Koalitionsausschuss ohne SPD-Kanzlerkandidat Schulz

Union wittert Drückebergerei
Martin Schulz
Der SPD-Parteitag findet mit der Wahl von Schulz zum neuen Parteivorsitzenden statt. Foto: Kay Nietfeld
Kanzlerkandidat
Martin Schulz bei seiner Rede während des SPD-Sonderparteitags in Berlin. Foto: Michael Kappeler
SPD-Bundesparteitag
Der bisherige SPP-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel beim Sonderparteitag in der Hauptstadt. Foto: Michael Kappeler
Martin Schulz
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz beim SPD-Sonderparteitag in Berlin. Foto: Kay Nietfeld
Amtsübergabe
Amtsübergabe: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz neben dem scheidenden SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel. Foto: Michael Kappeler
Abschiedsrede
Sigmar Gabriel hatte freiwillig auf Kanzlerkandidatur und Pareteivorsitz verzichtet. Foto: Kay Nietfeld
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«Herr Schulz macht sich einen schlanken Fuß», sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer der «Bild»-Zeitung (Dienstag). «Im Koalitionsausschuss hätte Schulz die Chance auf ganz konkrete politische Arbeit, aber ihm ist die SPD-Party wichtiger.» Scharfe Kritik kam auch von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU).

Schulz hatte am Sonntagabend - wenige Stunden nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden - in der ARD gesagt, er könne am 29. März nicht an dem schwarz-roten Koalitionstreffen teilnehmen, weil gleichzeitig die SPD-Fraktion im Bundestag ein Fest feiere. Vizekanzler Sigmar Gabriel und SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann würden ihn gut vertreten. Dies sei «völlig absurd und verantwortungslos», sagte Scheuer.

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Kauder sagte der «Süddeutschen Zeitung» (Dienstag) über Schulz: «Er denkt nur an Wahlkampf. Sein Verhalten grenzt an Arbeitsverweigerung.» Das Vorgehen des SPD-Kanzlerkandidaten zeige, «dass er keine Verantwortung übernehmen will». Man müsse sich fragen, «ob die SPD wirklich bereit ist, sich an der Bewältigung der Aufgaben zu beteiligen».

Auch vom Wirtschaftsflügel der Union kam Kritik. Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der Fraktion, Christian von Stetten (CDU), forderte von der SPD, «dass man Herrn Schulz die Teilnahme an diesem wichtigen Koalitionsausschuss ermöglichen muss». Es gehe nicht an, dass der Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) «vor der Verantwortung weglaufen» wolle. Stetten fügte hinzu: «Wenn der neue SPD-Vorsitzende tatsächlich terminliche Probleme hat, muss der Koalitionsgipfel verschoben werden.»

Schulz ist nach Ansicht des bisherigen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel auch deswegen ein guter Kanzlerkandidat, weil er nicht mit der großen Koalition in Verbindung gebracht wird. Bei dem Treffen am Mittwoch kommender Woche unter Leitung Merkels wollen Union und SPD beraten, welche Themen sie noch vor der Sommerpause und der anschließenden Bundestagswahl abräumen können. Der Termin war mehrfach verschoben worden, unter anderem wegen einer Erkrankung von CSU-Chef Horst Seehofer.

Mister 100 Prozent

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Was ist Martin Schulz für ein Typ, wo kommt er her?

A wie Abi: Abitur hat er nicht, eine Universität nie von innen gesehen: «Ich war ein begeisterter Fußballspieler und deshalb lieber auf dem Sportplatz als auf der Schulbank.»

F wie Familie: Seine Ehefrau, eine Landschaftsarchitektin, hält er komplett aus der Öffentlichkeit heraus. Das soll im Wahlkampf so bleiben. Sie sei keine «Werbefigur». Die beiden Kinder sind erwachsen.

H wie Heimat: Ohne Würselen ist Schulz nichts. Die Kleinstadt mit 50 000 Einwohnern bei Aachen fehlt in kaum einer Rede. 1987 wurde er dort mit 31 Jahren jüngster Bürgermeister Nordrhein-Westfalens.

K wie Kicken: Schulz wollte Profi-Fußballer werden. Ob es als Linksverteidiger in der starken Jugend von Rhenania Würselen dafür gereicht hätte, sei mal dahingestellt. Mit 19 ist das Knie kaputt. Schulz drückt dem 1. FC Köln die Daumen.

P wie Polyglott: Der Rheinländer trägt Europa auf der Zunge. Schulz spricht Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Holländisch.

S wie Sucht: Nachdem der Fußballer-Traum platzt, greift der junge Buchhändler aus Frust irgendwann zur Flasche. Schulz steht dazu: «Vielleicht kann mein Leben anderen Mut machen, auch ihre Sucht anzugehen. Ich war ein Sausack.» Seit 1980 habe er keinen Tropfen mehr getrunken.

T wie Tagebuch: Seit über 30 Jahren macht sich Schulz Notizen über Gott und die Welt: «Ich führe jeden Tag ein Tagebuch, am Ende des Tages. Das wissen meine Freunde.»


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