14 Sichten auf Leben am Fluss

VERNISSAGE Jahresausstellung des Wetzlarer Kunstvereins im Stadthaus am Dom

Auch Humoriges ist zu finden: Holle Kleins "Nistkasten mit Sat-Empfang". (Foto: Fritsch)

Oberbürgermeister Wolfram Dette begrüßte die Gäste und befand, die Jahresausstellung der WKV sei ein besonderer Höhepunkt der Ausstellungsreigen der Stadt.

Ulrike Sott (Kulturamt) ging zunächst auf die allgemeine Bedeutung von Flüssen für unsere Zivilisation ein. Flüsse seien die Lebensadern für Mensch und Natur. Künstler scheinen von jeher Inspiration bei Flüssen zu suchen. So malten Cezanne und Renoir die Seine, Monet die Themse, van Gogh die Rhône. Der Grund dafür liege im Vorgang des Fließens, der Vergänglichkeit.

Das Thema "Leben am Fluss" - nicht immer steht die Lahn im Mittelpunkt der Arbeiten -, wird sehr unterschiedlich aufgefasst.

Lamar Dreuth breche in seinen Fotografien Sehgewohnheiten auf. Durch Ausschnitthaftigkeit, gewolltes Verreißen und Spiegelungen würden neue Perspektiven eröffnet, betonte Ulrike Sott. Spiegelung im Wasser ist auch Thema von Renate Bechtholds Zeichnung.

Eine nackte Schönheit vor der Altstadtkulisse zeigt Gabriele Hünningers Radierung, Hans-Jürgen Hädicke skizziert mit Bleistift ärmliche Behausungen und Boote an einem Gewässer am Fluss Sai und Jürgen Kittels Foto lässt das fließende Wasser quasi stillstehen.

Uferwelten und "Traumbilder"

Abstrakte und farbstarke Arbeiten bieten Rose Marie Koch, Renate Donecker und Wolfgang Michaeli. Und eine szenische Collage steuert Ingrid Luitjens bei. Kleine feine Aquarelle mit Stadt-, Land-, Fluss-Motiven zeigt Margret Uellenberg .

Ufer markieren Grenzen und seien ein Ort der Ruhe. Christian Sämanns Flusslandschaften in Kreide mit den Städten Würzburg, Wertheim und Miltenberg seien stark an die traditionelle Landschaftsmalerei angelehnt. Sämann zeichne, was er sieht, und dies kann auch ein Baukran sein, der die Würzburg-Ansicht ziert.

In Holle Kleins farbenfreudigem Acrylbild "Nistkasten mit Sat-Empfang" wird ironisch darauf hingewiesen, dass wir in dieser Welt nicht nur mit Landschaft und Natur, sondern auch mit Übertechnisierung leben. Anne Helds großformatiges "Öl auf Fotobild" spiegelt ein Bild unserer Träume, unserer Phantasie wider. Der große Ausschnitt in Blau-Türkis-Schwarz verberge das Geheimnis und zeige ein Gewässer vom Ufer aus. Der Blick wird durch aufliegende Raster und blaue Striche versperrt, so obliegt es der Phantasie, das Bild zu deuten.

Mit einer Anekdote über Goethe, der gerne bei Mondlicht badete, beendete Ulrike Sott ihre Einführung. Die Atmosphäre des Mondgedichtes spiegle auch die Videoinstallation "an den mond" von Ria Gerth wider.

Insgesamt zeigt die Ausstellung eine faszinierende Vielfalt hochwertiger Werke. Sie ist noch bis zum 12. Juli zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos. (mf)


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