Vom Augensammler zum Augenjäger

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Ganz tief in psychische Abgründe hinein blickt der Berliner in der Welt seiner Romane. Wenn man sich jedoch mit ihm unterhält, fragt man sich, wie er solche Themen aus dem Ärmel schüttelt. Er selbst ist nämlich schlichtweg „normal“. Sympathisch, lustig, bodenständig. Und doch gelingt es ihm, Bücher zu schreiben, die einen durchaus nachts den Schlaf rauben können.

Nach  „Der Augensammler“ erscheint am 27. September 2011 der Psychothriller „Der Augenjäger“. „Dieses Buch knüpft jedoch nicht nahtlos an das vorherige an“, erklärt Fitzek. „Allerdings werden alle Fragen, die noch im ,Augensammler‘ offen waren, beantwortet.“ „Der Augensammler“ erzählt die Geschichte der blinden Physiotherapeutin Alina Gregoriev, die durch bloße Körperberührung einen skrupellosen Mörder erkannt hat.

„Am Anfang von jedem Buch lasse ich mich durch etwas inspirieren und stelle mir die ,Was-wäre-wenn-Frage‘“, erzählt der 40-Jährige. „Durch diese eine Frage entstehen immer mehr Fragen. Was wäre,  wenn eine Physiotherapeutin durch die Verspannungen eines Patienten erkennt, was er getan hat? Was wäre wenn sie herausfindet dass er einen Mord begangen hat? Wie würde sie auf ihn reagieren? Und was wäre, wenn diese Frau blind ist?“
 Ob es noch eine weitere Fortsetzung der Reihe mit Alina und Alexander Zorbach geben wird, weiß Fitzek noch nicht. Im Moment verfolgt er noch eine andere Idee und die ersten zwei Bände könnten auch für sich stehen. Außerdem sei es keine Voraussetzung, den ersten Band gelesen zu haben, um den „Augenjäger“ zu verstehen.

Ein großes Problem beim Schreiben der beiden „Augen“-Romane bestand darin, dass er nicht wusste, wie Blinde leben. „Man kann sich in Blinde nicht hineinversetzen, indem man einfach  die Augen schließt“, sagt er.  Desweiteren sei es auch ein Unterschied, ob man von Geburt an blind ist oder erst später erblindet.

Um sein Buch zu schreiben, hat er viele Blinde über Twitter und Facebook befragt und dadurch Vorurteile ausgeräumt. Während seiner Recherche musste er sich in Blinde hineinversetzen und verstehen wie sie leben. Haben Blinde überhaupt Spiegel und Bilder an der Wand? Wie trennen Blinde Bunt- und Weißwäsche?

Das alles sind Fragen, über die sich Sehende im Alltag keine Gedanken machen. Fitzek  erfuhr durch Gespräche, dass Blinde natürlich Spiegel, Bilder und auch Licht in ihren Wohnungen haben – aus dem einfachen Grund, dass sie auch viele sehende Gäste haben. Die Befragten haben sich auch Fitzeks Bücher vorlesen lassen und ihn auf Fehler hingewiesen.

Für den Autor ist der Kontakt zu seinen Fans sehr wichtig. Er nimmt sich viel Zeit für sie. Über Facebook bekommt er sehr viele Fragen von Lesern zugeschickt. Indem er eine häufig gestellte Frage mit Antwort postet, erreicht er viele Leute auf einmal. Außerdem ist er gerne auf Lesereise und nah bei seinen Fans. 
„Ich freue mich über jede Reaktion meiner Leser, egal ob positiv oder negativ“,  so Fitzek. Am schlimmsten findet er, wenn ein Buch keinen Nachhall hat und überhaupt nicht darüber diskutiert wird. Viele Leser finden seine Bücher „total durchgeknallt, aber toll“. Auf die Frage, wie er das findet,  antwortete er mit einem Lachen: „Sind sie  denn wirklich so durchgeknallt?“

Im Mai haben die Dreharbeiten zur Verfilmung seines Romans  „Das Kind“ begonnen, worauf er ziemlich stolz  ist.    Allerdings ist das auch sehr zeitintensiv, weil er beim Dreh natürlich mit dabei ist. Da wird der Spagat zwischen  Arbeit  und  seiner Familie (er ist frischgebackener Papa, Baby Nummer Zwei ist unterwegs) schon mal groß. „Meine Frau findet manchmal, dass ich nicht so viel Zeit für sie habe. Während der Verfilmung war ich wirklich kaum zu Hause“, gesteht er. Um seine Familie nicht zu vernachlässigen, nimmt er sie gerne mit, auch wenn es langsam langweilig für seine Frau wird, jede Lesung mehrmals zu hören.

Für seine Fans  hat er sich überlegt, wie er sich bei ihnen für die Unterstützung bedanken und ihnen etwas zurückgeben kann. Der Autor ist für seine langen Danksagungen bekannt und so kam er auf die Idee, die ersten 50?000 Fans, die auf der Facebook-Seite seines Films „Das Kind“ auf „Gefällt mir“ drücken, namentlich im Abspann zu erwähnen.  „Mir wurde  daraufhin gesagt, dass ich es nie schaffen würde, 50?000 Leute dazu zu bewegen“, schmunzelt er. „Aber ich habe dagegen gewettet.“  Erscheinen wird die Verfilmung voraussichtlich im Januar nächsten Jahres.

Sebastian Fitzek selbst empfiehlt Jugendlichen, seine Bücher erst ab dem Alter von 14 Jahren zu lesen, obwohl er weniger Gewalt beschreibe als beispielsweise Stephen King.  Trotzdem ist er der Meinung,  dass die Eltern seine Bücher auch lesen sollten, um mit ihren Kindern darüber zu diskutieren, da seine Bücher schon die „Psyche berühren“.  Eine große Rolle spiele generell die Entwicklung des Kindes


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