"Zwischen Wut und Mitleid"

GERICHT Verteidigerin plädiert im Herborner Mordprozess / Urteil am Donnerstag
Der Tatort in Herborn: Hier ... | Foto: Naumann

Zu der Höhe des Strafmaßes äußerte sich die Verteidigerin gestern vor dem Limburger Landgericht nicht. Sie hatte ihrem Mandanten gleich zu Beginn des Prozesses geraten, ein voll umfängliches Geständnis abzulegen. "Dann hätte man sich viele Zeugenvernehmungen und Nachforschungen in seinem Leben ersparen können. Dann wären nicht die ganzen privaten Sachen ans Licht gekommen. Dass er es nicht tat, damit hat er sich selbst geschadet. Es spricht aber auch für sein planloses Vorgehen und dass er nicht strukturiert handeln kann", sagte die Verteidigerin.

Sie ist überzeugt davon, dass das Leben ihres Mandanten ein einziges Chaos war. "Gefühle spielten bei ihm eine große Rolle, und mit der Geliebten hatte er eine sehr gefühlsbetonte Verbindung. Bei ihr schwankte er zwischen großer Wut und heftigem Mitleid."

Die Verteidigerin geht davon aus, dass seine Tat nicht geplant war. Dafür spreche beispielsweise, dass er die blutgetränkten Küchentücher in den Mülleimer der Wohnung entsorgt habe, mit dem Auto des Opfers weggefahren sei und sich in der Wohnung seiner Lebensgefährtin hingelegt habe, um sich von der Polizei widerstandslos festnehmen zu lassen.

Er sei doch nicht der so kontrollierte Typ, wie er von früheren Freundinnen beschrieben worden sei. Monika Tropp: "Er ist von der einen zur anderen Ebene geschaukelt."

Die Rechtsanwältin zitierte den psychiatrischen Sachverständigen: "Er ist ein Gefühlsmensch und völlig unfähig. Einer, der unbesorgt in den Tag gelebt hat, zur vorausschauenden Planung nicht fähig und auch schon mal wohnsitzlos war."

"Ich habe es mit Sicherheit nicht so gewollt - auf keinen Fall"

Der Sachverständige hatte von einer "rücksichtslosen Missachtung seiner eigenen Sicherheit" gesprochen.

Für die Verteidigerin ist maßgebend, dass "ihr Mandant die Tötung gestanden hat, wenngleich er sich die Vorgänge nicht erklären kann und sich in der Tat nicht wiedererkennt".

Sie schilderte zu Beginn ihrer Ausführungen das jahrelange Liebesverhältnis des ungleichen Paares. "Sie zankten und vertrugen sich, erlebten ein Wechselbad der Gefühle." Sie habe sich trotz ihrer Körperfülle von ihm angenommen gefühlt, "sich andererseits geschämt, weil er ein Säufer war". Ihre Mutter sei gegen diese Verbindung gewesen und habe ihn als Taugenichts bezeichnet, über seine Eltern geschimpft und seine neue Lebensgefährtin beleidigt", führte Monika Tropp aus.

An jenem Abend des 1. Februar gegen 20 Uhr habe er ihr eine SMS mit der Aufforderung "Geh ins Bett" geschrieben. Das sei für sie das Kennwort gewesen, dass er vor der Tür stehe. Beide hätten gewollt, dass sie in dieser Nacht zusammenbleiben. Sie habe ihn in ihre Wohnung hereingelassen. Wieder einmal sei es zum Streit gekommen.

Er sei es gewöhnt gewesen, dass sie ihn beleidigte, dass er ein Säufer und für nichts zu gebrauchen sei. Sie sei ausgeflippt, habe ihm eine gedonnert, so dass er gegen die Spüle fiel. Es sei zu Handgreiflichkeiten gekommen.

Ihr schrilles Schreien habe ihn aus der Rolle gebracht. Er sei aufgebracht und sauer gewesen. Voller Wut sei er hinter ihr her, habe einen Topf von der Spüle genommen, ihr mehrmals auf den Kopf geschlagen. Er habe Wut und Mitleid mit ihr gehabt, ihr Schreien nicht ertragen und ihr im Auf und Ab der Gefühle den Hals zugedrückt. Anschließend habe er Küchentücher geholt, mit Handschuhen das Blut weggewischt, ihren Rucksack gepackt und sei weggerannt. An die anschließende Pfählung habe er keine Erinnerung mehr.

Der Staatsanwalt hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert (wir berichteten).

"Es tut mir wirklich Leid was passiert ist und für alle Beteiligten. Ich habe es mit Sicherheit nicht so gewollt - auf keinen Fall", schluchzte der 41-jährige Angeklagte aus Haiger in seinem so genannten letzten Wort.

Link zum Thema
Dokumenten Information
Copyright © mittelhessen.de 2012
Dokument erstellt am 09.10.2012 um 15:34:00 Uhr
Letzte Änderung am 09.10.2012 um 20:42:35 Uhr
Mehr zum Thema
Kommentare (0)
Facebook Kommentare
Mehr aus Region Dillenburg
Orte
Wählen Sie Ihren Ort
Anzeige
Anzeige
Die Frühlingsfotos unserer Leser
Wetter in Dillenburg
Heute
stark bewölkt
17°
Sonne
05:30 Uhr
21:18 Uhr
Regen
15%
Wind
14km/h
aus SW
Anzeige
Verlagsbeilagen

Zeugin hört Hilfeschreie / Wer ist der Mann im Neoprenanzug?: Rettungskräfte suchen die Lahn ab

Gießen (tna). Polizei, Berufsfeuerwehr, DLRG, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk haben am Dienstagmorgen die Lahn ... mehr

POLIZEIBERICHT Unfallserie über Pfingsten: Zwei Tote bei drei Unfällen

Limburg-Weilburg (kbi). Drei schwere Verkehrsunfälle haben über die Pfingstfeiertage die Rettungsdienste im Kreis ... mehr

Ab durch die Hecke

Eschenburg-Eibelshausen (ra/red). Ein spektakulärer Unfall hat sich in der Nacht zum Pfingstmontag im Eschenburger ... mehr

GERICHT Betrunken auf der Suche nach neuem Schnaps / Richterin verhängt eine Bewährungsstrafe von vier Monaten: 48-Jähriger braust mit 3,72 Promille durch den Ort

Dautphetal/Biedenkopf. Mit 3,72 Promille Alkohol im Blut hat die Polizei am 22. Juni 2012 einen Mann vor seinem Haus ... mehr

Katholischer Krankenhausverband will über «Pille danach» neu reden

Düsseldorf (dpa) - Der Katholische Krankenhausverband will nach der Abweisung einer vergewaltigten Frau durch ... mehr

KOMITEESITZUNG Termine festgezurrt: Zwei Vorgrenzgänge sind terminiert

Dautphetal-Buchenau (val). 163 Tage trennen die Buchenauer noch von ihrem Grenzgang, der vom 11. bis 15. Juli ... mehr