"Ich bin hier, weil ich stottere"

THEATER "The King’s Speech": Schäfer und Wink brillieren in Haiger mit großer Schauspielkunst

Herbert Schäfer (rechts) als König "Bertie" und Steffen Wink (Mitte) als Lionel Logue demonstrierten in der Haigerer Stadthalle mit dem Theaterstück "The King’s Speech", wie man Menschlichkeit und Pflichterfüllung unter einen Hut bekommt. (Foto: Blecher)

Das Haigerer Theaterpublikum, das in die Stadthalle geströmt war, zeigte sich jedenfalls von der Leistung der siebenköpfigen Schauspielerriege der "Theatergastspiele Kempf" so beeindruckt und bedachte sie immer wieder mit Szenenapplaus. Inszeniert wurde das Stück von Christoph Brück

Nachdem der Streifen "The King’s Speech" mit Colin Firth in der Hauptrolle 2011 vier Oscars abgeräumt hatte, war das Werk reif für die Bühne. In schneller Szenenfolge, die Filmbilder vergessen machend, erwiesen sich die beiden Hauptdarsteller Herbert Schäfer und Steffen Wink (bekannt durch zahlreiche Fernsehproduktionen) als ein prächtig auftrumpfendes Duo, das mit großartiger Schauspielkunst überzeugte.

Zum Inhalt: Albert, Herzog von York, zweitgeborener Sohn des britischen Königs, hat seit seiner Kindheit eine Sprachstörung: Er ist Stotterer. Da alle vorherigen Versuche der Sprachkorrektur fehlgeschlagen waren, wendet sich seine Gattin Elizabeth an Lionel Logue. Dessen unkonventionelle Methode zeigt Erfolg - bis sich die beiden zerstreiten. Als Albert nach der Abdankung seines älteren Bruders Edward VIII. den britischen Thron besteigen soll, fällt er jedoch in sein altes Stottern zurück. Wiederum wendet er sich an Logue, ihn bei der Vorbereitung der Krönungszeremonie in Westminster Abbey zu unterstützen.

Bis zur berührenden Schlussszene, in der der König, im Hintergrund assistiert von Logue, seine Botschaft flüssig an die sich im Kriegszustand gegen Nazideutschland befindliche Nation richtet, kam das Publikum in den Genuss einer Geschichte, in der die warmherzige, unkonventionelle Freundschaft zwei grundverschiedener Männer im Fokus des Bühnengeschehens stand.

"Es braucht mehr Übung" - eine Übung in Sachen Menschlichkeit und Pflichterfüllung

"Es braucht mehr Übung", lässt König George V. seinen sprachgestörten Sohn Albert zu Beginn des Schauspiels wissen, das sich zu einer Übung in Sachen Menschlichkeit und Pflichterfüllung entwickelte. "Ich bin hier, weil ich stottere", erklärt Albert seinem Sprachtrainer, der sich mit unkonventionellen und herrlich despektierlichen Mitteln seines neuen Schützlings annimmt. Herrlich komische Szenen ließen das Publikum schmunzeln und mitfühlen, als Albert gegen sein Stottern ansang und mit laut herausgebrüllten Schimpfworten seine Schüchternheit besiegte.

Die Intrigen und Machtspiele der Politiker und Kleriker offenbaren in diesem Spiel, das sie die eigentlich Deformierten sind, während sich Alberts Bruder David als Schürzenjäger erweist, der allerdings auf den Thron zugunsten seiner bürgerlichen Partnerin verzichtet.

Eingerahmt von Daniela Kiefer, die ihre Rolle als Herzogin von York mit royaler Präsenz ausfüllte, und Mona Perfler, die als Gattin des erfolglosen Schauspielers und selbsternannten Therapeuten Logue zeigte, wie man mit geistreichem Witz den Mensch hinter der ihm zugedachten Funktion erkennt, zogen Herbert Schäfer und Steffen Wink die Zuschauer vom ersten Moment an ihren Bann.

Herrlich despektierlich und wundervoll kauzig erfüllte Steffen Wink die Figur des Lionel Logue, der Albert kumpelhaft Bertie nannte, mit Leben. Herbert Schäfer spielte den späteren König George VI. mit großer Bravour und einer wahrhaft königlichen Leistung.

Neben dem formidablen Schlagabtausch dieses Duos machten auch Harald P. Wieczorek als Churchill und König George V., Markus Widmann als Prince of Wales und Premierminister sowie Christian Claaszen als Erzbischof von Canterbury eine gute Figur. Mit minutenlangem, rhythmischem Applaus wurde diese Aufführung gefeiert. (s)


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