Beim Apfelmarkt kommen Besucher auf ihre Kosten

Früchte und Traktoren
Von "D" wie Deutz bis "L" ...

"Mittlerweile veranstalten wir den Apfelmarkt und das Traktortreffen bereits zum zwölften Mal", sagte Funk, der maßgeblich an der Planung und Umsetzung der Veranstaltung beteiligt ist. "Sogar Landrat Wolfgang Schuster war heute morgen schon hier und hat uns gratuliert, dass wir das schon so lange machen." Der Landrat deckte sich mit frisch gepflückten Äpfeln und Bienenhonig ein.

Wenn es um Äpfel geht, kann man ...

Hatscheln mit Apfelmus

Die NABU-Mitglieder sorgten auch dafür, dass die vielen Besucher ihre frisch gebrutzelten Hatscheln nicht ohne Beilage essen mussten. "Gott sei Dank haben wir letztes Jahr so viel Apfelmus eingekocht", sagte Reimut Hardt, der gemeinsam mit Rainer Sauer die Reibekuchen in heißem Fett brutzelte. "Von der Apfelernte, die wir dieses Jahr hatten, hätten wir nicht so viel machen können." Aber Reibekuchen ohne Apfelmus? "Das geht nicht! Das gehört einfach zusammen", sagte Funk lachend. Glücklicherweise reichte die Ernte dennoch, damit der ein oder andere Besucher das ein oder andere Kilo mit nach Hause nehmen konnten.

1985 hatte der NABU mit seiner Jugendgruppe 250 Apfelbäume in der Gemarkung Odersberg gepflanzt. Diese werden Jahr für Jahr abgeerntet und auf dem Apfelmarkt verkauft – entweder als ganze Früchte oder gepresst als Most.

Hans Dieter Mahr und Andreas Vicker waren an der großen Apfelpresse zu Gange. Echte Muskelkraft wurde benötigt, um aus dem Obst den Saft herauszupressen. Der Most wurde anschließend nicht nur in großen Literbehältern mit nach Hause genommen, sondern auch direkt zu den Hatscheln getrunken. "Wir haben schon gut 15 Liter gepresst", freuten sich die Apfelernter um die Mittagszeit.

Im Bürgerhaus konnten sich die Besucher mit weiteren Bio-Produkten eindecken. Frischer Honig des Gusternhainers Gerhard Buttler sowie Seife und Körperbutter aus rein pflanzlicher Herstellung gab es dort. Bienenzüchter Buttler, der sich seit 45 Jahren dem süßen, goldenen Saft verschrieben hat, merkte an: "Teilweise haben die Imker dieses Jahr Ausfälle bis zu 90 Prozent." Vor allem läge es an der Pestizid-Verwendung in der Landwirtschaft, dass so viele Bienenvölker auswandern oder aussterben würden. "Pestizide zerstören den Kreislauf", sagte auch Funk. "Deshalb plädieren wir dafür, nicht oder nur wenig zu spritzen. Leider geht es in unserer heutigen Zeit häufig nur noch um Gewinnmaximierung." Schäden an der Natur und Umwelt würden dafür billigend in Kauf genommen.

Das Äpfel wirklich das Steckenpferd Funks sind, merkte man am angrenzenden Tisch. "Ich habe hier 21 alte Sorten ausgestellt", sagte der Odersberger Naturschützer. "Im Vergleich: letztes Jahr waren es noch 55." Und so gab es dort Exoten wie den "Roten Eiserapfel", den "Roten Boskop" oder den "Gravensteiner" zu bestaunen. "Die bekommt man in keinem Supermarkt", erklärte Funke, der nur selbst Angepflanztes isst. Diese 21 Sorten könne er größtenteils am Geschmack erkennen. "Mit der Zeit kennt man die." Wenn sich Funk doch einmal unsicher sein sollte, kann er auf dutzenden handgezeichneten Plänen nachschauen, wo welche Apfelsorte wächst.

Draußen waren rund 20 historische Traktoren ausgestellt. "Wir haben Traktorfreunde aus Schönbach, Niederscheld und Kölschhausen da", freute sich Funk. Einer der meist bestaunten Trecker war Bertold Schmitts Lanz-Bulldog, den der Arborner in liebevoller Kleinarbeit restauriert hatte. Funk war mit seinem Deutz von 1954 vertreten. Da die Zugmaschine noch richtig im Einsatz ist – natürlich zur Apfelernte – geht schon mal etwas kaputt. Für diesen Fall war Herbert Klein vor Ort. Der gelernte Autoelektriker aus Odersberg sammelt seit 1955 alles, was es an Ersatzteilen für die schweren Maschinen gibt. "So langsam will ich meine Teile mal unter die Leute bringen", lachte er. In seiner Garage hatte er neben Lampen für Bulldogs aller Typen auch Glühkerzen, Zündschlösser, Batterieklemmen, Schwungräder und, und, und im Angebot. "Das sind alles Originalteile. Erst vor kurzem habe er eine riesige Sammlung aufgekauft. "Dabei wollte ich ja eigentlich nichts mehr sammeln. Aber man kann das ja nicht einfach wegwerfen", seufzte er.

So konnten sich die Besucher am Samstagnachmittag in Odersberg mit allem eindecken, was das Herz begehrt: Frisches Obst für den eigenen Körper und frische Ersatzteile für den guten, alten Schlepper.

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Copyright © mittelhessen.de 2012
Dokument erstellt am 06.10.2012 um 19:07:00 Uhr
Letzte Änderung am 06.10.2012 um 19:20:12 Uhr
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