"Menschen mit Macke sind origenial"

INKLUSION Benefizkonzert und -lesung für junge Menschen mit Behinderung

Eingespieltes Team: Doro und Jonas Zachmann geben witzige Episoden aus ihrem Buch "Ich mit ohne Mama" weiter. (Foto: Jung)

Schneider mag keine Kraftausdrücke und so wurde aus der Aussage das Lied "Menschen ohne Macke sind einfach - komisch." Faust und Schneider sind behindert. Faust wurde "Er ha(u)t’s drauf" zur Melodie von "Mighty Quinn" förmlich auf den Leib geschrieben. Für seine Schlagzeugsoli erntete er von den 200 Zuhörern viel Applaus.

Schneider spielte das Instrument seiner Wahl, etwa bei "Uwe’s Harp" zu "Supertramps" "Breakfast in America". Als Zugabe brachte das Trio "Mein Freund Rüdi", das "Pur" einem besonderen und ebenfalls behinderten Freund gewidmet haben. Und den Song "Ihr seid die wahren Helden" widmete es Rudi Diessner, einem heimischen kreativen Künstler mit Down-Syndrom, der Anfang des Jahres im Alter von 55 Jahren gestorben ist.

Eine Botschaft - und Wortschöpfung - von "TriOH": "Jeder ist anders - einfach genial. Auch du bist richtig - ein Origenial".

"Mutti, ich bin dein Abenteuer"

Ein solches "Origenial" ist Jonas Zachmann, ein 22 Jahre alter Mann mit Down-Syndrom: "Ich bin der Chef", sagt er, wenn er mit seiner Mutter Doro Geschichten aus dem (Familien-)Leben aufschreibt, die zu einem Buch geworden sind. Ihre Themen: Alltagsgeschichten, Beziehungen, Höhen, Tiefen, Urlaube, Feiern, auch Jonas Trauer, als sein Opa starb, endlos lange Krankenhausaufenthalte und Fragen nach der Zukunft.

Das Buch "Ich mit ohne Mama" gibt Einblicke in Jonas’ Gedankenwelt: "Ich bin Knüller", sagt er selbstbewusst und definiert, was er kann und was nicht. Die Positivliste ist deutlich länger.

Als eingespieltes Team gaben Doro und Jonas Zachmann witzige Alltagsepisoden wieder. Die beiden lesen nicht einfach die Geschichten vor, sie führen einen Dialog auf der Bühne. Dabei sprüht der 22-Jährige vor Charme und hat den Schalk im Nacken. "Mutti, ich bin dein Abenteuer", sagt er etwa entschuldigend, wenn er etwas anstellt. Die beiden möchten nichts schönreden. Manchmal leidet der junge Mann auch. "Manchmal versteht niemand meine Gefühle." Er hat sich mit seiner Behinderung auseinandergesetzt und ist zu dem Ergebnis gekommen: "Ich bin Down-Syndrom, ist okay bei mir. Niemand soll mich auslachen oder bei meinem Anblick weinen." Jonas ist entweder ganz froh oder ganz traurig. "Sein Wesen drückt pure Leidenschaft aus. Es gibt für ihn nur schwarz oder weiß", erklärt seine Mutter.

Die Finanzdienstleister Thomas Pfeiffer und Achim Herrmann hatten den Abend organisiert: Die Regionalgruppe "Mitte-West" der Plansecur-Stiftung stellt jedes Jahr eine Benefizveranstaltung auf die Beine. "Wir sind reich beschenkt und möchten etwas davon weitergeben an Menschen, denen es nicht so gut geht", sagte Pfeiffer. Die Spenden des Abends - ein Eintritt wurde nicht erhoben - kommen jungen Menschen mit Behinderungen zugute: Ein Teil geht an die Lebenshilfe Dillenburg für ein neues "Airtramp", ein anderer an die Otfried-Preußler-Schule in Dillenburg für den Umbau des Schulhofs.


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