind die «Regeln für einen Ritter» Hawkes drittes literarisches Werk. «Ich habe einfach immer die Idee des Rittertums geliebt», hat 45-Jährige dem Magazin «The New Yorker» gesagt, als der Titel im Herbst vergangenen Jahres auf Englisch erschien. «Das macht es cool, ein guter Mensch zu sein - oder zumindest das Streben danach.»

Das Buch ist ein Brief des Ritters Sir Thomas Lemuel Hawke, seines Zeichens Vorfahr aus dem britischen Cornwall. «Die Hawkes waren ursprünglich Hawkers, Falkner, die mit Habichten, Falken und anderen Vögeln arbeiteten», schreibt der Schauspieler im Vorwort, um seinem Briefroman ein Quäntchen vermeintlicher Wahrheit beizugeben. Sir Thomas will, bevor er in eine Schlacht aufbricht, seine vier Kinder auf ein mögliches Leben ohne den Vater vorbereiten.

«Meine Frau hat ein Buch über die Erziehung von Stiefkindern gelesen, und darin stand etwas über den Wert von Regeln», so Hawke. Dann habe er angefangen, einige Leitlinien für seine eigenen Kinder aufzustellen. Mit seiner Frau Ryan hat Hawke zwei kleine Töchter. Seine beiden Kinder aus der früheren Ehe mit Schauspiel-Kollegin Uma Thurman sind bereits Teenager.

Am Ende sind es zwanzig Tugenden geworden - etwa Demut («Du bist nicht besser als irgendein anderer, und niemand ist besser als du.»), Gerechtigkeit («Es gibt nur eines, womit ein Ritter keine Geduld und Nachsicht hat: Ungerechtigkeit.») oder Haltung («Bleibe offen und beweglich; die Spröden zerbrechen.»).

Besonders gelungen sind dabei Hawkes Parabeln, mit denen er die Werte aus einem philosophischen Überbau in konkrete Gleichnisse überträgt. Etwa wenn im Kapitel «Vergebung» der wütende Sir Thomas seiner Frau den Vorwurf macht, dass sie einem hochmütigen Lord ohne Dank über eine Pfütze geholfen habe: «Ich weiß nicht, warum du diesem Gör geholfen hast!», sagt er. Und sie antwortet: «Ich habe den Jungen schon vor Stunden abgesetzt, aber wie ich sehe, trägst du ihn noch immer mit dir herum.»

Gerade diese Analogien sind literarisch wunderbar gestaltet. Da macht es gar nichts, dass sie aus anderen Texten zusammengetragen sind. Durch sie werden die «Regeln für einen Ritter» zu einem Lehrstück, das mehr Sinnbild denn Leitfaden ist. Auch wenn sie augenscheinlich wie Handlungsaufforderungen daherkommen - Sir Thomas' mittelalterliche Prinzipien sind ein Spiegel des modernen Tuns.

- Ethan Hawke: Regeln für einen Ritter. Kiepenheuer & Witsch, 192 Seite, 12,00 Euro, ISBN 978-3-462-04933-6

Kiwi über «Regeln für einen Ritter»


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