Die Hexe singt ein Mann

Countertenor Roland Schneider spielt an der Oper Frankfurt

"Gleich im Anschluss war ich an der Oper Kiel für eine Produktion von Händels ,Rinaldo in der Rolle des Eustazio zu Gange; laufende Vorstellungen bis Juni." Auch das Gewandhaus Leipzig war eine Station, es erlebte Schneider in "Scipolo", ein Händel-Pasticcio (Oper aus verschiedenen Werken des Komponisten) für Kinder.

Seine aktuelle Produktion an der Oper in Frankfurt ist "Dido and Aeneas" von Henry Purcell, dort gibt Roli, wie ihn Freunde nennen, die "Second Witch" (zweite Hexe). Vorstellungen im Dezember 2010 und im Juni/Juli 2011.

Daneben sang der Wetzlarer mit Lebensmittelpunkt München viele geistliche Konzerte, zum Beispiel im Herkulessaal der Residenz in München oder bei der Hasse-Gesellschaft in München und Hamburg.

Man sieht: Es geht voran mit dem 31-Jährigen, dessen Karriere gewissermaßen in der Musicalgruppe der Goetheschule begann. Schon dort fiel auf, dass er von der Singstimme her besser zu den Mädchen passte als zu den Jungen.

"Nach dem Abitur habe ich mich gefragt, was will ich und was kann ich? Singen oder Kunst waren nicht an erster Stelle, das kam erst mit der Zeit", hat Roland Schneider in unserem ersten Gespräch erzählt. Er landet beim Juwelier, lernt Einzelhandelskaufmann.

Der Knoten platzt in München, wohin der 19-Jährige 1998 geht, um als Zivi bei der Aidshilfe zu arbeiten. Dort hat er sich einen Gesangslehrer gesucht, nicht, um den Beruf zu erlernen, "sondern weil es mir einfach gut tat zu singen."

Freitag und Samstag kommt der Sänger zu Auftritten nach Wetzlar

2004 bewarb er sich an der Hochschule für Musik und Theater und wurde genommen. Als Tenor überzeugt Schneider nicht, als Countertenor schon. Nach zehn Semestern hat er 2009 sein Studium beendet und darf sich Diplom-Opernsänger nennen. Es folgen zwei Semester Meisterklasse.

Seitdem ist es als Feldherr, Kaiser, Gott oder eben Hexe unterwegs, singt ernste Stoffe, Barockmusik, Zeitgenössisches. Doch was auch immer an Literatur ansteht: Das Singen, ein Konzert sei für ihn unheimlich schön, ein sinnliches körperlicher Erlebnis, das sich gut anfühle, das aber auch körperlich extrem anstrengend sei, Konzentration auf die Atmung, den Bauch, die Resonanzen im Kopf verlange. Die Zeit scheine stillzustehen, wenn er "in der Musik" sei, sagt er.

Nachvollziehen kann man dies eventuell am Freitag, dem 17. Dezember, in der Unteren Stadtkirche Wetzlars am Schillerplatz. Countertenor Roland Schneider singt in der "Musikalischen Vesper" um 18 Uhr.

Und am Samstag (18. Dezember) gestaltet er die Orgelmatinee um 11 Uhr im Dom mit. Begleitet wird Schneider an der Orgel von Kirchenmusikdirektor Joachim Eichhorn.

Auf dem Programm stehen die drei Alt-Arien aus dem ersten Teil des Oratoriums "Messias" von Georg Friedrich Händel. Dieser Teil handelt von der Weissagung über den Messias und seiner Geburt. Ferner erklingt die Arie "Bereite dich Zion" aus dem Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bachs.

Der Eintritt ist frei. Info/Kontakt unter www.roland-schneider-countertenor.de


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