
Wenn die Hundetrainerin zu ihren Lieblingen auf die Wiese geht, ist sie innerhalb von Sekunden umringt von 14 feuchten Schnauzen und 56 Pfoten, die an ihr hoch springen. Freudig wird sie dann von ihren 14 Huskys begrüßt. Nach fünf Minuten ist die Sinner Hundetrainerin von oben bis unten mit Schlamm besprenkelt.
Das Schicksal des "Sinner Pfotendorfs", einer von fünf Schlittenhunde-Schulen in Deutschland inklusive Hundepension, stand noch bis vor Kurzem auf der Kippe. Ende des vergangenen Jahres verstarb Esthers Ehemann Marco an Krebs. Gemeinsam hatte das Paar 2004 die Schlittenhunde-Schule aufgebaut und sich damit einen Lebenstraum erfüllt.
"Huskys waren unser beider Leidenschaft", erzählt sie. 1999 hatten sich die Beiden bei einem Schlittenhunderennen in Waldaubach das erste Mal getroffen. Die heute 46 jährige war zugleich fasziniert von diesem Mann, der da von sechs Huskys über den Trail (Strecke) gezogen wurde. "Wir haben uns dann immer wieder zufällig auf Rennveranstaltungen getroffen", erzählt sie weiter. "Dann ging alles sehr schnell: ich bin aus Westfalen nach Sinn gezogen, im Jahr 2004 haben wir geheiratet, gemeinsam haben wir Schlittenhunde trainiert und das ‚Sinner Pfotendorf’ gegründet."
"Im Nachhinein muss ich sagen, dass das das Beste war, was mir je geschehen ist", sagt sie. Nie habe sie ihre Entscheidung bereut, die Hundepension zu eröffnen und professionell Schlittenhunde zu trainieren.
Huskys seien sehr anspruchsvolle Tiere. "Richtige nordische Knorzköppe sind das", sagt die Trainerin. "Man kann einem Husky nur das beibringen, was er selbst auch für sinnvoll hält. Der Hund muss wissen, warum er dieses und jenes tun soll." Ihr Mann sei darin meisterlich gewesen. "Für ihn haben die Hunde gearbeitet. Für mich laufen sie nur", sagt sie.
Beim Schlittenhunde-Training müsse man so einiges beachten. "Jeder der Huskys weiß, wo sein Platz ist", erzählt sie. Natürlich gebe es im Rudel auch schon mal eine Rauferei, doch das sei normal. "Ich selbst muss gegenüber den Hunden stark und präsent sein", erklärt sie. "Ich muss meine Stärke gewaltfrei zeigen."
Obwohl Huskys den Schnee lieben, ließen sich die "nordischen Knorzköppe" auch in hiesigen Breitengraden ideal trainieren. So kann Esther Binnefeld ihre Hunde beispielsweise nicht nur mit dem Schlitten sondern auch mit dem dahinter gespannten Trainingswagen auf Rollen oder dem Quad trainieren.
Gerade junge Huskys würden beim Training wenig Fehler verzeihen. Man könnte sie regelrecht "kaputt laufen", berichtet sie. Die Huskys der Sinner Hundelehrerin sind keine Sprinter, sondern Distanzläufer. "Ich trainiere auf Strecke, nicht auf Schnelligkeit", erklärt sie. Obwohl es kleine "Knorzköppe" seien, hören die 14 Huskys auf jedes Wort von ihr. Das müsse aber auch so sein. Es könne nicht angehen, dass im Rudel jeder Hund das macht, wozu er gerade Lust habe.
n Garnelenzucht als Ausgleich - "diese Tiere bellen nicht und springen einen nicht an"
Esther Binnefeld und ihr Mann Marco trainierten über sieben Jahre gemeinsam Schlittenhunde. Der Tod ihres Mannes im vergangenen Jahr sei auch ein Schock für die Huskys gewesen. Im ‚Pfotendorf’ sei das Chaos ausgebrochen, "weil ich nicht bei der Sache war", erklärt sie. "Die Hunde spüren den emotionalen Zustand eines Menschen. Sie haben dafür ganz feine Antennen."
Auch die Tiere trauern. "Wie Menschen hat auch jeder Hund seine eigene Art des Abschied-Nehmens", erzählt sie. Wenn man einen der ihren einschläfern müsse, dürfe man ihn nicht einfach verschwinden lassen. "Die Hunde brauchen Zeit, um sich von ihm zu verabschieden. Manche stupsen den Körper dann an, versuchen ihn aufzuwecken. Manch andere schauen nur kurz oder lecken kurz über eine Pfote."
Letztlich gab das Schlittenhunderennen in Liebenscheid, welches Esther Binnefeld als Zuschauerin besuchte, den Ausschlag weiterhin Schlittenhunde zu trainieren. Von sechs Huskys ihrer Gruppe musste sie sich jedoch trennen - nicht etwa, weil die Tiere nicht mit ihr trainiert hätten, sondern aufgrund eines organisatorischen Problems: Zwölf Hunde im Gespann zu trainieren ist einfach zu viel für einen alleine.
In der kommenden Schlittenhunde-Saison, hätte sich ihr Mann einen Lebenstraum erfüllen wollen: Mit den Huskys von München nach Flensburg. "Mit der Organisation hatten wir schon begonnen", erzählt sie. Sie selbst wolle auf jeden Fall wieder auf dem Schlitten stehen: Fahrten nach Schweden sind schon fest geplant.
Manchmal jedoch braucht sie Abstand von allem. Dann widmet sie sich ihrem zweiten großen Hobby: der Garnelenzucht. "Da hab ich dann Tiere um mich, die nicht bellen oder einen anspringen. Das ist auch mal richtig schön", erzählt sie lächelnd und blickt nach draußen auf die Wiese, wo ihre 14 "Knorzköppe" herumtollen.







Kommentare (0)

















