
Die vier Sattelschlepper und zwei Gliederzüge haben insgesamt 85 Tonnen Hilfsgüter für die Westukraine geladen. Für die 19 ehrenamtlichen Ukraine-Fahrer um ihren Vorsitzenden Heinrich Benner ist das fast schon ein Routinejob.
Ein Spaziergang sei die 1600-Kilometer-Tour jedoch nicht, meinte Benner. Insgesamt vier Tage lang müssten die 40-Tonner schließlich quer durch Polen und ein Stück weit auf nicht besonders guten Straßen durch die Ukraine fahren. Im Begleitfahrzeug sitzt diesmal ein besonderer Gast: Barbara Völkel vom ZDF, die die Crew eine Woche lang mit Mikrofon, Aufnahmegerät und Kamera begleitet, um Material für einen Filmbericht zu sammeln. Diese Arbeit hätte sie lieber vor oder während der Fußball-Europameisterschaft gemacht, meint die Journalistin. Bei vielen Fernsehzuschauern habe sich damals die Ansicht breitgemacht, "denen geht es doch gar nicht so schlecht".
"Auf dem flachen Land herrschen jedoch immer noch die gleichen Verhältnisse wie in der schlimmsten Phase des Steinzeitkommunismus", weiß Heinrich Benner. "In den größeren Städten wirde vieles notdürftig übertüncht."
In welch unbeschreiblicher Armut die Menschen dort wirklich leben, will Völkel hautnah sehen und dokumentieren. Mit Erstaunen beobachtete sie die fast militärische Präzision, mit der das Unternehmen abläuft. Das verstaute Material ist auf langen Ladelisten registriert. Nicht nur für den Zoll, sondern auch um unnötige Umladeaktionen zu vermeiden und Wege zu sparen. Sogar ein Fünf-Tonnen-Gabelstapler befindet sich inmitten von Bekleidung, medizinischem Gerät sowie Teilen für die Müllpresse in den riesigen Laderäumen.
26 Liter Diesel rauschen pro hundert Kilometer und Fahrzeug durch die Motoren. Multipliziert mit der Fahrstrecke der sechs Laster müssen für knapp 2400 Liter rund 3600 Euro auf den Tisch gelegt werden. Für eine Strecke versteht sich. Dazu kommen die Miete für Lkw und Auflieger sowie Maut-, Zoll-Unterbringungskosten und vieles mehr.
"Ohne großzügige Geldspenden käme nicht eine einzige gespendete Hose in das Armenhaus des europäischen Kontinents", weiß Dagmar Benner, die Frau fürs Administrative in der Ukrainehilfe. Ein Spender der ersten Stunde, der Langenaubacher Unternehmer Helmut Kreutz, sorgt schon seit 20 Jahren nicht nur dafür, dass die Räder bei der Ukrainehilfe rollen, sondern auch 100 bedürftige Menschen, die täglich in der Suppenküche in Brody bei Lemberg mit kostenlosen Malzeiten versorgt werden.
Nach der Übernachtung im polnischen Oppeln geht es bis zum ersten Ziel nach Volodymyr-Volynsjkyj in der Nähe der weißrussischen Grenze. Dann stehen die nächsten Stationen auf dem Tourenplan.
Kinder freuen sich bereits
Die Straßenkinder in Brody fiebern den Gaben zur Weihnachtszeit ebenso entgegen wie die taubstummen Kinder in Pidkamin oder die Psychiatrie-Patienten im gleichen Ort. Wenn die Helfer mit leeren Laderäumen die Rückfahrt antreten, wissen besonders die alten Hasen, was sie getan haben. Das gute Gefühl Menschen unterstützt zu haben, denen niemand mehr hilft, wiegt jede Beschwernis auf. Barbara Völkel hatte sich schon bei den ZDF-Wetterfröschen schlau gemacht. Auch in der Ukraine ist in der kommenden Woche das Wetter noch ganz passabel. "Winterdiesel brauchen wir also noch nicht", erklärte Heinrich Benner schmunzelnd und gab das Abfahrtssignal.







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