Im Takt wogende Walzerseligkeit

NEUJAHRSKONZERT Frankfurter "Johann-Strauß-Orchester" begeistert mit Stefan Ottersbach

Star des Abends: Sopranistin Tatjana Charalgina. (Foto: Gerdau)

Interaktion: Stefan Ottersbach erwies sich beim Neujahrskonzert in Herborn erneut als ein Dirigent zum Anfassen. (Foto: Gerdau)

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Die Musiker brachten "einen bunten Strauß Strauss" in den Saal. Dass das Ensemble in Herborn bekannt ist, wurde schon bei der "Zigeunerbaron-Ouvertüre" von Johann Strauß (Sohn) deutlich: Die Zuhörer begrüßten nach zweijähriger Abstinenz "ihr" Orchester mit frenetischem Jubel. Stefan Ottersbach, Musikdirektor der Gießener Justus-Liebig-Universität, führte launisch-sympathisch durchs Programm.

Man muss kein Strauss-Liebhaber sein, um von den professionellen Klängen und dem harmonischen Zusammenspiel der unterschiedlichen Instrumente begeistert zu sein. Zu den "Klängen der Heimat" aus der "Fledermaus" sang die russischstämmige Sopranistin Tatjana Charalgina sehr kraftvoll und akzentuiert.

Beim "Konzertwalzer" von Oscar Straus wippten die Gäste im Walzertakt mit den Füßen. So ganz nebenbei erfuhr man vom Maestro, dass dieser Straus mit all den anderen "Sträußen" rein gar nichts zu tun hatte. Er war auch nicht wie sie christlichen, sondern jüdischen Glaubens und konnte von seiner Arbeit leben.

Bei der "Tritsch-Tratsch-Polka" geriet die Sopranistin akustisch etwas hinter das Orchester. Fantasievoll in perfekter Symbiose dagegen das Zusammenspiel von Kontrabass und Trommeln. Spätestens bei "Ja, so singt man in Wien" aus "1000 und eine Nacht" hatte sich Tatjana Charalgina vollständig auf den ihr zustehenden Platz freigesungen. Ottersbach dirigierte mit einer Leidenschaft, die sich nicht nur auf sein Orchester übertrug. "Bahn frei" von Eduard Strauß ließ beim "Galopp" alle Dämme brechen, und das Publikum tobte vor Begeisterung.

Mit dem leicht ironisch-verschmitzten "Ein Schwipserl" aus "Rund um die Liebe" von Oscar Straus, das die heute in Deutschland lebende Sängerin perfekt intonierte, ging es in die Pause - und passend an die Sektbar.

Ottersbach begeisterte die Zuhörer auch mit zahlreichen Anekdoten und einem umfassenden Wissen über die Strauß-Dynastie. Beschwingt ging es mit der Ouvertüre des "Walzertraums" von Oscar Straus weiter, und wer sich im Programm über den Eintrag "George Gershwin" gewundert hatte, erfuhr sogleich, dass der Amerikaner auch einmal bei der Strauß-Musik gelandet war und bei diesem Ausflug "By Strauss" komponiert hatte.

Für eine Zugabe lässt sich der Dirigent nicht lange bitte: Natürlich gibt es noch den "Radetzky-Marsch"

Wie gerne hätte der Dirigent seine Gäste bei "Dorfschwalben" auf dem Parkett gesehen. Die zierten sich jedoch. Nur Frauke und Peter Behnert trauten sich und hielten damit die Fahne von Herborns Tanzfreunden hoch. Beschwingt kam "Wiener Blut" daher, und beim "Persischen Marsch" hatte man orientalische Szenen förmlich vor Augen.

Dass "An der schönen blauen Donau" nicht fehlen durfte, war klar. Das Stück von Johann Strauß (Sohn) spielten die Musiker nicht wie ursprünglich in D, sondern in S-Dur. Auch hier wurde wiederum die perfekte Zusammenarbeit zwischen Sängerin und Orchester deutlich. Wieder gab es "Standing Ovations" und "Bravo"-Rufe, ehe "Perpetuum mobile" ganz im Gegensatz zu seinem Namen das Programm beendete.

Zugabe? Klar doch. Der Meister ließ sich nicht lange bitten und kündigte den "Radetzky-Marsch" vom Vater Johann Strauß an. Die Begeisterung der Menschen im Saal kannte keine Grenzen.

Zuvor belohnten Stadtmarketing-Geschäftsführer Bernd Rademacher und die Organisatorin des Abends, Birgit Ernst, Sopranistin und Dirigent mit bunten Blumen. Die erste Zugabe zum Aufwärmen und dann knallte es aus allen Instrumenten. Das Publikum geriet außer Rand und Band und klatschte, von Ottersbach dirigiert, zu den weltbekannten Klängen des "Radetzky-Marschs". Das Orchester spielte im Stehen vor glückseligen Gesichtern. Ein tolles Konzert, und der Dirigent machte aus seiner Zuneigung zu seinen Herborner Gästen keinen Hehl: "Am liebsten würde ich im kommenden Jahr wieder hier spielen."

 

Stimmen aus dem Publikum

Siegfried Müller: "Ich finde Stefan Ottersbach sehr sympathisch und das Orchester fantastisch. Wir sind nun das dritte Mal dabei und mittlerweile Fans der Frankfurter."

Helga Zellerhoff: "Mir hat der Gesang von Tatjana Charalgina besonders gut gefallen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich immer gerne Operettensängerin geworden wäre. Das Programm war sehr passend zusammengestellt."


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