«Fixion»: Neues Album von Trentemøller

Zwischen Indie und Elektronik
Trentemøller
Das neue Album von Trentemøller: Schwarz, Weiß und Grau. Foto: In My Room/Sofie Nørregaard

Bereits 2003 veröffentlicht Anders Trentemøller seine erste EP und konzentrierte sich zu Beginn seiner Karriere primär auf das Auflegen und die Produktion clubtauglicher Tracks. Zu den Meilensteinen dieser jungen Jahre gehörte unter anderem der Tech House Track «Physical Fraction» auf Audiomatique Recordings, der den Tanzflur auch noch heute mit seiner detailreichen Produktion stetig Richtung Höhepunkt treibt, nur um dann punktgenau loszulassen und zu dem makellos und vielschichtig groovenden Grundgerüst des Stücks zurückzukehren.

Die hohe Qualität seines Outputs blieb auch dem legendären Berliner Label Poker Flat Recordings nicht verborgen, das ihn bereits für seine nächste EP «Sunstroke» verpflichtete und auch sein erstes Album «The Last Resort» veröffentlichte, auf dem sich Trentemøller erstmals von seiner experimentellen und weniger auf den DJ ausgerichteten Seite zeigte.

Enthielt «The Last Resort» noch einige für den Techno-DJ geeignete Perlen, ist auf dem zehn Jahre später erschienenen «Fixion» davon rein gar nichts zu mehr zu finden. Bereits das erste Stück «One Eye Open» zeigt dies mit seinen weniger als 100 Beats Per Minute sehr deutlich. «One Eye Open» funktioniert dann auch eher als Ballade, die von einem langsamen metallischen Basslauf und pathetisch klingenden 80er-Jahre-Keyboard-Sounds getragen wird, bevor der sehnsuchtsvolle Gesang von Gastsängerin Marie Fisker einsetzt.

Mit «Never Fade» folgt dann eine instrumental ausgerichtete Nummer, die erneut von einem prägnanten und treibenden Basslauf eingeleitet wird und gerade zu Beginn durch die sphärischen Synthesizer und die langsamen Gitarrenläufe an die frühen The Cure während ihrer «Seventeen Seconds»- und «Faith»-Phase erinnert.

Die wunderbar einlullende New-Wave-Romantik der ersten beiden Tracks wird dann im Anschluss von dem experimentell angelegten und Bassdrum-gewaltigen Track «Sinus» unterlaufen, der ebenfalls einige Vintage-Sounds im Gepäck hat und sich gut im Soundtrack eines Endzeit-Films der 70er oder 80er Jahre gemacht hätte. Nach dem Endzeit-Film geht es mit dem bereits vorab veröffentlichten «River In Me» weiter, das in seiner zappelig-überladenen und tanzbaren Art, dem oldschooligen Elektro-Bass, den Flock-Of-Seagulls-Keyboards und den notorischen Handclaps treffsicher in den 80er Jahre zu verorten ist und von Jehnny Beth, im Hauptberuf Sängerin der Savages, punktgenau begleitet wird.

Diese vier ersten Tracks stecken bereits das musikalische Spektrum des Albums ab, das zwischen New-Wave-Hits (auch sehr gut: «Redefine» und «Complicated»), Coldwave-typischen Depri-Nummern und technoiden Experimenten clever hin und her wechselt. Die Referenzen zu den Sounds und Stimmungen der tanzbaren Hits und der melancholischen Songs sind dabei fast ausschließlich in der ersten Hälfte der 80er Jahren zu finden. Seien es, um nur einige zu nennen, Songs von Pink Industry, von den frühen Kissing The Pink oder auch von den vielen herausragenden Künstlern und Bands, die vor mehr als 30 Jahre auf dem wegweisenden 4AD-Label veröffentlichten.

Trentemøller hat für seinen neuen Longplayer gekonnt die düstere New-Wave-Musik und die zugehörigen Spielarten dieses Zeitraums auseinandergenommen und zum Teil treffend zitiert oder auch neu zusammengesetzt und mit aktuellen Sounds erweitert. «Fixion» ist damit das erfreulich unberechenbare Album eines äußerst talentierten, technisch versierten und wunderbar neugierigen und experimentierfreudigen Musikproduzenten.

Website Trentemøller


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