Testbild "unter Wasser"

AUSSTELLUNG Darmstädter Künstler zeigt Werke in "Villa Grün"

Schwebende Scheine: Über Geld und Glück nachdenken.

Ausprobieren und verweilen lautet das Motto in der Villa Grün in Kopps Ausstellung. (Fotos: Katrin Weber"

Tragbare Computer in farbiger Flüssigkeit zeigen Videos.

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Die Mini-Retrospektive des Darmstädter Künstlers beeindruckt. Einfach, ideenreich, kreativ lädt Kopp lädt ein, sich länger mit den Ausstellungsstücken zu beschäftigen. Interpretationen sind erwünscht. Kopp mag es, die Menschen zum Nachdenken anzuregen, am liebsten durch seine Kunst.

Dies dürfte in der Villa Grün gelingen. Etwas Zeit sollten Besucher mitbringen, wenn sie sich mit der Schau beschäftigen und nicht nur "schnell mal gucken" wollen. Allein das Geld-Mobile verführt dazu, die schwebenden Scheine länger zu beobachten, länger zuzuschauen, was passiert, wenn "einer aus der Reihe tanzt": Das Mobile gerät aus dem Gleichgewicht. Interpretationen dazu sind viele möglich.

Eindeutiger ist dagegen das Werk "Achtung: Geld". Zehn-Euro-Scheinen hat Kopp Warnhinweise verpasst, ähnlich denen auf Zigarettenschachteln. "Achtung: Verwendung kann abhängig machen!", "Achtung: Kann kriminelle Energie beträchtlich fördern!" oder "Achtung: Kann zu unkontrollierbarem Machtgefühl führen!" ist auf den Scheinen zu lesen.

Hingucker sind auch die "Konservate", bei denen Ralf Kopp auf moderne Medien als Kunstmaterial setzt: Tablet-PC, versenkt in Glasbehältern vom Flüssigkeit, zeigen immer wieder Fernsehmomente und Ereignisse, die den Darmstädter bewegen.

Der Fall der Mauer, die Explosion des Spaceshuttle "Challenger", der 11. September sind dort ebenso in kurzen Videosequenzen zu sehen wie Fernsehsendungen, die nicht mehr gesendet werden: Das Testbild, der "Schnee" zum Sendeschluss, das westdeutsche Sandmännchen. Andere Konservate zeigen Fernsehserien, an die sich Kopp, und auch gerade jüngere Besucher, gerne erinnern. "Ein Colt für alle Fälle", "Die Maus vom Mars" und "Captain Future" sind in Präparategläsern festgehalten - für die Generation, die in den 1970er Jahren geboren wurde, eine Zeitreise in die Kindheit.

Zeit sollten sich Besucher der Villa Grün auch für die Videoinstallation im Foyer nehmen. Pferde laufen im immer gleich Trott von rechts nach links, in immer denselben Bahnen, nur versetzt. "Is a donkey" ("Ist ein Esel") ist zu lesen.

Anders dagegen die Videoarbeit "The Moment of Consideration": Sie setzte sich aus zwölf verschiedenen Sprachen zusammen. Gezeigt werden Menschen, die sich selbst in diesen Sprachen "Ja" und "Nein" sagen. Eine Demonstration der Unentschlossenheit und des inneren Zwiespalts, den jeder in sich hat. Als Gegenpol dazu, stellt Kopp einige seiner Fotografien aus. Dabei geht es um die Verschiebung der Größen. Insekten erscheinen riesengroß.

Die Sonderausstellung "bestregARTS @ Villa Grün. Ralf Kopp - Video:Foto:Kunst" ist die diesjährige Schau des Museumsvereins mit überregionaler Bedeutung. Der Darmstädter Künstler der Galerie "bestregARTS" in Frankfurt hat viele Auszeichnungen, darunter auch Publikumspreise, erhalten. 2012 setzte er das Frankfurt Business-Center für die Luminale als glitzernden Diamanten in Szene. Einige seiner Werke sind in namhaften Sammlungen wie beispielsweise in der Sammlung "Haupt" in Berlin zu sehen. Der Kontakt zu Kopp kam über Kristina Klein zustande. Die Kunsthistorikerin, die auf dem Dillenburger Schlossberg hauptsächlich für das Archiv und Ausstellungen zuständig ist, gehörte dem internationalen Kuratorenteam der Frankfurter Galerie an.

  • Die Ausstellung läuft bis 7. Juli. Der Eintritt in die Villa Grün kostet vier Euro, für Kinder zwei. Eine im Museum gekaufte Karte ist auch für den Wilhelmsturms gültig.

www.ralfkopp.com


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