"Ich bin gerne für die Leute da"

BÜRGERMEISTERWAHL Amtsinhaber Berndt Happel ist der einzige Kandidat

Strebt eine zweite Amtszeit als Bürgermeister von Siegbach an: Berndt Happel ist der einzige Kandidat für die Wahl am 6. März. Im Rathaus in Eisemroth arbeitet der 50-jährige Schlierbacher schon seit rund 24 Jahren. 1992 kam er zur Gemeindeverwaltung. (Foto: Weirich)

Vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert in Marburg geboren, lebt Happel heute mit seiner Frau Petra im Bad Endbacher Ortsteil Schlierbach. Die beiden haben einen 20 Jahre alten Sohn. Wenn er auch nicht innerhalb der Gemeinde Siegbach wohnt, so ist Happel ihr doch schon fast sein halbes Leben lang verbunden: "Am 1. Oktober 1992 kam ich als Verwaltungsfachangestellter hier ins Rathaus nach Eisemroth", erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion.

2007 legte er zudem einen Abschluss als Betriebswirt nach. Bis zu seiner Wahl als Bürgermeister und damit Nachfolger von Eckehard Förster war er für die Finanzen Siegbachs zuständig, leitete die Gemeindekasse. Und dann kam der 1. Oktober 2010: Da trat er seinen neuen Job auf dem Chefsessel im Rathaus an. "Das war schon etwas anderes", erinnert er sich. "Von einem auf den anderen Tag musste ich die Entscheidungen treffen."

Und das ist in einer finanzschwachen Gemeinde wie Siegbach nicht ganz leicht. Aber: "Ich habe auch schon bei der Gemeindekasse versucht, immer Lösungen für die Menschen zu finden. Ich komme selbst aus einfachen Verhältnissen; ich weiß, wie das ist." In Siegbach ist die Wahl zwischen dem, was getan werden muss, und dem, was getan werden kann, oft eine Gratwanderung. Der 2015er Haushalt der knapp 2700 Einwohner zählenden Gemeinde umfasste gerade einmal knapp 4,7 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Stadt Herborn wirtschaftet mit einer fast zwölfmal so hohen Summe.

Was sind unter diesen Vorzeichen die wichtigsten Themen, welche den Bürgermeister, die Verwaltung, die Kommunalpolitiker und natürlich die Bürger in Siegbach jetzt und in naher Zukunft bewegen? Als erstes nennt Happel das Sicherstellen der Wasserversorgung - seit vielen Jahren ein Sorgenfall für die Gemeinde.

"Wir wuppen hier wirklich Einiges, aber manche Dinge bringen uns an die Grenze der Belastbarkeit"

"Wallenfels hatte enorme Probleme, aber die sind jetzt endgültig beseitigt", sagt der Bürgermeister. 2013 hat das Parlament ein "Wasserbauprogramm" beschlossen, zu dem in drei Abschnitten auch der Bau einer Verbundleitung zwischen Eisemroth und Übernthal, Oberndorf und Eisemroth sowie Tringenstein und Oberndorf gehört. Damit soll es möglich werden, alle Ortsteile - bis auf das autarke Wallenfels - von allen Gewinnungsanlagen aus zu versorgen.

Mit Wasser - dem des Siegbachs - hat ein weiteres, für Happel und viele Bürger wichtiges Vorhaben zu tun: Hochwasserschutz. Derzeit läuft auf der Strecke von Wallenfels bis Bischoffen ein Renaturierungsprogramm für das Gewässer, von dem die Gemeinde ihren Namen hat. "Schutz vor Hochwasser ist vor allem für die Eisemrother und die Übernthaler absolut ein Thema", sagt er.

"Wir wuppen hier wirklich Einiges", sagt Happel, "aber manche Dinge wie jetzt die Vorbereitung der Kommunalwahl bringen die Verwaltung an die Grenze der Belastbarkeit." Was man nicht vergessen darf: Im Siegbacher "Rathaus" - es ist ja "nur" ein Nebentrakt des Bürgerhauses in Eisemroth - arbeiteten gerade einmal sieben Leute: Außer Happel sind das noch fünf Mitarbeiter und ein Lehrling. Nicht zuletzt die Kommunalwahl, ein längerfristiger Ausfall wegen eines Krankheitsfalls und das Aufstellen des Haushaltsplans für 2016 - Happel rechnet für den Mai mit dessen Vorlage - haben zu einem Überstundenstau geführt.

Da ist der Bürgermeister sehr froh darüber, dass er auf der anderen Seite auf ein, wie er sagt, "außerordentlich hohes Maß" an ehrenamtlichem Engagement der Siegbacher Bürger im wahren Sinne des Wortes bauen kann: "Spielplätze werden gebaut, Sportplätze werden gebaut, ein Schwimmbad ist gebaut worden", erzählt er. "Das gilt es zu stärken und die Vereine", sagt Happel.

Was der Bürgermeister auch gerne weiter vorantreiben möchte, ist die interkommunale Zusammenarbeit: Schon jetzt bildet Siegbach mit Hohenahr, Bischoffen und Mittenaar einen kommunalen Serviceverband, setzt die Eigenkontrollverordnung in Sachen Abwasserentsorgung zusammen mit Hohenahr um, prüft die Schläuche der Feuerwehren gemeinsam mit der Gemeinde Bad Endbach, gibt ein Mitteilungsblatt für seine Bürger zusammen mit Mittenaar heraus und hat für Unterhalt und Betrieb der Wasserversorgung eine Kooperation mit der Stadt Dillenburg. Und auch die Standesämter von Siegbach, Bischoffen, Mittenaar und Hohenahr arbeiten zusammen: "Alle haben alle vier Dienstsiegel, so dass jeder für jeden beurkunden kann, beispielsweise Geburten oder Sterbefälle", sagt Happel.

Bei allen Schwierigkeiten, die das Leben in einer kleinen, etwas abseits der großen Verkehrswege gelegenen Gemeinde mit vergleichsweise geringen Steuernahmen und nicht allzu vielen Arbeitsplätzen mit sich bringt, betont der Bürgermeister aber gerne auch die Vorzüge von Siegbach: "Wir haben eine wunderschöne Gemeinde, eine tolle Wohnlage, keine Altersarmut und keine Jugendarbeitslosigkeit. Das muss man auch alles einmal sehen. Man darf da nicht immer nur aus der Opferrolle heraus argumentieren", sagt Happel.

"Die Leute haben auch keinen Bock mehr auf negative Nachrichten, dieses ewige ,Wir haben kein Geld’"

"Die Leute haben keinen Bock mehr auf negative Nachrichten, dieses ewige ,Wir haben kein Geld’, das können die Leute nicht mehr hören. Wir setzen ja auch viel um! Und das läuft nebenbei, und wir machen da auch weiter. Wir haben schon viel geschafft, und das führt dazu, dass man auch mal wieder einen positiven Blick in die Zukunft werfen kann."

Und diese Haltung treibt ihn an, sich auch künftig als Bürgermeister für "sein" Siegbach engagieren zu wollen: "Der Job ist sicherlich auch eine Belastung", sagt Happel. "Aber es ist auch schön, wenn man den Menschen helfen kann. Und bin gerne für die Leute da."


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