"Three in Berlin"

Jacqueline Werther, Schülerin des Dillenburger Gymnasiums, nahm an der trinationalen Jugendbegegnung 2011 in Berlin teil
Jacqueline Werther (Dritte von links) mit einem Teil der Gruppe im Bundestag"Three in Berlin".
Jacqueline Werther (Dritte von links) mit einem Teil der Gruppe im Bundestag"Three in Berlin".
Die Teilnehmer des diesjährigen Treffens von Palästinensern, Israelis und Deutschen in Berlin. Jacqueline Werther sitzt
Die Teilnehmer des diesjährigen Treffens von Palästinensern, Israelis und Deutschen in Berlin. Jacqueline Werther sitzt in der Mitte.
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Insgesamt waren es 30 Teilnehmer, 10 Palästinenser, 10 Israelis und 10 Deutsche. Sie alle hatten sich im Internet um einen Platz im Workshop beworben und waren ausgewählt worden. Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 30 Jahre alt, meist Schüler oder Studenten, einige aber auch schon berufstätig. Zu den 10 deutschen Teilnehmern gehörte auch Jacqueline Werther, die uns hier ihre Eindrücke von diesem Workshop schildert.

"Zunächst fuhr ich mit dem Zug nach Berlin; nach längerer Suche erreichte ich dann mit Straßenbahn und U- Bahn das Hostel " Baxpax" in Kreuzberg. Dort waren auch schon die anderen Deutschen. Nach dem Einchecken trafen wir uns in einem italienischen Restaurant mit den Israelis zu einem gemeinsamen Abendessen. Unterhalten haben wir uns auf englisch. Die Stimmung war von Anfang an ausgelassen und der erste Eindruck war sehr positiv, so dass wir nach dem Abendessen beschlossen, noch etwas Zeit miteinander zu verbringen, um uns besser
kennen zu lernen.

Am nächsten Tag trafen sich alle, nun auch die inzwischen eingetroffenen Palästinenser zur Begrüßung in der Bundeszentrale für politische Bildung, wo wir herzlichst mit Getränken und Frühstück empfangen wurden. Dies war auch der Zeitpunkt, an dem Israelis und Palästinenser das erste Mal aufeinandertrafen. Zuerst stellten sich die Jugendpresse Deutschland im Namen der deutschen Teilnehmer und die Friedrich-Ebert-Stiftung vor, die das Projekt unterstützt. Auch die Israelis und die Palästinenser bekamen die Chance, sich vorzustellen und zu erläutern, wieso sie an diesem Workshop teilnehmen und was ihre Ziele, Wünsche und Hoffnungen für die kommende Woche sind. Die Israelis, alle Mitglieder der Organisation " Peace Now", setzten sich für Frieden zwischen den Fronten ein. Die Palästinenser arbeiten gemeinsam an einem Projekt namens "Cinema Jenin", bei dem sie ein altes zerstörtes Kino in Jenin neu aufbauen und restaurieren.

Sie haben sich für den Workshop beworben, weil sie sich mit Israelis treffen und mit ihnen reden wollten. In ihrem Heimatland sind Begegnungen zwischen den beiden Gruppen fast nicht möglich.
An diesem Tag wurden wir in Dreiergruppen, jeweils ein Deutscher, Palästinenser und Israeli, eingeteilt, um zusammen an dem Medienworkshop teilzunehmen und später gemeinsam einen kurzen Film zu drehen. Sinn des Ganzen war weniger zu lernen, wie man mit der Kamera umgeht,oder wie man einen professionellen Film dreht, der Schwerpunkt lag auf der Zusammenarbeit über alle Grenzen, Konflikte, Kulturen, Sprachbarrieren und Vorurteile.
An den ersten beiden Tagen besuchten wir die Workshops, um zu lernen, wie man einen Film dreht. Ein professioneller Regisseur half uns bei der Arbeit. In unseren Gruppen gingen wir selbstständig auf die Straße, um Menschen zu den verschiedensten Themen zu interviewen.

Meine Gruppe beschäftigte sich mit der Holocaustüberlebenden Margot Friedländer, die uns bei einem Treffen ihre Geschichte erzählte und ihr Buch " Versuche dein Leben zu machen" vorstellte.
Nach der Befreiung aus Auschwitz wanderten sie und ihr Mann in die USA aus, wo sie von 1946an lebte. Nachdem ihr Mann, Adolf Friedländer, im Jahr 1997 starb, kehrte die gebürtige Berlinerin 2010 in ihre Heimatstadt zurück.

Die Israelis waren von Anfang an sehr offen und haben viel mit uns unternommen. Sie hatten vielInteresse an Deutschland, haben viel gefragt, wollten viel sehen. Die Palästinenser haben mehr den Kontakt zu den Israelis gesucht, was sie ja auch schon bei ihrer Vorstellung am ersten Tag angekündigt hatten. Das Projekt war ein voller Erfolg: Israelis und Palästinenser haben ein sehr
gutes Verhältnis zueinander aufgebaut und wollen auch nach ihrer Rückkehr in Kontakt bleiben.

Außerdem gab es während der gesamten Zeit keinerlei Konflikte. Die Palästinenser haben uns Deutsche eingeladen, sie in Jenin zu besuchen. Die Begegnung war sehr interessant: Wir haben erlebt, dass Israelis und Palästinenser friedlich und harmonisch miteinander umgehen und zusammenarbeiten können, trotz aller aktuellen Konflikte. Wir haben gelernt, wie Deutsche und Juden heute miteinander umgehen und zusammenarbeiten können, trotz der Verbrechen die unsere Vorfahren an ihren Vorfahren begangen haben."


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