
"Ich hab schlecht gesungen, es ging gar nix. Warum sollte die Jury mir eine zweite Chance geben?", schätzte der Oberschelder seine Situation nach dem Vortrag mit seiner überzeugenden Partnerin Nora Ferjani - der Bohlen eine "Ausstrahlung wie eine 10 000-Watt-Birne" bescheinigte -realistisch ein.
"Ich dachte, Du kannst singen"
Offenkundig waren es die Leistungen, die der 20-Jährige in den ersten Runden gebracht hatte, die ihm dennoch weiterhalfen. "Du warst ein heißer Kandidat, ich dachte, Du kannst singen", fasste es Dieter Bohlen zusammen. Und Jury-Kollege Mateo Jaschik befand, bei dem Duett habe "eine selbstbewusste Frau einem Rocker die Hosen ausgezogen". "Sie hat Dich total in den Schatten gesungen. Das war fast ein Totalausfall."
Doch Schwamm drüber. Tim Weller gehörte nicht zu den Bewerbern, die die Karibik-Insel verlassen mussten, sondern durfte am dritten Recall-Tag auf Curacao mit dem Song "Drops of Jupiter" (Train) beweisen, was er wirklich drauf hat. Diesmal war die Jury - der auch die Kaulitz-Brüder Tom und Bill (Tokio Hotel) angehören - begeistert.
Anders als beim "Dirty-Dancing"-Hit passten diesmal Stimme und Performance des Oberschelders fast perfekt. "Das ist der Tim mit der Wahnsinns-Stimme, den ich hören will", lobte Bohlen nachher und riet dem Dillenburger gar, gemeinsam mit Trio-Partner Maurice "als neues Modern-Talking-Duo" aufzutreten.
Tim Weller war auch mit diesem Auftritt nur bedingt zufrieden. Vor allem hatte ihm der Text Probleme bereitet. "Dass ich weitergekommen bin, war für mich nicht zu erwarten", meinte der Oberschelder nachher. Das Jury-Urteil empfand er als "Warnschuss", wie der Gymnasiast gestern rückblickend gestand. Der Auftritt habe gezeigt, "dass eben nicht jeder Sänger jedes Lied singen kann".
Den "Dirty-Dancing"-Song habe er zunächst gut gefunden: "Schließlich hab' ich früher mit meiner Mutter die Filme geguckt." Doch schon bei den Proben sei ihm klar geworden, "dass das vermutlich nix wird". Als dann auch noch nach anfänglichen Problemen der Song abgebrochen und nochmal gestartet wurde, war Tim Weller "noch nervöser".
Rückblickend freut er sich, dass Partnerin Nora Ferjani sich nicht anstecken ließ, sondern das Lied professionell zu Ende brachte. Und dass die Jury nicht nur Nora, sondern auch ihn eine Runde weiterkommen ließ, haute den 20-Jährigen beinahe um. "Das war ein unbeschreibliches Gefühl, ich hab geheult." Anschließend entschuldigte er sich bei anderen Kandidaten, "die an diesem Abend besser waren als ich und dennoch heimfahren mussten".
Aber diese Erfahrung zeigt dem Oberschelder auch, dass bei DSDS nicht nur Momentaufnahmen gesehen werden. "Die Jury hat gesehen, was ich bisher geleistet habe - und das hat sie zu ihrer Entscheidung bewogen", freut sich der Sänger und Songwriter.
Das nächste Projekt ist ein weiterer Duett-Abend auf Curacao, bei dem Dieter Bohlen und Co. die Anzahl der Teilnehmer weiter reduzieren wird.
"Bohlen haut manchmal Sprüche raus, ist aber wenigstens ehrlich"
Seine DSDS-Erfahrung will Tim David Weller bereits jetzt nicht mehr missen - und dass er weiter an seiner Musiker-Karriere basteln wird, ist auch keine Frage. Ganz egal, wie er bei der zehnten Superstar-Staffel abschneidet.
Das Vorbild des 20-Jährigen bleibt Pop-Titan Bohlen, den er für einen "ganz lieben Menschen hält". Natürlich haut der Mann mit der großen Klappe auch mal einen eher grenzwertigen Spruch raus. "Aber der ist wenigstens ehrlich!"
Möglichkeiten, Bohlen näher kennenzulernen, hatte Tim David Weller nicht. "Man sieht ihn nur, wenn man ihm was vorsingt", erzählt der junge Musiker und vermutet, "dass Bohlen allen Teilnehmern gleich begegnen und keine Befangenheit aufkommen lassen will".
Wesentlich mehr Kontakt besteht zu den Gesangs-Coaches, die intensiv mit den 36 Teilnehmern arbeiteten. "Die Leute sind sehr erfahren und geben dir Tipps, die dich wirklich weiterbringen", meint Tim Weller: "Die holen das Beste aus dir raus."
Dieses Coaching und alle Erfahrungen bei DSDS könne ihm "niemand mehr nehmen", ist der Musiker überzeugt. "Ich habe erkannt, dass Musik mein Ding ist und unheimlich Spaß macht", bilanziert der 20-Jährige, der auch auf Curacao trotz aller Erfahrungen "kaum Druck empfunden hat". Er will weiter Lieder schreiben und freut sich über Reaktionen aus dem Internet, wo er seinen aktuellen Song "Only you" eingestellt hat. "Da kommen Reaktionen aus Mexiko oder Los Angeles, und alle schreiben, dass ich weitermachen soll."
Reaktionen aus der ganzen Welt
Das ist keine Frage, zumal der Elftklässler auch von seiner Schule unterstützt wird. Abi will er machen und anschließend eventuell eine Ausbildung zum Polizisten oder ein Jura-Studium. Der Traum wäre allerdings, ins Musikbusiness einzusteigen und dort Fuß zu fassen. Dabei kann ihm die Erfahrung, unter 38 000 DSDS-Bewerbern unter die besten 34 vorgedrungen zu sein, nur nutzen.
Ohnehin ist er überzeugt, dass das Niveau der aktuellen Staffel sehr hoch ist. "Das sind die stärksten Teilnehmer seit Jahren", meint Weller, der unbedingt auch bei den bald folgenden Motto-Shows sein Talent unter Beweis stellen will.







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