Metal(l) ist seine Muse

SAMMLER Andreas Richter aus Sinn hat 10 000 Langspielplatten und CDs
"Black Sabbath" und "Status ... | Foto: Geis

Ganz hart aber mag es der 45-Jährige bei der Musik. Solange Andreas Richter zurückdenken kann, gehört seine Leidenschaft den stahlharten Klängen des Heavy Metal Sounds. "Ich bin schon als kleiner Junge einer gewesen, der gerne das Köpfchen geschüttelt hat", erinnert Richter sich. Köpfchen schütteln - oder im Fachjargon "Headbanging" - ist eine der wichtigsten Eigenschaften, die die Freunde dieser Musik eint.

Aber so richtig fuhr Andreas Richter als Jugendlicher "ab". Nach dem Besuch eines Konzertes der Hardrock-Band "Uriah Heep" vor über 30 Jahren in Langgöns, zu dem ihn seine Mutter gefahren hatte, war ihm klar, wohin sein musikalischer Weg gehen sollte. Seither hat er ungezählte Konzerte verschiedener Gruppen des Genres besucht.

"Wir waren in einem Jahr bei 32 Konzerten", erzählt seine Frau Kathrin, die die Begeisterung ihres Mannes für die harten Töne teilt. "Damals waren wir alle zehn Tage irgendwo anders." Doch nicht nur "live", auch in den eigenen vier Wänden beherrscht der Metal-Sound die musikalische Szenerie.

Richter sammelt sowohl Schallplatten als auch CDs und DVDs seiner Lieblingsmusik mit großer Leidenschaft. Im Keller seines Hauses in Sinn stehen rund 4500 Vinylplatten, 7000 "Silberlinge" und rund 800 digitale Speichermedien. "Das hier", sagt er und zeigt über die Regale, "sind alles Originale. Da ist nichts gebrannt."

n Alle Platten und CDs sind in den Regalen alphabetisch geordnet

Genauso viel Wert wie auf Authentizität legt der Metal-Fan auf Ordnung in seiner Sammlung. Platten und "Silberlinge" stehen in Reih' und Glied, als warteten sie nur auf den gezielten Griff Richters. Alle alphabetisch geordnet.

Wert legt der Sinner aber auch auf Klangqualität. Kratzen und Rauschen, bei vielen Fans ein ständiger Begleiter der Musik, werde man in seiner Sammlung von Platten nicht finden. "Sie sind alle sorgfältig in Folie verpackt", erklärt Richter.

"Status Quo" in Vinyl war Objekt der Begierde beim ersten eigenen Kauf. Ungefähr 15 Jahre alt sei er damals gewesen, erinnert sich der 45-Jährige. "Das Geld habe ich von meinem Vater bekommen." Auch heute noch finde er die Platte "einfach phänomenal".

Richters Sammelleidenschaft war geweckt. Um Geld zu sparen, bestellte er fortan Platten bei Spezialversandhäusern. "Ich habe dann oft am Fenster gesessen und auf das Postauto gewartet", erzählt er rückblickend.

Hatte der Bote ein Päckchen für ihn, war der Tag gerettet. "Ansonsten war er gelaufen", schildert er seine damalige Stimmungslage. "Ich habe mein ganzes Taschengeld für Platten ausgegeben."

Die Faszination ist in den drei Jahrzehnten nicht geringer geworden. Im Gegenteil. Zwar begeistere er sich auch für den Fußball, sagt der Fan der Kölner Geißböcke und Vorsitzende des BC 1920 Sinn, "aber Musik ist mein Leben." Und bedauert, dass er selbst nie ein Instrument gelernt habe.

Auch sonst habe er nie dem Bild eines Hardrock-Fans entsprochen. "Ich hatte keine langen Haare. Aber die härteste Musik war für mich genau richtig." Und die holt sich Andreas Richter nach wie vor nicht nur aus der Konserve, sondern erlebt sie bei Konzerten "live" vor Ort.

Rund 500 Konzerte hat er inzwischen besucht. "Mein Ziel war es, alle Bands einmal live zu erleben", gesteht Richter. "Metallica", die er nach wie vor für die beste Heavy Metal-Band hält, hat er schon 1985 gesehen. "Da war noch der ein Jahr später gestorbene Bassist Cliff Burton dabei", erinnert er sich. Die Band habe dieses Genre geprägt wie keine andere.

Wenn Richter vor seiner umfangreichen Sammlung steht und in eines der Fächer greift, dann geht er stets auch auf eine Zeitreise. 30 Jahre Leidenschaft für diesen Musiktypus hat er dann im Blick. "Judas Priest", "Motörhead" oder die "Scorpions" warten ebenso auf den Saphir des Tonarms seines Plattenspielers wie "Led Zeppelin". Für ein Konzert dieser Band, bedauert er, "war ich leider noch zu jung."

Harte Töne in Vinyl stehen nach wie vor ganz oben auf seiner Liste. "Das gibt einem einen richtigen Kick, auch wenn man öfters die Platte umdrehen muss." Gleichzeitig bedauert er aber, dass er durch seine berufliche wie ehrenamtliche Belastung nur wenig Zeit hat, seine umfangreiche Sammlung so richtig zu genießen.

Unter den Interpreten sind viele, die nur Insidern wie ihm bekannt sind. Das bedeute aber auch, dass er wisse, zu welchen Konzerten er unbesorgt gehen kann. "Es gibt viele Bands, deren Publikum sehr aggressiv ist."

Die Musik dieser Bands hört er lieber in seinem Keller. Und der lasse keine Wünsche offen. "Viele Bekannte aus der Szene sagen oft, wenn eine neue Platte erschienen ist: Der Richter hat sie schon." Deshalb sei die Liste der Titel-Wünsche, die er noch habe, recht kurz.

Denn, so Richter: "Meine Sammlung ist eigentlich perfekt."

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Copyright © mittelhessen.de 2013
Dokument erstellt am 30.01.2013 um 12:10:00 Uhr
Letzte Änderung am 30.01.2013 um 18:14:47 Uhr
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