Tropfsteine aus Höhle geklaut

POLIZEI Pressesprecher Guido Rehr warnt vor Kauf auf Börsen oder im Internet

Der "Zeitsprünge"-Vorsitzende Dr. Uwe Peters sieht nach dem Streit mit der Gemeinde Breitscheid keine Chance, dass der 192 Mitglieder große Verein dieses "Aushängeschild" wieder betreiben kann. Da auch die Museumstüren für Peters & Co. geschlossen bleiben, hat der Vorstand die Mitglieder gefragt, was sie von der Vision "Die Karst-Erlebniswelt" halten. Bei der Jahreshauptversammlung am Montagabend in Medenbach blieben die Fronten zwischen der Vereinsführung und Teilen der Mitglieder verhärtet, sodass sich einige "Zeitspringer" bereits Gedanken über die Gründung eines eigenen Vereins machen. (Archivfoto: privat)

Mitglieder der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen stellten Mitte vergangenen Monats fest, dass ein mit massiven Stahlplatten gesicherter Zugang aufgebrochen war. Die Täter hatten die Schlösser geknackt und anschließend die dicke Abdeckung mit einer Flex bearbeitet.

Einiges deutet darauf hin, dass hier "Schatzräuber" am Werke waren. Um in das Innere zu gelangen, mussten die Eindringlinge durch die nur 50 Zentimeter breite Öffnung steigen und sich dann mehrere Meter kriechend fortbewegen. Fünf Meter Gefälle mussten überwunden werden, dann erreichten die Diebe einen größeren Raum: die Willi-Hoffmann Halle.

Abgesehen hatten es die Eindringlinge wohl auf die seltenen und fast durchsichtigen blütenweißen Stalaktiten und Stalagmiten. Leicht verfärbte, gelbliche Sinter wurden stehen gelassen.

Eine erste Bestandsaufnahme ergab, dass ein Dutzend Exemplare am Boden der Höhle mit Hammer und Meißel herausgebrochen und abtransportiert wurden. Wie viele von der Decke herunterwachsende Tropfsteine entfernt wurden, steht noch nicht fest.

Eines der gestohlenen Exemplare könnte 15 Kilogramm schwer sein

Da Vergleichsaufnahmen von Höhlenforschern vorliegen, steht fest, dass ein Prachtexemplar mit einer Höhe von 30 Zentimeter und einem Durchmesser von 20 Zentimetern zu der Beute gehört. Dieser Stalagmit wiegt vermutlich gut und gerne 15 Kilogramm und besitzt für Sammler einen Wert von mehreren hundert Euro.

In die gut gesicherte Schauhöhle des Herbstlabyrinths, durch die Besucher geführt werden, sind die Täter nicht vorgedrungen. Dieser Zweig des Herbstlabyrinths blieb unbeschädigt.

Anzeige hat das Hessische Amt für Archäologische und paläontologische Denkmalpflege mit Sitz in Wiesbaden gestellt. Der Tatbestand: Diebstahl, Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Hessische Denkmalschutzgesetz.

"Wir gehen davon aus, dass hier Leute am Werk waren, die die Beute weiterverkaufen wollen", sagt Guido Rehr. Der Pressesprecher der Polizei in Dillenburg warnt deshalb davor, im Internet oder auch auf Mineralienbörsen angebotene Tropfsteine zu kaufen. Personen, denen Stücke der Beute angeboten werden, sollten sich bei der Polizei melden.

Von einem Kavaliersdelikt kann in diesem Fall keine Rede sein. Insider berichten von einer organisierten Szene. Der Handel mit den geklauten Naturprodukten floriere.

Das Problem: Bei den meisten Raubzügen werden die Täter nicht erwischt. Landen sie allerdings vor Gericht, kann die Strafe drastisch ausfallen. Das zeigt ein im Jahre 2002 in Wuppertal geführter Prozess.

Ein Höhlenräuber-Quartett erhielt wegen schweren Diebstahls Freiheitsstrafen zwischen 10 und 21 Monaten. Außerdem wurden Geldbußen zwischen 500 und 1000 Euro verhängt. Alle Strafen wurden für drei bis fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt.


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