Ein "Mehrfach-Intensivtäter"

JUSTIZ Die kriminelle Karriere des mutmaßlichen Polizistenmörders von Herborn

Heiligabend am Herborner Bahnhof: Ein 46-jähriger Polizist wird durch eine Messerattacke getötet, sein Kollege schwer verletzt. Anlass für die Tat: eine Fahrscheinkontrolle. Ein 27-jähriger Dillenburger - noch durch Schüsse von einem der Polizisten verletzt - wird wegen Mordverdachts verhaftet. Er sitzt seitdem in der Justizvollzugsanstalt Kassel, war dort zunächst im Haftkrankenhaus behandelt worden. Der mutmaßliche Polizistenmörder ist polizeibekannt, hat zig Akteneinträge wegen Körperverletzungen. (Foto: Rumpenhorst/dpa)

Für die Polizei war der Dillenburger - und Ex-Haigerer - ein "Mehrfach-Intensivtäter". Seit 2002, also damals als 14-Jähriger, sei er polizeilich in Erscheinung getreten, berichten Polizeibeamte. Es folgten Akteneinträge bei der Polizei in den Jahren 2004, 2005, 2007, 2009, 2010, 2011, 2014 und 2015. Meist seien es gefährliche Körperverletzungen gewesen oder Bedrohungen. Meist habe er ein Messer benutzt.

Viermal sei er seit 2006 zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. So habe er zuletzt zwei Jahre und zehn Monate gesessen. Im Mai 2011, er sei gerade drei Tage aus dem Knast draußen gewesen, habe er in Haiger einem Mann mit einem Messer das Gesicht aufgeritzt. Er sei betrunken gewesen. Auch das eine Parallele zu der Tat am Herborner Bahnhof.

Für die Körperverletzung in Haiger habe er bis April 2014 im Knast gesessen. Im November folgte die nächste Körperverletzung. Laut Staatsanwaltschaft hatte er auf einer Feier in Haiger einem anderen Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er habe ihm dabei das Nasenbein gebrochen. Anlass: ein Streit um den Musikgeschmack.

"Schaltest Du die Polizei ein, tu' ich Dir und Deiner Familie etwas an"

Und er habe dem Verletzten gedroht: "Schaltest Du die Polizei ein, tu' ich Dir und Deiner Familie etwas an."

Das Dillenburger Amtsgericht verurteilte ihn nach dieser Tat zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt. Das heißt: Sie würde 2018 ablaufen.

Es folgten aber schon 2015 weitere Taten, wegen derer er beschuldigt wurde. Im Mai soll er in Haiger einen Mann geohrfeigt und einen anderen Mann, der dazwischen ging, mit einem Glas gegen den Kopf geschlagen haben. Der Prozess folgte im November, musste aber vorläufig eingestellt und verschoben werden. Nach Angaben des Amtsgerichts war ein Hauptzeuge für ein Jahr im Ausland.

Der nächste Vorwurf: Im September soll er in Dillenburg einer anderen Person mit der Hand zweimal ins Gesicht geschlagen haben. Der Prozess war eigentlich für den 13. Januar 2016 angesetzt worden. Nach dem Geschehen an Heiligabend hat das Dillenburger Amtsgericht den Prozess aber erst mal aufgehoben. Der 27-Jährige sitzt seitdem als Tatverdächtiger in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Kassel. Möglicherweise wird die Körperverletzung dann in einem Prozess zusammen mit dem Mordvorwurf verhandelt.

Außerdem soll der Dillenburger bereits im Sommer 2015 gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen und unter anderem den Kontakt zu einer Bewährungshelferin abgebrochen haben. Auch eine Entscheidung über diesen Verstoß habe noch angestanden.

So blieb er jedoch zunächst auf freiem Fuß. Bis zum Heiligabend.


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Kommentare (4)
Dem kann man nur zustimmen. Die "Kuscheljustiz" ist mit ein Hauptgrund, warum die Kriminalität, vorallem in organisierter Form, kaum wirksam bekämpft werden kann. Alles in allem finde ich auch die linksliberale Politik, mehr
die sich in den letzten 15 Jahren etabliert hat, gerade hier grundfalsch: Oft genug werden Opfer- und Täterrollen verdreht, getreu dem Motto "Man muss ja auch berücksichtigen, welche schweren, traumatisierenden Erlebnisse der Täter in der Vergangenheit/Kinderheit/etc. hatte!" – natürlich muss man das, aber dann darf man die Tat nicht relativieren sondern muss solche psychisch kranken Menschen bis zur vollständigen Heilung unter Beobachtung halten. Sollten sie dann auffällig werden (wie z.B. durch versuchte Körperverletzungen oder gar Mordversuche) ist die Öffentlichkeit vor Ihnen zu schützen, indem man sie in geschlossenen Einrichtungen behandelt. Alleine wenn ich schon die – ganz bestimmt politisch korrekte – Formulierung "Ein 27-jähriger Dillenburger soll an Heiligabend am Herborner Bahnhof einen Polizisten erstochen haben." lese, kommt mir die Galle hoch! Er SOLL? Er HAT!!!
LDKler ich stimme Ihnen voll zu. Ja, die Justiz braucht einen neuen Wecker. Dieser Mann dürfte nie mehr aus dem Gefängis raus. Er müsste morgens in einem Steinbruch arbeiten - dann käme er nie mehr auf solche Ideen mehr
solch eine Tat zu begehen. Aber in unseren Gefängnissen bekommen sie noch Streicheleinheiten. Die haben es doch gut dort - Fernseher u.s.w. Wenn man bei Rot über die Ampel fährt wird man schlimmer bestraft, als bei solch einer schlimmen Straftat, einem Mord oder schwere Körperverletzung. Oder wenn man die Parkzeit überzieht. Aber irgendwie muss Geld reinkommen.
Die Angehörigen haben nicht nur ihren Ehemann und Vater verloren - sondern müssen sich oft noch mit ihrer Lebensversicherung rumschlagen um an ihr Geld zu kommen - um zu überleben und nicht aus ihrem Haus rausgeworfen zu werden. Der Tod allein dieses Menschen ist schon ein großer Verlust - aber was dann noch alles auf diese Anghörigen zukommt, daran denkt keiner - und die meisten wissen es auch nicht womit sie sich noch rumschlagen müssen. In der Opferfhilfe muss viel mehr getan werden. Aber dafür ist kein Geld da. Leider!
Wenn man das liest fragt man sich wer das zu Verantworten hat, dass dieser Mensch frei rumgelaufen ist. Hier hat die Justiz meiner Meinung nach geschlafen!
Das beste Beispiel für Mangelndes Handeln unserer Gerichte.
Leider musste nun ein Familienvater mit seinem Leben dafür bezahlen.
Hier sollten etwaige Entscheidungsträger direkt mit eingesperrt werden.
Solche ein mehr
Werdegang und auf freiem Fuß? ??
Hoeneß saß wegen Steuerhinterziehung. .......
Dieses Land setzt die Prioritäten in der Rechtsprechung falsch.
Nur schade das solche Fehlentscheidungen jemanden das Leben gekostet haben.
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