
Mit dem Kastenwagen an die Pista d'oro


Stefan Bellof sollte ab 1986 für Ferrari fahren
Gerhard Berger gilt als der Fahrer, der als Letzter von Enzo Ferrari für das Ferrari-Team noch persönlich ausgesucht worden ist – allerdings war Berger letztendlich nur der Nachrücker. Bellof war derjenige, den Enzo Ferrari unbedingt im Team haben wollte. Motorsport-Karieren wären vermutlich anders verlaufen. Berger war der Meinung, dass Stefan Bellof und Ayrton Senna das gleiche Level gehabt hätten. Rekordweltmeister Michael Schuhmacher sagte im Jahre 2010 in einem Interview: „Wenn Stefan nicht verunglückt wäre, hätte es meine Karriere vielleicht nie gegeben - weil sich dann im Motorsport alles um Bellof gedreht hätte, weil er der Formel-1-Weltmeister und PS-Superstar geworden wäre.“
Vielleicht wäre es so gekommen. Enzo Ferrari hatte sich 1984 in Monte Carlo Stefan Bellof ausgeguckt, dieser sollte für Ferrari an den Start gehen. Der Vertrag war ausgehandelt - alles war perfekt.
Enzo Ferrari: "Das ist mein Junge"
„1984 startete Stefan in Monte Carlo. In seinem Tyrell-Rennwagen war ein Ford –Cosworth-Motor verbaut. Niki Lauda, Alain Prost und Ayrton Senna waren da schon mit neuen Turbo-Motoren unterwegs“, berichtete Georg Bellof. „Beim Zeittraining am Samstag, die Piste war trocken, konnte sich Stefan noch gerade so als 20. platzieren. Am Sonntag regnete es, und Stefan konnte von Platz 20 nach vorne fahren. Allerdings, das muss ich schon anmerken, lag dies am besseren Ansprechverhalten des Cosworth-Motors, zumindest bei Nässe. Die Turbo-Motoren mussten immer bei 8 bis 9000 Touren gehalten werden, damit sich die Kraft entfalten konnte, was damals aber bei Nässe nicht vorteilhaft war – diesen Vorteil konnte Stefan nutzen und fuhr bis auf Platz vier vor“, erzählte Vater Bellof mit leuchtenden Augen. „Prost, Senna und René Arnoux waren vor Stefan. Niki Lauda hatte sich am Casino gedreht.
Dann kam es zu einem sehr fairen Duell zwischen meinem Sohn und dem Ferrari-Piloten René Arnoux. Nach dem Casino zog Stefan rechts neben Arnoux und dieser drückte leicht gegen Stefans Auto. Stefan musste dann etwas nach rechts ziehen, kam mit den Reifen auf den Bürgersteig - aber hielt immer noch dagegen. Arnoux lupfte fair und ließ Stefan, weil er einfach schneller war, vorbei. Damit landete Stefan auf dem dritten Platz. Dieses Manöver und diesen Willen hatte Enzo Ferrari gesehen. Nach dem Rennen, das Enzo Ferrari zu Hause verfolgt hatte, war dieser begeistert und sagte, dass Stefan sein Junge sei, dass er in seinem Team fahren solle. Der Vertrag mit René Anoux und Ferrari wäre Ende 1985 ausgelaufen, und Stefans Vertrag mit Ferrari war perfekt. 1986 hätte er für die „Roten“ fahren sollen“, berichtete Georg Bellof stolz.
Stefan Bellof kam am 26. August 1985 von einem F1-Rennen aus Zandvoort zurück und berichtete seinem Vater, dass er am ersten September-Wochenende nochmals für Walter Brun im privaten Gruppe C-Porsche in Spa an den Start gehen würde. Stefan Bellof wollte eigentlich, dass Gerhard Berger seinen Platz übernimmt, doch dieser war für Tests verpflichtet worden und konnte nicht. Georg Bellof erinnert sich: „Am 1. September stiegen Stefan und Jacky Ickx in ihre Fahrzeuge. Zwei Minuten mussten beide warten, unter anderem wurden die Scheiben nochmals gesäubert. Peter Reinisch, der Rennleiter von Brun klopfte aufs Dach, Stefan legte den Gang ein und Reinisch rief: „Go, Stefan!“ Stefan wollte losfahren, und ein Boxenkommissar sprang ihm vors Auto, weil von hinten Jacky Ickx angefahren kam.“ Ickx war nun vor dem schnelleren Stefan Bellof auf der Piste, und das Drama vom 1. September 1985 nahm seinen Lauf.
Der Zweikampf zwischen dem Werkspiloten Ickx und dem Privatfahrer Bellof tobte drei Runden. In der Senke „Eau Rouge“ kollidierte Bellof mit dem Fahrzeug des belgischen Piloten. In dieser Kurve zu überholen galt damals allgemein als unmöglich. Bellofs Porsche 956 prallte mit fast unverminderter Geschwindigkeit frontal gegen einen hinter den Leitplanken stehenden Betonpfeiler. Während sich der Wagen von Ickx in die Leitplanken drehte und Ickx nur leicht verletzt wurde, erlag Bellof seinen lebensgefährlichen Verletzungen.







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