Asylbewerber ohne Haftpflicht

HANDLUNGSBEDARF Geschädigte bleiben auf Kosten sitzen

Tiefe Kratzer und Beulen blieben an dem Fahrzeug zurück, so dass ein Schaden von rund 2000 Euro entstand. (Foto: privat)

Gott sei Dank ist nichts Schlimmes passiert, aber der Fall macht deutlich, dass es hier einen dringenden Handlungsbedarf gibt. Die junge Frau war mit ihrem Auto vom Herborner Gutshof aus in Richtung Stadt unterwegs. Als sie an dem Kreisel ausgangs des Fachmarktzentrums anhalten musste, fuhr ihr ein Flüchtling aus Eritrea mit dem Fahrrad von hinten in den Wagen.

Leiter des Sozialamtes sieht einen dringenden Handlungsbedarf

Die 22-Jährige rief die Polizei, die die Personalien des Mannes feststellte. Einen Tag später sollte sie in der Polizeistation vorbeischauen. Dort gab es die Hiobsbotschaft: Wahrscheinlich sei der Flüchtling nicht versichert. Sie solle beim Sozialamt in Dillenburg nachfragen. "Was ich dort hörte, riss mir den Boden unter den Füßen weg", sagt die Geschädigte. Der Polizeibeamte hatte recht. Generell, hörte die Frau von den Mitarbeitern des Sozialamtes, seien Flüchtlinge in Deutschland nicht haftpflichtversichert.

Nun bleibt sie auf dem Schaden in Höhe von rund 2000 Euro sitzen oder muss eine Einigung mit ihrer Versicherung erzielen, die dann aber die Heraufstufung des Versicherungsbeitrages zur Folge hat. "Es kann doch nicht sein, dass Tausende Menschen die Sachen anderer beschädigen können, ohne dafür gerade stehen zu müssen", kann es die 22-Jährige noch immer nicht fassen.

"Diese nicht geregelte Situation finde ich ganz unglücklich", sagt der Leiter des Kreissozialamtes in Wetzlar, Klaus Gerhard Schreiner. Er kann die Auskunft der Dillenburger Kollegen nur bestätigen. Für Schreiner ist aber auch klar, dass "hier dringender Handlungsbedarf besteht". Er sei in dieser Sache bereits über den Landkreistag aktiv geworden, berichtete der Behördenleiter. Aus seiner Sicht sei es wichtig, dass eine landesweite Regelung gefunden werde. "Wir dürfen jetzt nicht so tun, als wenn uns das Thema nichts angeht. Von einem weiteren Fall im Lahn-Dill-Kreis weiß der Behördenleiter nichts.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Asylbewerber Schäden verursachen, wird im Kreis angesichts der derzeitigen Flüchtlingsströme allerdings immer größer. Laut Schreiner sind derzeit im heimischen Raum rund 1100 Flüchtlinge untergebracht. Im ersten Halbjahr 2014 seien rund 250 neue dazugekommen , weitere 500 müssten voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte noch aufgenommen werden.


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