Das Winzige und seine große Zukunft

TECHNOLOGIEFORUM 50 Experten diskutieren in Wetzlar über die Nanotechnologie

Symposium zur Nanotechnologie im Wetzlarer Rathaus. Die Teilnehmer wurden begrüßt von (von links) Dr. David Müller (Firma Merck), Dr. David Eckensberger, Projektleiter bei Hessen-Nanotech, und Bürgermeister Manfred Wagner. (Fotos: Volkmar)

Mit großem Interesse verfolgten die Teilnehmer aus Unternehmen und Wissenschaft die Vorträge der Experten.

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Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Information und der Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft über den aktuellen Stand der Forschung und das Anwendungsspektrum in der Wirtschaft.

Um die Teilnehmer auf die Thematik einzustimmen, hatte die Firma Leica Microsystems CMS GmbH zu einer Betriebsbesichtigung eingeladen. Das Wetzlarer Unternehmen ist eines der hessenweit führenden Unternehmen der Optikbranche, das Nanotechnologie nutzt.

Der Einsatz der Nanotechnologie, so David Eckensberger, Projektleiter bei Hessen-Nanotech, habe besonders in der Photonik und Optik die gesamte Branche stark beeinflusst und zahlreiche Innovationen ermöglicht. Besonders hessische Firmen hätten diesen Trend frühzeitig erkannt und gehörten dadurch heute europaweit zu den Global Players der Branche mit einem enormen Wachstumspotenzial.

Nobelpreisträger nutzt das STED-Mikroskop aus dem Hause "Leica Mikrosystems"

Das Forum in Wetzlar wolle Antworten finden auf die Frage: An welchen konkreten Anwendungsmöglichkeiten wird heute geforscht und welche Produktneuheiten sind auf dem Markt zu erwarten?

"Wenn es um optische Technologie geht, zählt Wetzlar mit seinen Weltmarktführern Leica Camera AG, Zeiss und Leica Microsystems zu den deutschen Spitzenorten. Darum freuen wir uns als Stadt, dass dieses hochkarätig besetzte Forum in Wetzlar abgehalten wird", sagte Bürgermeister Manfred Wagner in seinem Grußwort.

In verschiedenen Schaubildern hatte der Veranstalter auf die Bedeutung der Nanotechnologien für Hessen verwiesen. Danach finden sich in Hessen 160 Unternehmen, die direkt in oder für die optische Industrie tätig sind. Diese haben mit 27 000 Mitarbeitern im Jahr 2009 rund drei Milliarden Euro erwirtschaftet. Davon flossen über zehn Prozent in die Forschung und Entwicklung. Und in fast jeder hessischen Universität finden sich Gruppen, die an Nanotechnologiethemen arbeiten.

Sechs Fachvorträge beleuchteten beim Symposium in Wetzlar Facetten der Nanotechnologie. Während Professor Martin Eickhoff (Uni Gießen) über Forschungsergebnisse in der Nanotechnologie und ihre optische Funktionalität referierte, beschäftigte sich Dr. Wolfgang Stoltz (Uni Marburg) mit der Integration photonischer Funktionen in die Silizium-, Mikro- und Nanoelektronik. Andreas Dorbach (Leica Mikrosystems) konnte nicht nur mit erfolgreich implementierten Methoden zur Nanokorrektur von Präzisionsoptiken aufwarten, er präsentierte auch den diesjährigen Nobelpreisträger für Chemie, Stefan Hell, der seine erfolgreichen Forschungen mit dem STED-Mikroskop aus dem Hause "Leica Microsystems" durchführte. Das Gerät ist ausgestattet mit Hochleistungsoptiken und kann beispielsweise zeigen, wie ein Virus in eine Körperzelle eindringt.

Nach der Pause, die von den Führungskräften aus Wissenschaft und der Wirtschaft zu intensiven Fach- und Kontaktgesprächen genutzt wurde, stellte Professor Udo Ricklefs (Technische Hochschule Gießen) sein Kompetenzzentrum für Nanotechnik und Photonik vor. Mit Innovation durch Nanotechnik beschäftigte sich Dr. David Müller aus dem Hause Merck (Darmstadt). Den Schlusspunkt setzte Dr. Thomas Oberbillig (Firma COTEC in Halberstadt), der den erfolgreichen Einsatz von Nanotechnik bei der Beseitigung eines nicht sichtbaren Fingerabdrucks auf einer hochsensiblen Oberfläche vorstellte. In seinem Schlusswort betonte Eckensberger, dass der Nanoeffekt nicht nur im Bereich der Optik und Photonik wichtige Lösungsbeiträge liefere. Eine weitere Einsatzmöglichkeit sieht er bei der medizinischen Versorgung älterer Menschen.


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