Wo Diskretion ein Fremdwort ist

INTERNET Datenklau: Viele Nutzer glauben, es trifft immer nur die anderen

Holger Weber (Mitte) referierte über den vielfach leichfertigen Umgang mit persönlichen Daten im Internet. Das Foto zeigt ihn mit den Organisatoren der Veranstaltung (von links): Prof. Hans Joachim Schwalbe, Burkhard Schneider, Wolfgang Halbach und Michael Horstmann. (Foto: privat)

Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Fachvortrag von Holger Weber, der professionelle Vortrags- und Seminarprogramme (Webhygiene) zum Schutz der digitalen Identität im Internet anbietet, in der voll besetzten Aula der Gewerblichen Schulen Dillenburg.

Nein, übersinnliche Fähigkeiten seien nicht vonnöten, denn die Internetnutzer würden nur allzu bereitwillig auch sehr private Informationen von sich preisgeben, ohne sich dessen bewusst zu sein, erklärte der Referent: "Im Internet fallen alle Schranken der Diskretion." Da dachte mancher der Zuhörer, er selbst würde schon verantwortungsbewusst mit seinen Daten in diesem heute so wichtigen Medium umzugehen wissen. Risiken bestünden lediglich bei den vielen anderen Leuten, die das Risiko im Netz nicht hoch genug einzuschätzen vermögen. Doch weit gefehlt.

Im Laufe seines mit Live-Beispielen aus dem Internet untermauerten Vortrags konnte Weber gründlich mit der trügerischen Annahme von Sicherheit und gesetzlichem Datenschutz im Netz aufräumen.

Das Netz saugt alles auf

Das Internet sauge gierig jede Art von Daten auf. Passwörter gewährten nur einen unvollkommenen Schutz. Längst nicht mehr nur bei WhatsApp, Zalando oder Facebook - die Datensammelwut erreiche ungeahnte Dimensionen - besonders auch bei ahnungsloser Benutzung von Smartphone-Apps, berichtete der Experte. Das Prinzip sei dabei recht einfach: Internetnutzer hinterließen bei jedem Besuch im Netz ihre digitalen Spuren. Für diese interessierten sich diverse Unternehmen - seriöse aber auch kriminelle. Sei die eigene Spur auch noch so unbedeutend, durch die weltweite Vernetzung, dem "Big Data", ließe sich diese zu einem recht aussagekräftigen Gesamtbild der betreffenden Person zusammensetzen. "Dies kann dann zu bösen Überraschungen führen", erklärte Weber. Beispielsweise könne ein unbedacht hochgeladenes Foto in Verbindung mit der Gesichtserkennung von Google schon reichen, Fremden einen unangenehmen und erstaunlich umfassenden Einblick ins eigene Leben zu ermöglichen.

Initiiert wurde die Veranstaltung vom "Verein Deutscher Ingenieure" (VDI) in Mittelhessen . Der VDI bietet in regelmäßigen Abständen Vorträge zu fachlichen, aber auch zu aktuellen, überfachlichen Themen an den Gewerblichen Schulen Dillenburg an. Wolfgang Halbach, Leiter des Arbeitskreises Jugend- für- Technik, verwies in seinen Einleitungsworten auf die dem Vortrag zugrunde liegende Zielsetzung des VDI, Studierende bezüglich dieser Thematik im Beruf, aber auch im Privatleben zu sensibilisieren.


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