Großes Interesse an «Lügenpresse»-Diskussion

Maischberger
Sandra Maischberger
Bei Sandra Maischberger wurde über die «Lügenpresse» diskutiert. Foto: Britta Pedersen

Die Kritik, Journalisten verdrehten Fakten oder ließen manches unter den Tisch fallen, was politisch nicht opportun erscheint, ist immer wieder zu hören. «Vorwurf 'Lügenpresse' - Kann man den Journalisten noch trauen?», lautete daher die Leitfrage bei «Maischberger».

Das Interesse war groß: 2,65 Millionen Zuschauer schalteten dafür um 21.45 Uhr das Erste ein, der Marktanteil lag bei 10,3 Prozent. Das waren noch deutlich mehr Zuschauer als zum Beispiel bei der ersten «Maischberger»-Sendung mit Publikumsdebatte zum Thema Islam in Deutschland Mitte November, die 1,76 Millionen Menschen sahen.

Der Medienwissenschaftler Gerhard Vowe von der Uni Düsseldorf  widersprach der verbreiteten Vorstellung, den Medien werde immer weniger geglaubt: «Von Vertrauenskrise kann keine Rede sein.» Es sei schon lange so, dass etwa 40 Prozent der Menschen in Deutschland den Medien vertrauten, die anderen eher nicht. In dieser Hinsicht habe es aktuell keine erheblichen Veränderungen gegeben.

Joachim Radke, Busfahrer aus Berlin und AfD-Mitglied, kritisierte, die Berichterstattung in den Medien wirke gesteuert. Die Presse lüge nicht komplett, aber es gebe Halbwahrheiten und Unwahrheiten, es finde Meinungsmanipulation statt. Und es werde tendenziös berichtet, wie zum Beispiel im Fall einer einzelnen Person, die bei einer Pegida-Demonstration einen Galgen gezeigt habe. Kamerateams hätten sofort draufgehalten, diesen Einzelfall in den Mittelpunkt gestellt und dessen Bedeutung auf diese Weise ungerechtfertigt überhöht.

Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld sagte, es sei ein offenes Geheimnis, dass Journalisten sich inzwischen mehrheitlich grün-links verordneten und es an professioneller Distanz vermissen ließen.

Sandra Maischberger zitierte zur Berichterstattung über die Flüchtlinge in Deutschland eine Studie der Hamburg Media School, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Medien darüber überwiegend positiv berichtet hätten. Medienwissenschaftler Gerhard Vowe bestätigte, das sei auch nach seiner Wahrnehmung bis September 2015 so gewesen.

Es habe tatsächlich einen Konsens der Medien in dieser Frage gegeben. Die Vorstellung, da habe jemand im Hintergrund die Fäden gezogen und die Medien wie Marionetten gesteuert, sei aber abstrus.

Der Journalist und ehemalige «Tagesthemen»-Moderator Ulrich Wickert erklärte den Umgang der Medien mit dem Flüchtlingsthema mit der deutschen Geschichte. In Deutschland sei darüber ganz anders berichtet worden als in vielen übrigen Ländern, etwa in Frankreich. Das habe etwas mit der nationalen Identität zu tun - aber nichts mit gezielter Steuerung.

Wickert sprach auch das Thema soziale Medien an: Algorithmen, etwa bei Facebook, führten dazu, dass Nutzer nur das mitbekämen, was sie sowieso schon glaubten. Soziale Medien funktionierten daher wie eine Echokammer.

Der Blogger und Social-Media-Experte Sascha Lobo ergänzte, dass Nutzer sozialer Medien zunehmend Artikel aus ihrem eigenen Meinungsumfeld lesen und keine Gegenpositionen mehr wahrnehmen würden. Dass Gefährliche daran sei, dass sich das eindimensional zuspitze - dem Nutzer fehle das Korrektiv, das es in den klassischen Medien gebe.

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