Enzo Ferrari persönlich verpflichtete Stefan Bellof

Kart-Verein Oppenrod veranstaltete Stefan-Bellof-Memorial-Race
Kartrennen in Oppenrod. (Foto: ...

Mit dem Kastenwagen an die Pista d'oro

18 Teams gehen bei Kart-Rennen an den Start
Das Erlebte von damals gibt der 87-Jährige heute so wieder, als wäre es erst gestern gewesen. „Durch den Erfolg meiner beiden Söhne waren wir sehr viel international unterwegs und haben viele Persönlichkeiten des Motorsports kennen gelernt. Stefan startete damals als jüngster Fahrer in Holland bei den Europameisterschaften der Junioren. 150 Teilnehmer gingen dort an den Start, und es war das letzte Kartrennen von keinem Geringeren als Alain Prost. Stefan belegte am Ende Platz 21 und das war aus meiner Sicht sensationell.“ Bellof lächelte verschmitzt. „Wenn es im Motorsport ruhiger wurde, durften die Besten der Besten vor den Toren Roms neue Motoren und Chassis bewundern. Der Chef von IAME, Bruno Grana, notierte sich die Namen der jungen erfolgreichen Fahrer und lud sie an die Pista d'oro ein. Meine Jungs waren immer dabei. Ich hatte einen Opelkastenwagen umgebaut. Alles wurde verstaut, die Motoren, die Chassis, die Reifen, und dann fuhren wir nach Italien. Damit sich Stefan und Goa ausruhen konnten, hatte ich noch zwei Pritschen, ähnlich einem Stockbett, eingebaut. Goa schlief unten, Stefan oben. Gesichert habe ich das Ganze mit zwei Teleskopstangen, einer Plane und einem Netz, damit die beiden mir beim Anbremsen nicht ins Kreuz fallen“, erzählte Bellof Senior und lachte. „Die Strapazen waren schon groß - aber ich habe es gerne in Kauf genommen. Wenn eine Rennsaison vorüber war, waren auch gut und gerne rund 50.000 Mark ausgegeben, aber das Geld war gut investiert. Meine beiden Söhne waren ja sehr erfolgreich, sind beide etwas geworden und hatten Spaß am Sport – allerdings, das muss ich unterstreichen, ging die Schulausbildung vor - das Sahnehäubchen war der Motorsport“, fügte Bellof an.

Georg Bellof im Gespräch mit ...
Die Bellof-Brüder und die Nationalmannschaft

Siegerteam KRT Blaulicht ...
„In Deutschland gab es damals sechs, sieben gute Fahrer, die für die Nationalmannschaft in Frage kamen. Darunter auch Goa und Stefan. Es gab allerdings nur vier Plätze in der Nationalmannschaft und zwei sehr gute Bellofs. Für die anderen Fahrer war die Situation nicht so angenehm. Karl-Heinz Becker, ein sehr talentierter Kartfahrer aus Hagen, war damals schon nach Luxemburg abgewandert“, berichtete Georg Bellof. „Im Luxemburger Team war noch ein Platz zu besetzen, und Becker kannte uns ja recht gut und fragte an, ob Stefan nicht für Luxemburg starten möchte. Das tat er dann, und so fuhren wir alle 14 Tage nach Luxemburg. Das Gedränge in der deutschen Nationalmannschaft wurde dadurch etwas abgemildert“, erzählte Bellof mit einem Augenzwinkern.

Stefan Bellof sollte ab 1986 für Ferrari fahren

Gerhard Berger gilt als der Fahrer, der als Letzter von Enzo Ferrari für das Ferrari-Team noch persönlich ausgesucht worden ist – allerdings war Berger letztendlich nur der Nachrücker. Bellof war derjenige, den Enzo Ferrari unbedingt im Team haben wollte. Motorsport-Karieren wären vermutlich anders verlaufen. Berger war der Meinung, dass Stefan Bellof und Ayrton Senna das gleiche Level gehabt hätten. Rekordweltmeister Michael Schuhmacher sagte im Jahre 2010 in einem Interview: „Wenn Stefan nicht verunglückt wäre, hätte es meine Karriere vielleicht nie gegeben - weil sich dann im Motorsport alles um Bellof gedreht hätte, weil er der Formel-1-Weltmeister und PS-Superstar geworden wäre.“

Vielleicht wäre es so gekommen. Enzo Ferrari hatte sich 1984 in Monte Carlo Stefan Bellof ausgeguckt, dieser sollte für Ferrari an den Start gehen. Der Vertrag war ausgehandelt - alles war perfekt.

Enzo Ferrari: "Das ist mein Junge"

„1984 startete Stefan in Monte Carlo. In seinem Tyrell-Rennwagen war ein Ford –Cosworth-Motor verbaut. Niki Lauda, Alain Prost und Ayrton Senna waren da schon mit neuen Turbo-Motoren unterwegs“, berichtete Georg Bellof. „Beim Zeittraining am Samstag, die Piste war trocken, konnte sich Stefan noch gerade so als 20. platzieren. Am Sonntag regnete es, und Stefan konnte von Platz 20 nach vorne fahren. Allerdings, das muss ich schon anmerken, lag dies am besseren Ansprechverhalten des Cosworth-Motors, zumindest bei Nässe. Die Turbo-Motoren mussten immer bei 8 bis 9000 Touren gehalten werden, damit sich die Kraft entfalten konnte, was damals aber bei Nässe nicht vorteilhaft war – diesen Vorteil konnte Stefan nutzen und fuhr bis auf Platz vier vor“, erzählte Vater Bellof mit leuchtenden Augen. „Prost, Senna und René Arnoux waren vor Stefan. Niki Lauda hatte sich am Casino gedreht.

Dann kam es zu einem sehr fairen Duell zwischen meinem Sohn und dem Ferrari-Piloten René Arnoux. Nach dem Casino zog Stefan rechts neben Arnoux und dieser drückte leicht gegen Stefans Auto. Stefan musste dann etwas nach rechts ziehen, kam mit den Reifen auf den Bürgersteig - aber hielt immer noch dagegen. Arnoux lupfte fair und ließ Stefan, weil er einfach schneller war, vorbei. Damit landete Stefan auf dem dritten Platz. Dieses Manöver und diesen Willen hatte Enzo Ferrari gesehen. Nach dem Rennen, das Enzo Ferrari zu Hause verfolgt hatte, war dieser begeistert und sagte, dass Stefan sein Junge sei, dass er in seinem Team fahren solle. Der Vertrag mit René Anoux und Ferrari wäre Ende 1985 ausgelaufen, und Stefans Vertrag mit Ferrari war perfekt. 1986 hätte er für die „Roten“ fahren sollen“, berichtete Georg Bellof stolz.

Stefan Bellof kam am 26. August 1985 von einem F1-Rennen aus Zandvoort zurück und berichtete seinem Vater, dass er am ersten September-Wochenende nochmals für Walter Brun im privaten Gruppe C-Porsche in Spa an den Start gehen würde. Stefan Bellof wollte eigentlich, dass Gerhard Berger seinen Platz übernimmt, doch dieser war für Tests verpflichtet worden und konnte nicht. Georg Bellof erinnert sich: „Am 1. September stiegen Stefan und Jacky Ickx in ihre Fahrzeuge. Zwei Minuten mussten beide warten, unter anderem wurden die Scheiben nochmals gesäubert. Peter Reinisch, der Rennleiter von Brun klopfte aufs Dach, Stefan legte den Gang ein und Reinisch rief: „Go, Stefan!“ Stefan wollte losfahren, und ein Boxenkommissar sprang ihm vors Auto, weil von hinten Jacky Ickx angefahren kam.“ Ickx war nun vor dem schnelleren Stefan Bellof auf der Piste, und das Drama vom 1. September 1985 nahm seinen Lauf.

Der Zweikampf zwischen dem Werkspiloten Ickx und dem Privatfahrer Bellof tobte drei Runden. In der Senke „Eau Rouge“ kollidierte Bellof mit dem Fahrzeug des belgischen Piloten. In dieser Kurve zu überholen galt damals allgemein als unmöglich. Bellofs Porsche 956 prallte mit fast unverminderter Geschwindigkeit frontal gegen einen hinter den Leitplanken stehenden Betonpfeiler. Während sich der Wagen von Ickx in die Leitplanken drehte und Ickx nur leicht verletzt wurde, erlag Bellof seinen lebensgefährlichen Verletzungen.

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Dokument erstellt am 09.09.2012 um 19:02:00 Uhr
Letzte Änderung am 13.09.2012 um 20:35:14 Uhr
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