Die NASA blickt auf Breitscheid

"HERBSTLABYRINTH" Wissenschaftler untersuchen weltweit einmalige Bakterien-Ansammlungen
Experten-Besuch aus den USA: Im ... | Foto: privat

Dieses "Etwas" ist eine Lebensform. Genauer gesagt Mikroorganismen namens "Pool Fingers". Entdeckt im Breitscheider Höhlensystem "Herbstlabyrinth" und von der Fachwelt als Sensation gewertet. Aber der Reihe nach.

Von Breitscheid aus über den ... | Foto: privat

Im Jahr 2009 wurden in einem Wasserbecken der Breitscheider Höhle "Pool Fingers" entdeckt. Dabei handelt es sich um mit Kalk überkrustete Fäden aus Bakterienschleim, sogenannte biogene Sinter. Diese fingerartigen Gebilde, die mehrere Dezimeter lang werden können, bilden sich an den Rändern von wassergefüllten Sinterbecken. Solche "Pool Fingers" finden sich weltweit in einigen wenigen Höhlen.

Die Vorkommen im "Herbstlabyrinth" sind allerdings etwas ganz besonderes: Neben den bereits bekannten, nämlich den mit Kalk überzogenen und damit "toten" Bakterien, wurden in der Breitscheider Höhle auch weiche, lebende "Pool Fingers" ohne Kalkverkrustungen entdeckt. Damit ist die Breitscheider Höhle die erste weltweit, in der lebende "Pool Fingers" gefunden worden sind.

Eine Tatsache, die nicht nur in Fachkreisen weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Auch die NASA interessiert sich für die "Pool Fingers" aus Breitscheid.

Schleimige "Poolfingers" werden nur durch Zufall von US-Wissenschaftlerinnen untersucht

Dass die schleimigen "Pool Fingers", die bis zu zehn Zentimeter lang sein können, nun von zwei Wissenschaftlerinnen aus den USA genauer untersucht werden, ist allerdings dem Zufall zu verdanken: Höhlenforscher Ingo Dorsten aus Uckersdorf hatte gemeinsam mit Stefan Meyer, einem befreundeten Höhlenforscher aus Hildesheim, in einem österreichischem Fachmagazin einen Artikel über die "Riesenberghöhle" in Norddeutschland veröffentlicht. In diesem Artikel tauchte auch ein Foto auf, auf denen "Pool Fingers" - in ihrer "toten", mit Kalk überzogenen Form - zu sehen waren.

Zu diesem Zeitpunkt wussten Ingo Dorsten und Stefan Meyer allerdings noch nicht, was sie da in der "Riesenberghöhle" fotografiert hatten. Sie kannten die "Pool Fingers" schlicht und ergreifend nicht.

Einige Zeit später war dann ein Redakteur des österreichischen Fachmagazins auf einem Kongress in Texas. Dort hörte er einen Vortrag über "Pool Fingers" - und erinnerte sich sofort an das Foto. Zurück in Österreich, kontaktierte er Ingo Dorsten und Stefan Meyer und riet ihnen, ihre Aufnahme nach Amerika zu schicken - zu den beiden Wissenschaftlerinnen Diana Northup und Leslie Melim.

Doch die beiden Höhlenforscher schickten nicht nur das bereits veröffentliche Bild der "toten" Bakterien: Ingo Dorsten erinnerte sich daran, dass er solche seltsamen Gebilde auch schon im "Herbstlabyrinth" gesehen hatte. Also machte er auch davon ein Foto und schickte es in Richtung USA.

"Sensationell" - so schätzen zwei Forscherinnen aus den USA den Fund ein

Die Reaktion, die folgte, hatte der Vorsitzende der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen allerdings nicht erwartet. "Sensationell" lautete die Antwort von Diana Northup und Leslie Melim.

Die beiden Wissenschaftlerinnen, die an den Universitäten in Western Illinois und New Mexiko arbeiten, vergeudeten keine Zeit: Bereits kurze Zeit nach dem ersten Kontakt zu den deutschen Höhlenforschern beantragten sie Geld, um im Rahmen eines universitären Forschungsprojektes das "Herbstlabyrinth" zu untersuchen. Gleichzeitig holte auch Dorsten eine Forschungsgenehmigung beim zuständigen Landesamt für Denkmalpflege ein.

Im Sommer 2011 reisten die Wissenschaftlerinnen schließlich aus den USA an, um im "Herbstlabyrinth" mehrere Proben der Bakterien zu entnehmen.

Inzwischen liegen die ersten Untersuchungsergebnisse vor. Diese bestätigten die Annahme der Wissenschaftlerinnen und erklären gleichzeitig, warum die beiden Frauen so schnell in Deutschland waren: Die "Pool Fingers" aus Breitscheid sind die ersten lebenden ihrer Art, die jemals gefunden wurden.

Auch die NASA interessiert sich für die "Pool Fingers"

An dieser Stelle kommt die National Aeronautics and Space Administration - kurz NASA - ins Spiel: Auch die US-Bundesbehörde für Luft- und Raumfahrt interessiert sich für die "Pool Fingers". Denn unbekannte Lebensformen werden auf anderen Planeten vor allem in Höhlen vermutet. "Man weiß, dass es Höhlen auf dem Mars gibt", erklärt Ingo Dorsten. "Und wenn es Leben auf dem Mars gibt, dann wahrscheinlich in Form von Bakterien."

Vereinfacht gesagt, bedeutet das: Alles, was Wissenschaftler in dieser Hinsicht auf der Erde finden, kann mit Funden von anderen Planeten - beispielsweise vom Mars - verglichen werden. Ein Thema, das aktuell auch die Medien beherrscht. Schließlich sucht seit August der NASA-Roboter "Curiosity" auf dem Mars nach Wasser und Spuren von Leben.

Auf die Suche begeben sich bald auch wieder die beiden Wissenschaftlerinnen aus den USA: Für Anfang nächsten Jahres haben sie ihren zweiten Besuch in Breitscheid angekündigt. Dann wollen sie im "Herbstlabyrinth" weiter forschen. Nach etwas, das seit Jahrmillionen tief verborgen im Dunkel unter der Erde lebt ...

Link zum Thema
Dokumenten Information
Copyright © mittelhessen.de 2012
Dokument erstellt am 25.10.2012 um 17:25:00 Uhr
Letzte Änderung am 26.10.2012 um 08:51:53 Uhr
Kommentare (0)
Facebook Kommentare
Mehr aus Region Dillenburg
Orte
Wählen Sie Ihren Ort
Anzeige
Anzeige
Die Frühlingsfotos unserer Leser
Wetter in Dillenburg
Heute
wolkig
19°
Sonne
05:34 Uhr
21:14 Uhr
Regen
10%
Wind
7km/h
aus S
Anzeige
Verlagsbeilagen

Obduktion ergibt keine Hinweise auf Gewalteinwirkung: Vermisster Andreas Kleiber ertrank in der Dill

Herborn (red). Der Tote in der Dill, den Angler am 4. Mai bei Herborn fanden, ist der seit dem 26. April vermisste ... mehr

ERKLÄRUNG Kritiker sollen seine Familie außen vor lassen: Klingelhöfer entschuldigt sich

Mittenaar-Bicken. Gerrit Klingelhöfer bricht sein Schweigen: Der parteilose Mittenaarer Bürgermeister, gegen den die ... mehr

"FALL KLINGELHÖFER" "Zum Teil verjährt": Braun: Schaden liegt bei 65.000 Euro

Mittenaar-Bicken/Ehringshausen (jöw). 65.000 Euro - so viel Geld soll Mittenaars heutiger Bürgermeister Gerrit ... mehr

Vielseitige Ausstellung im Mosaikstall / Eröffnung am 28. Juli: Ikonen, Fotos, Mosaike

Ehringshausen (sh). "kunstwechsel 33" heißt die Ausstellung, die am 28. Juli um 17 Uhr mit einer Vernissage rund um ... mehr

KRÄUTERMARKT Klostermedizinforscher empfiehlt bei Schlafstörungen Fenchel: Maiwetter lockt 1000 Besucher

Solms-Oberbiel (lr). Bei ab mittags mildem Wetter haben am Mittwoch gut 1000 Besucher den siebten ... mehr

Neun Jungjäger sind nach altem Brauch in die Jägerschaft aufgenommen worden: "Der erste Schlag soll dich zum Jäger weih‘n"

Selters-Haintchen (rf). Neun Jungjäger haben im Frühjahr die Jägerprüfung vor dem Prüfausschuss in Weilburg ... mehr