"Hauptsache: Deutsch lernen"

ERFAHRUNGSAUSTAUSCH SPD-Bundes-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel bei Flüchtlingen

Ziele und Wünsche: Sehr interessiert hörten (von links) Stephan Grüger, Wolfgang Schuster, Dirk Hardt und SPD-Bundesvize Thorsten Schäfer-Gümbel den jungen Flüchtlingen zu. (Foto: Gerdau)

Übersetzungshilfe: Durchani Golab (2.v.r.) dolmetschte beim Besuch des Landes- und stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD in der Flüchtlingsunterkunft für Jugendliche am Heisterberger Weiher. Die 20 Jahre alte Studentin hat afghanische Wurzeln. (Foto: Gerdau)

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Vor zwei Tagen sei er noch im Irak gewesen und habe sich dort einige Flüchtlingscamps angesehen und dabei Schlimmes erlebt, berichtete er am Freitag 48 unbegleiteten Jugendlichen aus acht Nationen. Die jungen Frauen und Männer werden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisjugendhilfe sowie der gemeinnützigen Gesellschaft des Lahn-Dill-Kreises (GWAB) rund um die Uhr betreut.

Schäfer-Gümbel, der gemeinsam mit Landrat Wolfgang Schuster (SPD), Driedorfs Bürgermeister Dirk Hardt (SPD) und dem SPD-Landtagsabgeordneten Stephan Grüger die Einrichtung aufsuchte, verschaffte sich im Gespräch mit den jungen Flüchtlingen einen kurzen Einblick über deren Situation und Fluchtgründe.

Die Dolmetscher hatten alle Hände voll zu tun, Fragen und Antworten in acht Sprachen zu übersetzen. GWAB-Geschäftsführerin Kerstin Gerbig, wies darauf hin, dass die meisten ihrer Schützlinge in Dillenburg Integrationsklassen besuchten. Es gäbe jedoch immer noch 16, die mangels geeigneter Lehrer bisher keinen Schulplatz erhalten hätten.

Gerbig zeigte sich verwundert, dass Michael Scholz, der Leiter des Schulamts Limburg-Weilburg, ungeachtet dieser Tatsache erst vor wenigen Tagen von einer vollständigen Unterrichtsabdeckung für die Flüchtlinge gesprochen habe.

Bürgermeister Dirk Hardt bietet den jungen Leuten Unterricht an der Westerwaldschule an

Durchani Golab, die als Übersetzerin fungierte, fragte nach den angekündigten Ausweisen, die von den Flüchtlingen schmerzlich vermisst würden. Ein Flüchtlingsausweis sei in der Planung berichtete Schäfer-Gümbel, aber wie schnell das Vorhaben umgesetzt werden könne, wisse er leider nicht. Denn: "Die Behörden kommen mit der großen Zahl an Flüchtlingen nicht zurecht."

Auf seine Frage nach den Zielen der jungen Leute antwortete der 17-jährige Sander Lekoj aus Albanien: "Ich möchte in Deutschland erst meinen Haupt- und Realabschluss machen und später Bauingenieur studieren." Schäfer-Gümbel überraschten die ausgezeichneten Deutschkenntnisse des Heranwachsenden, der erst seit fünf Monaten in Deutschland lebt. Noch überraschter war er, als Lekoj berichtete, er habe in seiner Heimat in den vergangenen zwölf Jahren täglich deutsches Fernsehen geschaut und dabei die Sprache gelernt. "Ich werde hier in der Schule mein Bestes geben, um mein Ziel zu erreichen", fügte er fast akzentfrei hinzu.

Da er aus einem sogenannten sicheren Herkunftsland komme, habe er aber keine Chance, hier zu bleiben, sagte Schuster in einem Gespräch am Rand des Treffens. Dieser bedauerliche Umstand sei der Tatsache geschuldet, dass Deutschland noch immer kein Einwanderungsgesetz habe.

Hardt bot jungen Flüchtlingen Plätze an der Westerwaldschule an. Er habe kein Verständnis dafür, dass die jungen Leute bis nach Dillenburg gekarrt würden, obwohl an der Westerwaldschule Platz vorhanden sei. Die Dolmetscherin übersetzte, dass es den Mädchen und Jungen relativ egal sei, wo sie lernen. Sie wollten nur jemanden haben, der ihnen etwas beibringt.

Nach dem Besuch in der Flüchtlingsunterkunft am Heisterberger Weiher ging es für die Politiker weiter zum SPD-Ortsverein nach Driedorf, wo Schäfer-Gümbel über die Forderung der Landes-SPD nach einer Abschaffung der Kindergartengebühren sprach. (s)


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