Das wollte als erste Rednerin der Gegenseite ausgerechnet Christel Haas nicht gelten lassen: Die Christdemokratin, zugleich Vorsitzende der Senioren-Union in Stadt und Kreis, hatte zwar bei einer Auslandreise in einer großen Stadt im Süden Europas beobachtet, wie eine ganze Reihe von Senioren sich an solchen Geräten fithielt. Allerdings herrschten in Herborn andere klimatische Verhältnisse, und die Menschen hier seien eher "inhäusig" veranlagt, behaupte sie.
Jackel: "Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut"
Ihre Äußerungen lösten gleich zweifachen Widerspruch aus: Thea Garotti (Grüne) erinnerte daran, dass Christel Haas 2007, als ein ähnlicher FDP-Antrag von allen im Hohen Haus befürwortet worden war, eine ebenso "flammende Rede" gehalten habe – allerdings für die Anlage eines solchen Fitness-Parcours.
Klaus Enenkel (FWG) wurde noch direkter: ",Inhäusig’? Das mag vielleicht für Sie gelten", sagte er zu Haas, "meine älteren Bekannten sind das jedenfalls nicht. Aber wenn in Herborn Senioren ,inhäusig’ sein sollten, dann liegt das daran, dass es solche Parcours hier nicht gibt."
Außerdem kritisierte er es heftig, dass CDU und SPD seit Beginn ihrer Zusammenarbeit nahezu jeden Antrag der kleinen Fraktionen im Parlament abgelehnt habe – sogar dann, wenn es sich wie in diesem Fall um einen Prüfantrag gehandelt habe.
Ohne Prüfung und daraus resultierende Informationen gebe es doch gar keine Grundlage für Beratungen und Entscheidungen in den Ausschüssen und im Parlament.
Das wollte Hans Jackel (CDU) so nicht gelten lassen: Zum einen hätten die Herborner Christdemokraten den inzwischen im Ruhestand lebenden Mediziner Dr. Bernhard Schmid in ihren Reihen, und der halte – im Gegensatz zu den medizinischen Erkenntnissen der Landesregierung – solche Parcours für ungeeignet. Zum anderen seien Senioren nicht mehr so mobil, um etwa von Uckersdorf zu solchen Geräten nach Herborn zu kommen.
Wie schon sein SPD-Amtskollege Uwe Wolter zuvor bezweifelte er, dass ein Fitness-Parcours ausreichend ausgelastet sei. "Wir befürchten, dass diese Anlage für viel Geld gebaut, aber nicht genutzt wird", sagte Hans Jackel.
"Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut", fügte er an. "Und wenn wir davon überzeugt sind, dann lehnen wir auch solche Prüfanträge ab."

























Schon bemerkenswert, mit welchen fadenscheinigen – man ist schon fast geneigt zu sagen "dümmlichen" – Argumenten sinnvolle Anträge (in diesem Fall lediglich ein Prüfantrag!) abgelehnt werden, um die kleinen Parteien niederzuhalten.
Das lässt für die Zukunft Herborns hoffen!
Mir freue sich!