Keine Experimente

Was die Wähler bewegt

Von Michael Klein

Das Scheitern von Rot-Grün konnte man lange Zeit auf den Erfolg der Linkspartei schieben, die sich das Etikett „nicht regierungsfähig“ selbst aufgeklebt hat. Die extreme Linke in der Regierung – mit dieser Ansage kann in Deutschland keiner Kanzler werden. Längst aber ist die Konkurrenz am rechten Rand erstarkt. Auch die AfD hat sich so extrem aufgestellt, dass in Deutschland niemand Kanzler werden kann, der mit ihr paktieren will.

Das Kalkül der Ränder, dass eine große Koalition als Dauerzustand sie wie in Österreich stärken könnte, geht nicht auf. Die Deutschen bleiben Konsensmenschen. Und sie lieben die Sicherheit. Die kann Alexander Gauland ihnen nicht geben. So wenig wie Donald Trump den Amerikanern. Das bisherige Scheitern der Populisten im Ausland und der Brexit, der Großbritannien ins Abseits zu katapultieren droht, wirken hierzulande wie ein heilsamer Schock. Nein, Experimente wollen die Deutschen nicht. Mit diesem Wissen gewann schon Konrad Adenauer Wahlen.

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Keine Experimente heißt: Im Zweifel Merkel. Trotz Flüchtlingskrise und steigender Gewaltkriminalität. Warum nicht die SPD? Wenn es um schärfere Gesetze geht, ist die SPD eher Bremser. Und wer hart arbeitet und gut verdient, kann sich nicht sicher sein, wie ihn die Wohltaten für die Armen treffen werden. Mit einem schmalspurigen Schulz-Zug wäre Gerhard Schröder 1998 nie im Kanzleramt angekommen.

Die Mitte zog nicht nur damals, sie zieht auch heute. Angela Merkel hat die Union konsequent dorthin geführt. Die FDP tat es ihr auf ihre Weise gleich. Deshalb ist Schwarz-Gelb gerade obenauf.


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Kommentare (1)
Dem kann ich nicht zwingend zustimmen. Weder ist Rot-Grün Geschichte, das zeigt allein die häufige Koalition in diversen Landtagen, teils zusammen mit der Linken, die Sie vollkommen richtig als nicht-regierungsfähig mehr
einstufen. Noch sehe ich die steigenden Werte für die CDU als Verdienst von Frau Merkel und der durch sie gebotenen Stabilität und Sicherheit. Vielmehr fällt auf, dass mittlerweile eine Vielzahl an 2015er-AfD-Themen von der Union wie auch teilweise der SPD als Wahlkampfthemen eingesetzt werden und sich hierdurch wieder mehr Wähler angesprochen fühlen. Eigentlich ein schäbiges Verhalten, wenn man bedenkt, wie die AfD seit 2015 durch Politik und Medien niedergemacht wurde, heute diese Themen aber selbstverständlich "in der bügerlichen Mitte angekommen" sein sollen!? Für die Glaubwürdigkeit der etablierten Parteien ist dies sicherlich kein Argument. Vielleicht sollte man die AfD wirklich mal ernstnehmen und in die Diskussionen wie auch die Regierungsarbeit einbeziehen, statt sie zu dämonisieren und zu diskriminieren, zeitgleich dem Pendant auf der linken Seite jedoch auf Augenhöhe zu begegnen. Man bekommt den Eindruck, es gehe weniger um die politischen Positionen der AfD als um die Angst, die Einkommens- und Machttöpfe mit deren Abgeordneten teilen zu müssen.
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