Nicht auf Giftköder hereinfallen

TRAINING Hunden beibringen, wie sie fiesen Fressverlockungen widerstehen können

Mit dieser Attrappe wird Hunden beigebracht, wie sie auf Giftköder nicht mehr hereinfallen. Frisches Fleisch auf einer Dose, die den Hund das Gift zwar riechen lässt, aber durch mehrfache Verpackung dafür sorgt, dass das Tier nicht vergiftet wird, falls es dem Futter doch einmal nicht widerstehen kann. (Foto: M. Jung)

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Damit das nicht mehr passiert, haben sich Christian Jung und Marion Schaub einem neuen Training verschrieben. Beide leiten eine eigene Hundeschule, arbeiten aber viel zusammen und werden auch ihr neues Projekt gemeinsam in Merkenbach angehen: ein Anti-Giftköder-Training. "Wir wollen möglichst viele Hunde vor einem todbringenden Schicksal bewahren", sagt Christian Jung. Im Mai hat er dafür in  Berlin das passende Anti-Giftköder-Seminar besucht und anschließend seine Kollegin geschult.

Im August startet der erste, bereits ausgebuchte Kurs, "wir werden bei Nachfrage aber noch weitere anbieten", erläutert Marion Schaub.

Tierquäler legen auch in der Herborner Region Giftköder aus und führen so den Tod einiger Hunde herbei

Denn das Thema Giftköder ist brandaktuell, auch in Herborn, Sinn, Fleisbach und andernorts wurden Köder ausgelegt, das weiß Jung von seinen Kunden: "Einem wurde ein Giftköder auf das Grundstück geworfen, andere Hunde erschnuppern die Dinger im hohen Gras; ich kenne Besitzer, deren Hunde elendig zugrunde gegangen sind."

Gegen die Tierquäler können Jung und Schaub wohl nichts tun, aber sie wollen dazu beitragen, dass die Hunde nicht auf die ausgelegten Giftköder hereinfallen. Und die gibt es mittlerweile in unzähligen Ausführungen: Rasierklingen in Hackfleisch eingewickelt, Rattengift und Schneckenkorn sind nur der Anfang einer ganzen Reihe.

Das Ziel der beiden Hundetrainer: "Die Tiere sollen aufhören, alles zu essen, was sie auf der Straße finden." Schaub kennt das aus Erfahrung: "Meine Hündin Nala ist so verfressen, sie würde alles nehmen." Inzwischen weiß Nala aber Bescheid; während sie ihr frisches Hundefutter verschlingt, ohne Luft zu holen, macht sie um das gleiche, neben dem Gift gelegene Futter einen großen Bogen. 

Wie geht das? Wie bringt man einem Hund bei, gefährliche Köder zu erkennen und sie nicht zu verschlingen? Marion Schaub sagt, dass das vor allem durch die Bindung zwischen Herrchen und Hund möglich ist. "Wir trainieren immer so, dass der eigene Hund beim Herrchen bleibt." Denn das Herrchen ist der Auslöser für die Anti-Haltung gegenüber dem Köder. "Wir geben dem Hund ein Abbruchsignal, wenn er beginnt, etwas zu erschnuppern, ein Wort, das der Hund aus seiner Umgebung nicht kennt und vorher noch nie gehört hat. Er bringt es einzig mit dem Giftköder in Verbindung und weiß, dass der ihm Leid zufügen würde", erklärt Jung.

Mit dem Wissen um Hunderte Köderarten hat das Training also wenig zu tun, und dennoch: "Die geschilderte Vorgehensweise ist eine Methode, es gibt aber noch einiges mehr, und alles baut aufeinander auf", sagt Schaub.

Eingesetzt werden beim Training aber tatsächlich echte Giftstoffe, mehrfach und sicher verpackt, so dass dem Hund auf keinen Fall etwas passieren kann. Denn ist das Gift erst einmal im Körper, kann es schnell zu spät sein. "Viele Halter erkennen die Gefahr nicht rechtzeitig und fahren erst zum Arzt, wenn dem Tier nicht mehr geholfen werden kann. Deshalb binden wir auch die Erste Hilfe am Hund in den Kurs mit ein", sagt die Hundetrainerin. Jedes Training in den Hundeschulen beinhaltet auch Theorie. Bei diesem Angebot werden Gifte im Haushalt besprochen und gezeigt, wie das Herrchen anhand der Schleimhäute des Hundes feststellen kann, ob dem Tier etwas fehlt. "Wie gehe ich vor, wenn mein Hund einen Giftköder gefressen hat? Das ist wohl die wichtigste Frage", sagt Schaub. Denn mit dem Training soll die Gefahr, auf einen Giftköder anzuspringen und ihn zu fressen, auf ein Minimum reduziert werden, aber Christian Jung weiß: "Zu 100 Prozent können wir das natürlich nicht garantieren."


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