Haigerer Stadthalle platzt bei Infoveranstaltung aus allen Nähten

FLÜCHTLINGE "Wir sind gut vorbereitet"

Über den letzten bestuhlten Platz hinaus gefüllt war am Dienstagabend die Haigerer Stadthalle bei einer Informationsveranstaltung zum Thema Flüchtlinge. Den Weg in den großen Saal gefunden hatten auch einige Störenfriede, die in regelmäßigen Abständen vergebens versuchten, die Redner aus dem Konzept zu bringen. (Foto: C. Weber)

Nachdem Piero Scarfalloto (rechts) und Michael Hörder die Organisation des Arbeitskreises Migration und Integration (AMIN) vorgestellt hatten, berichtete Jens Becker (rechts) von der Arbeit der Flüchtlingshilfe Sechshelden. (Foto: C. Weber)

Bild 1 von 2

Gestört wurde der Abend jedoch von einer Handvoll Personen, die schon bei der Anmoderation von Ralf-Stefan Triesch erste Zwischenrufe für passend erachteten. "Bleiben Sie sachlich, alles andere bringt nichts", versuchte Haigers Bürgermeister Mario Schramm (parteilos) die Gemüter zu beruhigen, was auch über weite Strecken der zweistündigen Veranstaltung gelang.

Während die meisten Redner die Zwischenrufe ignorierten und der eine oder andere Sitznachbar mit einem guten Kommentar zu kontern wusste, platzte Landrat Wolfgang Schuster (SPD) irgendwann der Kragen: "Wir sind hier nicht in Sachsen, wo der Pöbel ist. Wir wissen, was Demokratie ist."

Wie gut Haiger im Vorfeld der im Raum stehenden Aufnahme von Flüchtlingen aufgestellt ist, zeigten Piero Scarfalloto und Michael Hörder vom Arbeitskreis Migration und Integration (AMIN) auch anhand ihrer Vernetzung in den verschiedenen Arbeitsgruppen. "Wir sind gut vorbereitet auf den Moment, in dem der Landrat kommt und uns sagt, jetzt kommt jemand", blickte Hörder zuversichtlich in die Zukunft. Man wolle "helfen und damit gleichzeitig einen guten Eindruck für Haiger abgeben." Scarfalloto sieht in Patenschaften mit Flüchtlingen eine "Win-win-Situation" (Gewinn für beide Seiten, Anm. d. Red.), wobei er das Erlernen der deutschen Sprache als "Schlüssel zur Integration" beschreibt.

Landrat Schuster: "Wir müssen einen Plan B haben, wenn wir nicht in Turnhallen gehen wollen"

Die Flüchtlingshilfe in Sechshelden ist da schon einen Schritt weiter. "Vor einem halben Jahr wussten wir, da kommen Flüchtlinge - zwei Wochen später waren sie da", berichtet Jens Becker über die Anfänge in Sechshelden. "Ohne vernünftige Organisation ist dies nicht möglich", hat man dann schnell festgestellt. Wichtig sei die Begleitung der Asyl suchenden, denn "wie will ich mich anpassen in einem Land, in dem ich nicht weiß, wie die Regeln sind", will Becker mit seinem Organisationsteam "die Menschen dazu erziehen, selbstständig zu leben".

Klaus Schreiner ("Wenn wir von Zahlen reden, dann reden wir von Menschen"), Abteilungsleiter Soziales und Integration beim Lahn-Dill-Kreis, ging zusammen mit Anne Peter-Lauff auf die Arbeit im Kreishaus in Wetzlar ein. Im vergangenen Jahr wurden dem Kreis 2632 Flüchtlinge zugeteilt, in diesem Jahr sind es 556. Diese seien auf rund 200 Objekte verteilt. "Das klingt gut, aber größere Projekte wären einfacher zu betreuen", beschreibt Schreiner den Mehraufwand des Kreiskonzepts. Der Kreis, so Landrat Wolfgang Schuster, habe Mitte 2015 die Grundsatzentscheidung getroffen, keine Sporthallen für die Unterbringung wegzunehmen. "In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Einwohner im Kreis um 9000 bis 10 000 gesunken - die müssen ja irgendwo geschlafen haben", sucht der Landrat mit seinem Team ganz primär Lehrstände. "Wir haben noch Angebote für rund 600 Menschen", ging Schuster auf eine Frage aus dem Publikum nach einem "Containerdorf in Fellerdilln mit 1000 Leuten" ein: "Von 1000 Menschen war nie die Rede. Wir können bis zu 107 Flüchtlinge in Haiger im ehemaligen Möbelhaus und bis zu 80 in dem neuen Haus nebenan unterbringen. Falls uns die Wohnungen ausgehen sollten und sich keine alternativen Standorte ergeben, werden wir in Fellerdilln für maximal 100 Leute planen, denn wir müssen einen Plan B haben, wenn wir nicht in Turnhallen gehen wollen. Sollte dies notwendig sein, dann treffen wir uns hier wieder."


NEU: Die mittelhessen.de News-App. Jetzt kostenlos für Apple und Android laden!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2016
Kommentare (1)
Der Wutausbruch von Herrn Schuster war genauso blöd wie die Störrufe (und diese waren saudumm). Die ganze Veranstaltung war eine Werbungsveranstaltung für die Flüchtlingsvereine ohne einen echten Mehrwert an mehr
Informationen. Die Essenz war, das da irgendwann Leute nach Haiger kommen, wo keiner sagen kann ob es sich um Kriegsflüchtlinge oder Wirtschaftsflüchtlinge; Frauen und Kinder oder junge Männer handelt.
Mehr aus Region Dillenburg