Boxer im Glück: Alte Besitzer melden sich

FUNDHUND Ehepaar aus dem Westerwald erkennt in "Silvester" seinen früheren Hund "Spike"

Wiedersehen: "Spike" hat sein früheres "Herrchen" sofort erkannt, freudig begrüßt und für Streicheleinheiten auf seinem Fuß Platz genommen. So hatte er es immer gemacht, als er noch bei der Familie auf dem Westerwald lebte. 

Samstagvormittag war die Familie vom Westerwald nach Dillenburg gefahren. Im Tierheim hatten sie einen Termin mit "Silvester" und Christine Nickel, der Vorsitzenden des Tierschutzvereins (TSV) Dillenburg und Umgebung.

"Es war eine Nacht voller Tränen", berichtete die Familie über die zurückliegenden Stunden. So sehr hätten sie sich um "ihren Spike" gesorgt und sich Gedanken darüber gemacht, was ihm Schreckliches widerfahren sein müsse. Kurz: Bei dem Boxer war ein Karabinerhaken aus dem Hals entfernt worden, der das Kettenhalsband zusammenhielt. Zudem war er auf noch nicht mal 19 Kilogramm abgemagert - er bestand fast nur noch aus Haut und Knochen.

Bei der Familie auf dem Westerwald sei der Welpe im Juli 2003 eingezogen, erzählt die Frau. "Bis Mai 2008 war er Teil unserer Familie. Er hatte sogar einen eigenen Sessel und lebte bei uns im Rudel mit zwei Silki-Terriern", erinnert sie sich.

Behalten konnten sie "Spike" aber nicht: Aufgrund wohnlicher Veränderungen hätten sie sich schweren Herzens damals von allen drei Hunden trennen müssen. "Spike" sei zu einer Familie ebenfalls auf dem Westerwald gekommen, die sich sehr gut um ihn gekümmert habe. Im Herbst 2011 sei die Spur zu "Spike" jedoch verloren gegangen.

Umso schockierter seien nun sie gewesen als sie auf www.mittelhessen.de ihren früheren Hund erkannt hätten, der einen festen Platz bei ihnen gehabt habe: "Bis heute steht ein Foto von ihm in unserer Wohnung. Er ist in Gedanken immer bei uns gewesen."

Das Bild brachte die Familie gestern mit nach Dillenburg, um zu schauen, ob es wirklich "ihr Spike" ist, der eine qualvolle Tortur mitgemacht haben muss. Die Szenen, die sich dann ab 10 Uhr im Tierheim abspielten, waren bewegend und rührten viele Beteiligte zu Tränen: Als "Silvester" aus dem Hundehaus kam, gab es kein Halten mehr. Der Hund schien sein altes "Herrchen" zu erkennen und rannte voller Freude auf den Ehemann zu. Er war vom Welpenalter an bis zu seiner Abgabe fünf Jahre später seine Bezugsperson, berichtete er.

"Spikes" Freude über das Wiedersehen mit seiner alten Familie kannte keine Grenzen. Sein Alter von elf Jahren merkte man dem stark abgemagerten Hund nicht an. Er rannte freudig über das Gelände, suchte immer wieder die Nähe zu "seiner Familie", ließ sich liebend gern streicheln, folgte aufmerksam den Gehorsamsbefehlen und schaute sehnsüchtig "seine" Menschen an.

Bei der Familie vom Westerwald war die Freude genauso groß. Tränen liefen die Wangen runter. "Ich hab Herzrasen", sagte die Ehefrau aufgeregt.

Es folgte eine lange Gassirunde. Dafür hatte Tierheimmitarbeiterin Nicole Rehbein "Spike" vorsichtig ein Geschirr angelegt, das den großen Verband um seinen Hals nicht beeinträchtigte. Die Leine wurde eingehakt, und los ging es zu einer Runde durchs Dillfeld.

Christine Nickel bewegte die Situation gleichermaßen. "Ich habe einen Kloß im Hals. So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte sie. Auch die Unterstützung und Hilfsangebote, die der TSV via Internet bekam, überwältigten die Vorsitzende.

Seit der Veröffentlichung des Artikels in dieser Zeitung und auf www.mittelhessen.de ist die Geschichte des Boxers von Nenderoth deutschlandweit bei Tierfreunden, Verbänden und Vereinen sowie in Foren Thema Nummer eins.

Mitglieder vom Zuchtverband und vom Boxerklub boten ihre Unterstützung bei der Suche nach der Herkunft des Rüden an. Andere fragten, wie sie helfen können und ob eine Futterspende den TSV unterstützen würde. Wieder andere kündigten Spenden an den TSV an.

Nun muss der Familienrat entscheiden, ob "Spike" in sein altes Zuhause darf

Die riesigen Resonanz und das Glück, dass sich die alten Besitzer gemeldet haben, brachten Nickel zum Weinen: "Das alles zeigt, wie viele Menschen sensibel für so etwas sind und die große Gemeinschaft der Tierfreunde. Es ist wichtig, dass solche Schicksale wie das von Spike erschüttern."

Und wie geht es nun weiter mit "Spike"? Das Ehepaar vom Westerwald will den Familienrat zusammentrommeln: "Wir werden überlegen und beraten, ob und wie wir es organisieren können, dass ,Spike’ wieder zu uns zurückkehrt." Ob es eine Lösung in seiner alten Familie gibt, ist also noch nicht klar, denn bei ihr gibt es inzwischen noch zwei andere Hunde. Am Montag will sie sich wieder im Tierheim melden.


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Kommentare (6)
Manche "Menschen" sind einfach nur SCHEIßE !!! Wann endlich werden Tiere nicht mehr nur als "Sache" angesehen ??? Ihr vekackten deutschen Gesetzgeber, laßt Euch ein altes Brötchen in die Birne setzen, da habt ihr mehr
endlich mal etwas intelligentes im Kopp !!

@stefan_ Thielmann :

Ihr Kommentar stimmt zu 100 % ! Und dem "Nutzvieh" (was für ein perverses Wort für empfindungsfähige Lebewesen!) geht es oft noch viel schlimmer als den armen, ausgesetzten Tieren, die es hoffentlich in ein neues Zuhause schaffen! Schließlich ist ihre einzige "Daseinsberechtigung", von Mennschen gefressen zu werden !
So schlimm wie das hier ist, aber jedem Schwein, jeder Kuh, jedem Huhn in der Massentierhaltung ergeht es mindestens genau so schlimm. Wer sich über Tierquälerei bei Hunden und Katzen aufregt und dazu sein Schnitzel mehr
oder Hackbraten isst, ist für mich ein Heuchler.
Ich habe in Leitsatz auf die vielen Facebooknutzer hingewiesen in dem der Vergleich gezogen wurde daß die ersten Besitzer aus privaten Gründen ihre Tiere abgeben mußten.
Was mit diesem Tier geschehen ist, ist natürlich mehr
verachtend und muß hart bestraft werden.
Doch das Urteilen über Personen die man nichtkennt und die Hintergründe nicht weiß so zu urteilen ist auch nicht rechtens.
Es kann doch durchaus sein daß diese Leute mit dem Rücken an der Wand standen und keinen anderen Ausweg gesehen haben.
Ich habe damit auch nur ausdrücken wollen, daß es auch Leute gibt die morgens ihre Kinder in den Hort bringen und abends wieder holen.
Ich kenne einige die es nicht nur der Arbeit wegen tun sondern sorgenfrei Shoppen und mit Freunden etc. einen Kaffee trinken können. So hart es auch klingt, unter uns Menschen gibt es jede Art zu finden.
Dazu kann ich nur immer wieder sagen, dass die Strafe, die so jemanden erwartet, ein Witz ist. Jeder, der seine Steuererklärung nicht richtig ausfüllt, wird mehr bestraft.
Und an Lahngeist: Zwischen Tierquälerei und mehr
einem Kinderhort ist ja wohl ein himmelweiter Unterschied. Leider müssen heute immer mehr Mütter arbeiten, um das Überleben der Familie zu ermöglichen. Aber ein Lebewesen absichtlich zu quälen und ihm Schmerzen zuzufügen, das ist das Letzte. (Anmerkung: Kommentar von der Redaktion leicht gekürzt)
Wenn ich den Kommentar von "Lahngeist" lese, wird mir schlecht!
Liebe(r) Lahngeist, willkommen im 21. Jahrhundert. Nicht jeder, der sein Kind in einen Hort gibt, kraxelt die Karriereleiter hoch sondern versucht zu mehr
überleben in dem er Geld verdienen geht. Erst Gehirn einschalten (falls vorhanden) - dann schreiben.

Das mit dem Hund finde ich schrecklich und ich hoffe, dass die Verantwortlichen gefunden und ordentlich bestraft werden.
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