
Der Reformationstag war aus gutem Grund sowohl für die Grundsteinlegung als auch die Einweihung gewählt worden. "Wir sind lebende Steine im Haus Gottes", hatten die drei Pfarrer Ronald Lommel, Andree Best und Andreas Friedrich in dem der Eröffnung vorangesetzten Gottesdienst in der Stadtkirche betont. Denn Reformator Martin Luther habe immer wieder vom "Haus Gottes" gesprochen, wenn er Gemeinde meinte.

Der Gottesdienst stand im Zeichen der Fertigstellung des Gemeindehauses. Eines Projektes, mit dem die Gemeinde durch schwierige Phasen gegangen sei, wie Wolf-Rüdiger Berns in seiner Eröffnungsrede im aus allen Nähten platzenden großen Olevian-Saal erinnerte.
Die Gemeinde habe eine Krise erlebt, als sie vor sieben Jahren erfahren habe, dass ihr altes Gemeindehaus am Hintersand nicht wie geplant nur energetisch zu sanieren sei. Dass nun das "Wunder" der Realisierung des Gemeindehauses Wirklichkeit geworden sei, sei auch der Erfahrung zu verdanken, "dass eine Krise kein Untergang, sondern ein Neuanfang ist".
Doch von den ersten Visionen bis zu Grundsteinlegung, Richtfest und Einweihung habe es auch ein wenig gedauert, sagte Berns. Der Vorsitzende des Kirchenvorstandes forderte die Gemeindeglieder auf: "Macht was draus!" Dabei erinnerte er an die Metapher der lebendigen Steine. "Das neue Haus soll ein einladender Raum für die Gemeinschaft sein."
Wolf-Rüdiger Berns würdigte vor allem die Leistung des Herborner Architekten Rainer Bierbach, schloss aber neben den Verantwortlichen bei der Landeskirche auch die vielen Menschen ein, "die mit ihren Ideen und Handlungen mitgeholfen haben."
Den katholischen "Kollegen" gefällt es auch: "Ein wunderschönes Haus"
Rainer Bierbach erinnerte sich noch sehr gut an die Betroffenheit, die nach dem Urteil über die Sanierbarkeit des alten Gemeindehauses geherrscht habe. Als Architekt habe er es mit gleich drei Bauherren zu tun gehabt, sagte er. Neben der Kirchengemeinde hätten auch die Landeskirche und die Denkmalpflege mit im Boot gesessen. Am Ende sei ein gelungener Neubau entstanden, der hell und freundlich sei, über moderne technische Einrichtungen verfüge und zudem das Ensemble aus Pfarrbüro und Kirche architektonisch komplettiere. Das wisse auch die politische Gemeinde Herborns zu würdigen, betonte Bürgermeister Hans Benner und attestierte den Bauherren, "dass Sie Gutes für die Stadt getan haben." Diese wiederum habe ihren Beitrag dazu geleistet, "zwischen Hintersand und Kirchberg viele Steine aus dem Weg zu räumen."
Dass es ein "wunderschönes Haus" ist, bescheinigte für die katholische Pfarrgemeinde St. Petrus Pfarrer Michael Niermann und Egon Freund von der Evangelischen Allianz meldete in seinem Grußwort auch gleich Bedarf für den Olevian-Saal an: "Wir wollen Untermieter werden."
Zwei gerahmte Seiten der Piscator-Bibel überreichte Professor Stefan Claaß vom Theologischen Seminar der Landeskirche dem Hausherrn Wolf-Rüdiger Berns. Und weil Kinder "die Zukunft der Kirchengemeinde sind", schenkten die Mädchen und Jungen der evangelischen Kindertagesstätte durch ihre Erzieherinnen ein Bild mit dem Motiv der Arche Noah.







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