Richter ahndet Kinderpornographie

PROZESS Angeklagter hatte mindestens 6000 Bild und 91 Video-Dateien heruntergeladen

Haft auf Bewährung, Sexualtherapie vorgeschrieben und 1500 Euro Geldbuße: Damit hat das Dillenburger Schöffengericht einen Fall von Kinderpornographie geahndet. (Archivfoto: Zucchi/dpa)

Zwar ist im entsprechenden Gesetz von der Verbreitung von "kinderpornographischen Schriften" die Rede. In Wirklich ging es aber um Fotos und Videos, die im Internet heruntergeladen und zum Tausch angeboten wurden.

Wie Staatsanwalt Dr. Philipp Georgy in der Anklageschrift verlas, fand die Polizei bei einer Durchsuchung des Computers des Angeklagten mindestens 6000 Bild- und 91 Video-Dateien, auf denen Kinder im Alter von zum Teil nur wenigen Monaten in obszönen Stellungen sowie beim Ausüben oder Erdulden von vaginalem, oralem oder analen Geschlechtsverkehr zum Teil mit Tieren gezeigt wurden. In vielen Fällen seien sie gefesselt oder geknebelt gewesen.

Der 30-jährige verheiratete Angeklagte zeigte sich geständig. Er habe seit etwa sieben Jahren Porno-Dateien heruntergeladen, allerdings eher allgemeine und nicht nur Kinderpornos. Wie viele das gewesen seien, wisse er nicht mehr. Manchmal habe er den PC die ganze Nacht über laufen gelassen, ohne das Material hinterher anzusehen. Dadurch, so meinte Strafverteidiger Dr. Armin Schwalfenberg, sei auch die große Masse zu verstehen.

Aus einem Bericht des Bundes- an das Landeskriminalamt ging hervor, dass man bei einer verdachtsunabhängigen Recherche auf einen User aufmerksam geworden war, der solche Dateien im Internet angeboten habe. So seien der Angeklagte ertappt und 66 kinderpornografische Dateien sichergestellt worden.

n Seine Frau fiel aus allen Wolken

"Von alldem hat Ihre Ehefrau nichts mitbekommen?", fragte der Richter ungläubig. "Nein", antwortete der Angeklagte, "sie hatte auch keinen Zugriff auf den Computer." Sie sei aber aus allen Wolken gefallen, als die Polizei den PC durchsuchte. Als er nach Hause kam, habe ihm seine Frau gedroht, ihn gemeinsam mit ihrem Baby zu verlassen. Heidrich fragte: "Hat Ihre Frau nicht Befürchtungen hinsichtlich Ihres eigenen Kindes? Die Opfer auf den Fotos waren doch auch Kleinstkinder!" "Ich würde doch nie meiner Tochter etwas antun", protestierte der Angeklagte, der erst nach und nach realisiert haben will, dass er "absolut Scheiße" gebaut hat: "Das Jugendamt hätte kommen und mir das Kind wegnehmen können..."

Richter Heidrich betonte nachdrücklich, welche Leiden die abgebildeten Kinder zu erdulden hatten, nur weil es einen entsprechenden Markt gibt mit Menschen, die sich solche Bilder und Videos beschaffen. "Die müssen ihr ganzes Leben lang darunter leiden..."

Inzwischen sucht der Angeklagte einen Platz in einer entsprechenden Therapie, die aber so terminiert werden muss, dass er seinen Arbeitsplatz nicht verliert.

Staatsanwalt Dr. Georgy sah seine Anklage durch die Hauptverhandlung bestätigt. Zugunsten des Angeklagten wertete er dessen bisher sauberes Strafregister und seine Geständigkeit sowie die positive Sozialprognose infolge seiner Einbindung in die Familie. Gegen ihn spräche allerdings die Menge von Dateien mit der Darstellung von "überwiegend massiven, gewaltsamen Handlungen an Kindern". Er forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung auszusetzen seien unter der Bedingung, dass er eine Therapie antrete.

Rechtsanwalt Dr. Armin Schwalfenberg erklärte, sein Mandant habe ohne großen Vorsatz die Möglichkeiten des Computers wahrgenommen und erst später bemerkt, was er da eigentlich angestellt habe. Gezielt gehandelt habe er nicht. Er habe auch kein Video für Geld angeboten. Der Angeklagte wolle sich davon lösen und eine Therapie machen. Schwalfenberg bat um eine Strafe am unteren Ende des Strafrahmens, der von drei Monaten bis zu fünf Jahren reicht: Drei bis sechs Monate hielt er für ausreichend.

Richter Heidrich erkannte auf 15 Monate Freiheitsstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung auszusetzen sind. Als Bewährungsauflage muss sich der Angeklagte einer Sexualtherapie unterziehen, sich einem Bewährungshelfer unterstellen und 1500 Euro Geldbuße bezahlen.

"Sie sind bisher strafrechtlich unbelastet und haben eine blütenweiße Weste", sagte Heidrich, aber zu Lasten des Angeklagten wirke das gewaltige Ausmaß an sexuellem Missbrauch in den Dateien. "Sie müssen alles daran setzen, dass ein solches Fehlverhalten nicht mehr vorkommt, weil Sie sonst Ihre Freiheit riskieren und Ihre Familie aufs Spiel setzen", warnte der Richter.


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