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12.03.2012, 17:47 Uhr
Von Siegfried Meier

Wetzlar

Kantschelis Musik fesselt


Frühwerke der Klassiker und ein Zeitgenosse in Wetzlar


Wetzlar. Musik von Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827), Johannes Brahms (1833 bis 1897) und des Georgiers Gija Kantscheli (*1935) - eine aparte Mischung, die die Wetzlarer Kulturgemeinschaft im Rahmen ihres 4. Meisterkonzertes am Samstagabend auf die Bühne der Stadthalle gestellt hat.

Vor etwa 100 Zuhörern musizierten die Pianistin Daniela Hlinkova und das Finsterbusch-Trio Berlin, bestehend aus Andreas Finsterbusch (Violine), Christoph Starke (Viola) und Christoph Bachmann (Violoncello). Das Klavierquartett Nr. 3 C-Dur des gerade mal 15-jährigen Ludwig van Beethoven eröffnete das Konzert; ein Frühwerk, das den Streichern kaum Gelegenheit zur Entfaltung gab, als wollte Beethoven eifersüchtig darüber wachen, dass sein Instrument, das Klavier, am besten wegkommt - in der Tat, die Streicher dienten mehr zur Dekoration.

In dem Stil hätte es mit Brahms Rhapsodie h-Moll op. 79, 1 weitergehen können, doch die mit "agitato" überschriebene Rhapsodie interpretierte Hlinkova doch sehr brav - hier wäre mehr Virtuosität am Platz gewesen. Immerhin kostete sie im Mittelteil die Schumann-Nähe geradezu singend aus.

Eine Entdeckung des Abends war das "time and again" in der Fassung für Streichtrio des georgischen Komponisten Gija Kantscheli.

Beethoven und Brahms

Statt der vom Titel zu erwartenden Spiele mit unterschiedlichen Zeitebenen war dieses gut 20-minütige Werk eher eine Fortsetzung Bartokscher oder Honeggerscher Arbeit, die unverhohlen klagende romantische Linien zog und sich vor Dreiklangsbrechungen herkömmlichen Stils und selbst Reminiszenzen an Lohengrin nicht scheute. Freilich forderten die vielfach in Flageolett-Technik geforderten Passagen den Akteuren viel ab - das Ergebnis konnte sich aber sehen bzw. hören lassen: ein engagiertes, ausdrucksstarkes Werk, das die Zuhörer zu fesseln vermochte und im Gesamtwerk des Komponisten, der wie einige seiner Zeitgenossen (Alemdar Karamanow, Alfred Schnittke) Inspiration und Halt aus der Liturgie seiner Heimatkirche schöpft, einen durchaus prominenten Platz einnimmt.

Am Ende stand das Klavierquartett g-Moll op. 25 des 28-jährigen Brahms, womit er in Wien reüssierte und als Erbe Beethovens gefeiert wurde.

Beethovens Gehversuche sind mit Brahms kaum zu vergleichen, der schon eine gute Balance zwischen den Instrumenten gefunden hatte, was sich schon daran zeigte, dass er gerade dem Violoncello Teil an der thematischen Entwicklung gab. Die Virtuosität in allen Stimmen machte dieses Werk in Wien wie 150 Jahre später in Wetzlar zu einem Garant für stürmische Begeisterung.

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Dokument erstellt am 12.03.2012 um 17:49:03 Uhr
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