Diskussion um Kombibad und Vogelpark

BÜRGERVERSAMMLUNG Lieber schwimmen als fliegen
Beantworteten Fragen aus dem ... | Foto: Weirich

Als erster Fragesteller aus dem Publikum sprach Erwin Schmidt dann den Themenkomplex "Wellenbad-Schließung/Kombibad-Bau" an: "Viele haben den Eindruck, dass das Projekt wie ein unliebsames Kind immer weiter verschoben wird", sagte der Herborner. Seinerzeit sei zwar ein erster Entwurfs-Film präsentiert worden, danach aber sei nach dem Motto "des Kaisers neue Kleider" das funktionierende Wellenbad "gnadenlos geschlossen" worden. Seitdem würden alle Kinder aus der "Stadt der Schulen" in Bäder in der Umgebung gefahren. Und dort hätten sie weniger Platz in den Becken und obendrein aufgrund der Fahrerei auch noch viel weniger Zeit zum eigentlichen Zweck des Unterricht, nämlich zum Schwimmen. Zudem sei zu bedenken, dass es auch viele Ältere gebe, die gerne ein Hallenbad besuchen möchten, aber nicht mehr so mobil sind.

Schlug vor, aus einem Herborner ... | Foto: Weirich

"Ich verhehle nicht", gestand Bürgermeister Benner ein, "dass in den vergangenen 20 Jahren da Fehler gemacht und keine größeren Sanierungen vorgenommen wurden." Fakt sei jedoch, dass das Wellenbad zuletzt nur mit einem Aufwand von vier bis fünf Millionen Euro hätte saniert und damit erhalten werden können. Deshalb sei die Schließung entschieden worden. Was die Pläne für ein Kombibad angehe, so werde diese Idee ja auch in der politischen Diskussion weiterverfolgt.

Wollte vom Bürgermeister ... | Foto: Weirich

Von den fünf Fraktionssprechern am Podium sagte Klaus Enenkel, dass die FWG immer der Meinung gewesen sei, dass Herborn ein Hallenbad brauche, um das Schwimmen auch im Winterhalbjahr zu ermöglichen - "nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Älteren". Eine Kommune und ein Bad dürften nicht wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt werden, denn zu ihren Aufgaben gehöre auch die Daseinsfürsorge wie etwa der Betrieb von Bädern. Dass in Sachen Kombibad noch nichts passiert sei, daran sei der Bürgermeister noch nicht einmal schuld, denn es sei offensichtlich von den beiden großen Fraktionen politisch nicht gewollt. Wenn man ein Kombibad bauen wolle, dann jetzt, sagte Enenkel, denn die Eurokrise habe Kredite billig gemacht.

Fragte nach, wie es mit den ... | Foto: Weirich

Dem Gutachten zufolge, würde der Bau eines Kombibades rund zehn Millionen Euro kosten, sagte Hans Jackel (CDU). Es gebe aber keine Garantie, dass es bei dieser Summe bleibt. Allein im vergangenen Jahr habe man allgemein eine Baukostensteigerung von 5,3 Prozent erlebt. "Das Kombibad will sicher jeder", sagte Jackel, aber angesichts der Tatsache, dass Bürgerhäuser und Feuerwehren in jedem Stadtteil zur örtlichen Kultur dazugehörten und alles auf einmal zu finanzieren nicht möglich sei, sei man zu dem Entschluss gekommen, dass ein Kombibad zu bauen derzeit unverantwortlich sei.

Ähnlich argumentierte Uwe Wolter (SPD). Die Schuldenlast für kommende Generationen wäre zu hoch. Die Grünen dagegen wären sofort zum Bau bereit, sagte Thea Garotti.

Es gebe derzeit von keiner Fraktion einen Antrag mit dem Ziel, ein Kombibad zu bauen, informierte Parlamentspräsident Müller. Warum denn der Antrag der Grünen abgelehnt worden sei, sich um Zuschüsse für ein Kombibad zu bemühen, wollte Thomas Spaether vom Guntersdorfer Ortsbeirat wissen. Da es keinen Antrag für den Bau gebe, wäre das der zweite vor dem ersten Schritt gewesen, antwortete Wolter.

Einen solchen habe es bisher nicht gegeben, weil doch klar sei, dass CDU und SPD ihn mit ihrer Mehrheit ablehnen würden, ergänzte Enenkel. Ungeachtet dessen werde die FWG nun so schnell wie möglich genau diesen Antrag stellen, kündigte er unter dem Applaus der Besucher an in Richtung Jackel und Wolter an: "Und dann bin ich auf ihre Entscheidung gespannt."

Zwölf Millionen für Verlagerung des Parks? Das ist allen Fraktionen viel zu teuer

Für zehn Uckersdorfs Ortsvorsteher Frank Deworetzki fragte dann, warum die Bürger nicht über die Ergebnisse der jüngsten Machbarkeitsstudie zum Uckersdorfer Vogelpark informiert würden. Man habe nur dank der Recherche der beiden heimischen Zeitungen davon erfahren, dass beispielsweise eine Erweiterung in Uckersdorf 4,7 Millionen Euro und eine Verlagerung in die Herborner Au mehr als zehn Millionen Euro kosten könnten. Zudem schlug er vor, den Park so zu belassen, wie er ist, und ihn vielleicht für ein bis zwei Millionen Euro "nur" auf Vordermann zu bringen.

"Ohne erhebliche Drittmittel", sagte Bürgermeister Benner, sei eine Verlagerung nach Herborn gar nicht möglich. Die Grünen seien tendenziell gegen einen bis zu zwölf Millionen Euro teuren Umzug, sagte Garotti. "Völlig illusorisch" nannte Uwe Wolter (SPD) ein solches Vorhaben. Eine solche große Lösung werde es wohl eher nicht geben, pflichtete Hans Jackel (CDU) bei.

Klaus Enenkel (FWG) berichtete, dass es in Uckersdorf auch viele Leute gebe, die den Park behalten wollten, wenn denn endlich für Lärmschutz gesorgt werde. Einen Park für zwölf Millionen in der Au werde es mit der FWG nicht geben, sagte er und gab zu verstehen, dass für die Freien Wähler ein Kombibad viel wichtiger sei: "Wir bringen unseren Kindern lieber das Schwimmen bei als das Fliegen!"

Ellen Boysen hatte von den Plänen für eine Energiegenossenschaft in Haiger gehört, würde sich zwar da beteiligen wollen, aber ihr Geld lieber in Herborn investieren. Solle sie also noch warten, fragte sie. Sie möge ihr Geld noch etwas zurückhalten, sagte Bürgermeister Benner. Stadt und Stadtwerke wollten bei der zu gründenden Lahn-Dill-Bergland-Energie-GmbH einsteigen, und an der sollen sich auch Bürger beteiligen können.

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Copyright © mittelhessen.de 2012
Dokument erstellt am 31.10.2012 um 17:47:00 Uhr
Letzte Änderung am 31.10.2012 um 20:59:05 Uhr
Kommentare (1)
Man glaubt es nicht, Bürgermeisterr Benner behauptet jetzt, die Schließung des Wellenbades sei erfolgt, da in den vergangen 20 Jahren Fehler gemacht wurden und größere Investitionen nicht erfolgt seien. Herr Benner mehr
erinnern sie sich bitte, das Wellenbad sollte am vorhandenen Standort erweitert und zu einem Wellnessbad umgebaut werden. Hierfür wären 4 bis 5 Mio. Euro erforderlich gewesen, alternativ hätten sie das Bad weiter betreiben können.
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