Seit 2007 befasst sich Gassen, die 2010 den ersten internationalen Mosaikpreis gewonnen hat, mit den Bildern aus kleinen Steinchen. "Mit meinem neuen und gesellschaftskritischen Bild ,Reich, arm, ärmer habe ich mich in Gedanken zwei Jahre lang befasst", erzählt die Ehringshäuserin. Neben künstlerischen hat das allerdings auch materielle Gründe, weil in dem 85 mal 40 Zentimeter großen Werk neben Schiefer 24-karätiges Gold verarbeitet ist.
Im Sommer gibt es eine Ausstellung mit vier weiteren Künstlern
Klar, das muss erspart werden und ist teuer, das Geld allerdings wert, denn die filigrane Arbeit, die schon so einige Kilogramm wiegt, ist beachtlich und sehenswert. Die Botschaft des Bildes, das aus vielen kleinen Teilen zusammengesetzt ist, steckt im Detail und entwickelt sich im Arbeitsprozess. Denn auch wenn die Grundüberlegung bereits vor Beginn des eigentlichen Schaffens feststeht, kommen beim konkreten Gestalten weitere Gedanken hinzu.
Welche das bei "Reich, arm, ärmer" sind? "Die Reichen sind sehr einsam. Wenn Reiche aufstehen, müssen sie von anderen gestützt werden", erklärt Gassen ihre gesellschaftsanalytischen Überlegungen während des Legens des Mosaiks.
Diese Idee von Reichtum ist an der Arbeit sehr gut nachzuvollziehen, denn die Wohlhabenden sind als kleine goldene Inseln in einer Flut von dunklem, stützendem Material umgesetzt. Schon beim ersten Betrachten des Bildes wird deutlich, dass sich Gesellschaftskritik sehr wohl mit Mosaiken umsetzen lässt.
Die reine Produktionszeit eines solchen Werks, das als Grundlage beispielsweise so genannte "Wedi-Platten" - sonst als Baumaterial eingesetzt - oder auch schon mal ein altes Fenster hat, dauert in der Regel einige Monate. Auf die Basis bringt die Künstlerin, die schon zahlreiche nationale Ausstellung absolviert hat, Stoffe wie Glas, Tonteile, Koralle, Perlen oder eben Gold und Schiefer auf, und jedes dieser Materialien ist ein Bedeutungsträger.
Ganz unterschiedliche Formate haben die Bilder von Hannelore Gassen, die 2011 zusammen mit den weltbesten Mosaikkünstlern im Buch "Mosaic Fine Art Abstracts" veröffentlicht hat und für den kommenden Sommer von Juli bis August gemeinsam mit vier weiteren Künstlern anderer Richtungen eine Ausstellung rund um den Mosaikstall plant. Imposant ist aber vor allem auch der Stall selbst, der als eines der ersten Werke in Angriff genommen wurde.
"Wir waren bei Nachbarn zu einer Geburtstagsfeier und dabei habe ich dauernd auf den hässlichen Stall geblickt. Da habe ich mir überlegt: Es muss etwas passieren", erklärt Gassen, die ihre Kunst als Hobby betreibt. Gesagt, getan: Auf insgesamt 13 Netzen hat die Ehringshäuserin Mosaike angebracht, die dann von einem Maler am Gebäude befestigt wurden. Das Resultat? Immer dem Leuchten und Schillern nach: Wer durch Ehringshausen fährt, kann das Domizil der Mosaikkünstlerin in der Wetzlarer Straße 33 praktisch gar nicht verfehlen. Informationen über das Schaffen von Hannelore Gassen sind zudem unter www.mosaikstall.de im Internet zu finden.
















