Neuer Fitzek-Schocker: «Das Paket»

Nervenaufreibend
Sebastian Fitzek
Sebastian Fitzek versteht sich auf spannende Unterhaltung. Foto: Uwe Zucchi

Dass der erfolgreiche deutsche Thrillerautor dabei weder die Nerven der Leser schont, noch seiner blühenden Fantasie Grenzen setzt, ist ja nichts Neues. Dafür hat allerdings der Droemer Verlag gesorgt, indem er «Das Paket», so der Titel des neuen Fitzek-Romans, als eben ein solches offeriert. Netter Gag am Rande.

Besagtes Paket jedenfalls wird ausgerechnet bei Emma Stein abgeliefert, einer Berliner Psychiaterin, die selbst unter einer Paranoia leidet, sich seit einer Vergewaltigung nicht mehr aus dem Haus traut und den Kontakt zu Menschen meidet. Einzig bei ihrem Mann fühlt sie sich sicher, einem Kriminologen. Nur ist der nicht immer zu Hause. Wie anscheinend auch der Nachbar, an den das Paket adressiert ist. Während sie angstvoll auf dessen Erscheinen wartet, geschehen merkwürdige Dinge in ihrem extrem gesicherten Haus. Oder ist es nur Einbildung? So oder so - was sich dann abspielt, ist geeignet, jeden Menschen in den Wahnsinn zu treiben.

Notgedrungen lässt Emma die Ereignisse, die eine lange Vorgeschichte haben, Revue passieren - bei ihrem Freund und Anwalt Konrad; im Auftrag der Polizei und Mediziner. Diese «Sitzung» bildet das Gerüst der Handlung - fast. Wird sie den Durchbruch bringen in der verzwickten Geschichte, in der es erwartungsgemäß um Leben und Tod, aber auch um abrasierte Frauenmähnen geht? Ja, «Das Paket» ist buchstäblich eine haarige Angelegenheit. Und eine ebenso verwirrende wie verworrene. Was nicht heißen soll, dass das Auspacken keinen Spaß macht.

Im Gegenteil. Für alle, die Magengrummeln verursachende Hochspannung lieben, hat der Meister der abgründigen, ja abartigen Psychospielchen hier wieder voll zugeschlagen und einen Roman ersonnen, der gleichermaßen für wohligen Nervenkitzel wie Unbehagen sorgt. Mal abgesehen davon, dass der Plot vor allem gegen Ende arg konstruiert und manches etwas unausgegoren erscheint, ist dem 45-jährigen Fitzek ein alptraumhaftes Szenario gelungen, das nebenbei das eine oder andere Problemthema streift, wie die Zwangsbehandlung psychisch Kranker oder die seelischen Schäden von Vergewaltigungsopfern.

Stilistisch ist der Berliner Autor und Journalist wieder top. Inhaltlich wird sein neues Buch mit großer Wahrscheinlichkeit kontrovers beurteilt. Wie fast alle seine Bücher, die inzwischen eine Auflage von acht Millionen erreicht haben sowie in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden und auch in Großbritannien und Amerika verlegt werden. Seit 2006 schreibt der dreifache Familienvater Psychothriller, von denen einige verfilmt oder fürs Theater adaptiert wurden. Seinen Erfolg dokumentiert er selbst übrigens mit einem Anhang im «Paket». Zuschriften von begeisterten Lesern, seine Motivation: «Es waren Briefe wie diese, die mir zeigten, weshalb Schreiben der schönste Beruf der Welt ist.»


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