Historiker: Geschichte ist wichtiger geworden

Glaubensfragen
51. Deutscher Historikertag
Martin Schulze Wessel, Vorsitzender des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands. Foto: Daniel Reinhardt

«Geschichte ist in einer Zeit wichtiger geworden, in der die Übersichtlichkeit der Welt abnimmt», sagte der scheidende Vorsitzende des Historikerverbands (VHD), Martin Schulze Wessel, am Freitag in Hamburg.

Wessel hatte vor vier Jahren angekündigt, Geschichte enger mit Politik zu verknüpfen. Dieser Ansatz werde beibehalten, sagte seine Nachfolgerin, Eva Schlotheuber. Als weitere Aufgabe nannte sie, die tiefe Kluft zwischen der Masse der Geschichtsstudenten und der Exzellenzforschung zu überbrücken.

Schlotheuber, Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, sagte, es gehe auch darum, die Masse der Studierenden nach dem Abschluss sinnvoll in die Gesellschaft zu integrieren. Als weiteres Problem nannte die 56-Jährige den Bildungsstand der Studienanfänger. «Wir müssen die Studierenden oft erst studierfähig machen.» Dazu gehöre etwa die Fähigkeit, längere Texte konzentriert zu lesen.

Am Vortag hatten der Historikerverband und der Verband der Geschichtslehrer eine Resolution zum Schulfach Geschichte verabschiedet. Darin wird ein höherer Stellenwert des Fachs gefordert. Das erfordere mehr Geschichtsunterricht und qualifizierte Lehrer. Der Vorsitzende des Geschichtslehrerverbandes, Ulrich Bongertmann, kritisierte, wenn ein Lehrer für Mathematik und Geografie Geschichte unterrichte, könne das kaum mehr als «Stümperei» werden.

Vier Tage lang hatten 3800 Teilnehmer in Hamburg über «Glaubensfragen» diskutiert. Dabei ging es um die Rolle der Religion in Konflikten, aber auch um die Arbeit der Historiker zwischen Glauben und Wissen. Der nächste Historikertag ist 2018 in Münster.

Programm des 51. Historikertages


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