Rittal schließt vier Standorte

WIRTSCHAFT Produktion soll vor allem in neuer 140-Millionen-Euro-Fabrik in Haiger konzentriert werden

Das neue Rittal-Hochregallager in Haiger steht schon. An diesem Standort will das Unternehmen künftig seine Produktion konzentrieren und für 140 Millionen Euro ein neues Werk bauen. Die Werke in Herborn, Wissenbach, Burbach und Rennerod sollen deshalb dicht gemacht werden. (Fotos: Archiv)

Friedhelm Loh

(Foto: Archiv)

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In Haiger steht bereits ein neues 40 Millionen Euro teures Hochregallager mit 40 Verladerampen, nun will Rittal an diesem Standort für 140 Millionen Euro auch ein neues Werk für die Herstellung von Schaltschränken, also Stromverteilerkästen, bauen.

Rittal-Inhaber Friedhelm Loh sowie die Geschäftsführung haben die Pläne Ende vergangener Woche in einer Konferenz vor rund 60 Betriebsräten des Unternehmens vorgestellt. Außerdem hat Loh die Bürgermeister der betroffenen Städte und Gemeinden sowie den Landrat informiert. Der Haigerer Bürgermeister wiederum hat die Pläne inzwischen den Stadtverordneten mitgeteilt.

In den vier Produktionswerken arbeiten insgesamt rund 800 Menschen. Nach Informationen dieser Zeitung sollen die Fabriken bis 2018 dicht gemacht werden.

Loh sagte am Donnerstag auf Anfrage dieser Zeitung: "Das Werk in Herborn ist über 30 Jahre unverändert gelaufen. Es ist einfach am Ende." Für einen Neuaufbau am selben Standort habe schon das Grundstück nicht ausgereicht. "Außerdem haben wir bislang erhebliche Transportkosten zwischen Herborn und Haiger."

Er habe den Betriebsräten mitgeteilt, die Umstrukturierung könne dazu führen, dass dann "null bis 100 Leute im Rahmen des Sozialplans das Unternehmen verlassen müssen". Und er betonte: "Diese Investition würde in diesem Umfang an diesem Standort sonst keiner machen." Woanders könne billiger produziert werden. Es sei auch "ein Dankeschön an die Region".

Das neue Hochregallager in Haiger ist schon in Betrieb, Baubeginn war 2013. Es bietet Platz für 50 000 kleinere Schaltschränke. Solche Schaltschränke werden bislang in den Werken in Herborn und Wissenbach hergestellt. In Burbach werden auch größere Gehäuse produziert, in Rennerod die Kühlgeräte für die Schaltschränke.

Bereits in einem Mitarbeitermagazin im vorigen Jahr hatte Loh seine Absichten angedeutet. Der Rittal-Chef schrieb dort unter der Überschrift "RisikoChance", dass er am Standort Haiger über 100 Millionen Euro in das neue Logistikzentrum sowie "in die modernste Schaltschrankfertigung der Welt" investieren wolle. Und 2012, vor dem Bau des Lagers, hatte er verkündet: "Wir haben uns weltweit ehrgeizige Wachstumsziele gesteckt."

Rittal ist der größte Teilkonzern des Friedhelm-Loh-Konzerns in Haiger. 2014 hatte der Loh-Konzern 2,2 Milliarden Euro Umsatz gemacht, 2013 waren es 1,9 Milliarden Euro, 2012 2 Milliarden Euro, 2011 2,1 Milliarden Euro. Der Konzern erwirtschaftete dabei stets Gewinne. Im zuletzt veröffentlichten Geschäftsbericht für das Jahr 2013 steht ein Überschuss von 255 Millionen Euro (2012 waren es 277 Millionen Euro, 2011 282 Millionen Euro). Auf seinen Gewinn in 2013 zahlte der Konzern Steuern von insgesamt rund 49 Millionen Euro. 181 Millionen Euro vom Gewinn gingen an die Gesellschafter des Konzerns, also an die Friedhelm-Loh-Stiftung. Diese Stiftung ist eine Familienstiftung, ihr Zweck die "Sicherung des Familienvermögens".

"Das Werk in Herborn ist über 30 Jahre unverändert gelaufen. Es ist einfach am Ende"

Hinter den jetzigen Plänen bei Rittal steckt die vierte industrielle Revolution, Industrie 4.0. Vom Kundenwunsch über die Herstellung bis zur Auslieferung des möglichst individuellen Produktes sollen alle Arbeitsprozesse durch die Informationstechnik, also durch den Datenaustausch, vernetzt werden. Oder wie Loh in einem Magazin seines Konzerns erklärte: "Die intelligente Fabrik der Zukunft baut auf einen neuen Rohstoff: Daten." So arbeiten im gesamten Friedhelm-Loh-Konzern inzwischen 1000 der weltweit 11 500 Mitarbeiter im Bereich Software.

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, hatte sich am Mittwoch bei seinem Besuch in Dillenburg zu diesem Thema geäußert. Die Frage dieser Zeitung an ihn lautete: "Industrie 4.0 ist ein Zukunftsthema für eine Industrieregion wie den Lahn-Dill-Kreis. Müssen sich Arbeitnehmer Sorgen um ihre Jobs machen, insbesondere die älteren?" Die Antwort des DGB-Chefs: "Überhaupt nicht." Industrie 4.0 und Digitalisierung böten Unsicherheiten aber auch "erhebliche Chancen", besonders bei der Aus- und Weiterbildung.

Rittal hat in der Region neben den vier Werken, die geschlossen werden sollen, noch einen Standort in Rittershausen mit rund 1100 Mitarbeitern, dort werden die großen Schaltschränke hergestellt und in einem eigenen Hochregallager für den Versand bereit gehalten. Außerdem ein Werk in Hof in Westerwald mit etwa 300 Mitarbeitern, wo die Schaltschränke für den Außenbereich gefertigt werden, also zum Beispiel die grauen Verteilerkästen der Telekom.

Darüber hinaus arbeiten am Rittal-Verwaltungssitz in Herborn weitere 1400 Menschen.


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Kommentare (8)
Es ist eine Schande wie Herr Loh mit seinen Beschätigen umgeht. Keiner gebietet ihm Einhalt, weder Landräte, Landesparteivorsitzende und die Gefolgsamen aus Politik und Wirtschaft überschütten ihn auch noch mit mehr
Auszeichnungen. Wenn die Belegschaft sich wehrt, wird sie unter Druck gesetzt bzw. einfach aussortiert. Seine Arbeitnehmer gehen jede Arbeitswoche 2,5 Stunden umsonst arbeiten und Erfolgsbeteiligung und Jahresprämie werden auch nur noch an "treue" Mitarbeiter ausgezahlt.
Wenn man seinen Bekannten und Freunden erzählt, das man für ein Unternehmen der Loh-Gruppe arbeitet, wird man verächtlich angeschaut.
"...181 Millionen Euro vom Gewinn gingen an die Gesellschafter des Konzerns, also an die Friedhelm-Loh-Stiftung. Diese Stiftung ist eine Familienstiftung, ihr Zweck die "Sicherung des Familienvermögens..."

181 mehr
Millionen Euro reichen anscheinend Hrn. Loh nicht aus um die Familienvermögen zu sichern. Damit er seinen nicht ausreichenden Familienabsicherung erhöhen kann, müssen in der Region mindestens 850 Menschen + Familien +Kinder+ Zulieferer der Bäcker der Metzger und und und leiden. Es ist zum kotzen...
Wer 1+1 zusammenzählen kann weiß, dass in den 4 Werken plus ein Teil der Mitarbeiter aus Werk Hof, mindestens 850 Menschen betroffen sind und in den neuen Industrie 4.0 Werk Haiger nur Platz für max. 200 junge mehr
Facharbeiter vorhanden ist.
Herr Loh sollte nur dieser einmal ehrlich bleiben und nicht versuchen hinten herum die Mitarbeiter kostenlos zu entsorgen die ihm das Loh Imperium überhaupt möglich gemacht haben. Selbst wenn er von dem lieben Gott erschuft wurde „um zu verteilen“, mitnehmen kann er auch nichts! Ich weiß nicht wie man nach solche Entscheidung ruhig in seinen Bett schlafen kann...
Sein bkenntnis für die Region!?

Welch Grandiose nachricht.. 4 Werke Geschlossen und wenn von den 800 Menschen die sich Jahrelang für Ihn Ihre Gesundheit ruiniert haben soviele wie möglich irgendwie "Entsorgt" wurden mehr
bleiben noch 0-100 die Entlassen werden....

Tolles Bekänntnis.
Laut dem Herrn Loh hat die wirtschaftliche Lage hier in Europe ihn dazu gezwungen, die ganze Produktion von Klimageräten ins Ausland zu verlagern. Da spart er bestimmt Geld mit den staatlichen Abgaben und, obwohl er mehr
nach Tarif die Löhne bezahlt, spart er auch Geld, indem er ungelernte Arbeitskräfte in der Fertigungshalle beschäftigt. Ob seine persönlichen Gefühle gegenüber der Belegschaft vom Werk Rennerod bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt hätte, muss man ihn fragen. Auf jeden Fall muss er bei seinem Herrn im Himmel Rechenschaft ablegen. Ganz egal ob er Christ sei, oder eben nicht.
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