«Focus»: Bahn will S21-Mehrkosten notfalls einklagen

Bahnprojekt Stuttgart 21
Das Handout der Bahn zeigt ein ... | Foto: dpa

Der Bahnvorstand solle «vertragliche Ansprüche zur Finanzierung aller Mehrkosten oberhalb des Finanzierungsrahmens von 4,526 Milliarden Euro gegenüber den Projektpartnern» geltend machen, heißt es dem Magazin zufolge in einer vertraulichen Vorlage für die Sitzung des Aufsichtsrats am 5. März. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte gesagt: «Wenn die Bahn von uns mehr Geld will, muss sie klagen.»

Die Bahn will nach Überschreiten des Finanzierungsrahmens von 4,5 Milliarden Euro über zusätzliche Kosten und Risiken von bis zu 2,3 Milliarden Euro verhandeln. Sie hat dazu die sogenannte Sprechklausel gezogen, die Gespräche der Vertragspartner erzwingt.

Die bei einem Ausstieg fälligen Kosten von zwei Milliarden Euro würden laut «Focus» unter Berufung auf interne Unterlagen der Bahn die Gesamtschulden des Konzerns von heute 16,8 auf bis zu 19,2 Milliarden Euro erhöhen. Ein Weiterbau führe dagegen nur zu einem maximalen Schuldenstand von 17,9 Milliarden Euro.

Zudem ist der Bau des unterirdischen Bahnhofs dem Bericht zufolge mit 3,7 Milliarden Euro Eigenkapital immer noch günstiger als der Ausstieg: Nach Abzug der Kosten dafür blieben der Bahn 1,7 Milliarden Euro, mit denen jedoch kein oberirdischer Bahnhof gebaut werden könne, der leistungsfähiger als heute sei. Hinzu kämen neue Planungskosten, steigende Baupreise, Zeitverzögerungen sowie 1,3 Milliarden Euro für die Sanierung des Gleisvorfeldes.

Die Mehrheit der Baden-Württemberger ist laut einer Umfrage gegen Stuttgart 21. 54 Prozent lehnen das Milliardenvorhaben ab, nur noch 39 Prozent befürworten es, berichteten die «tageszeitung» (taz) und das Internetmedium «Kontext:Wochenzeitung» am Sonntag auf Basis einer von ihnen bei TNS Emnid in Auftrag gegebenen Umfrage. Bei der Volksabstimmung über Stuttgart 21 im November 2011 hatten 58,8 Prozent für das Projekt votiert.

Bei einer Demonstration für den Ausstieg aus S 21 kritisierten Projektgegner am Samstag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf. Für Merkel, die sich jüngst für den Weiterbau ausgesprochen hatte, sei S 21 nur noch ein Symbol ihrer Durchsetzungskraft, sagte Hannes Rockenbauch vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21. «Sie wollen uns schlicht zeigen, wer der Herr im Haus ist, wer die Herrin in der Bundesrepublik ist.» Einige der nach Angaben der Veranstalter mehr als 8000, laut Polizei 6000 Demonstranten skandierten «Merkel weg».

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Dokument erstellt am 24.02.2013 um 16:55:01 Uhr
Letzte Änderung am 24.02.2013 um 16:55:04 Uhr
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