
Denn die zwei insgesamt 17 Tonnen schweren Brückenteile wurden am Dienstagabend aus den tragenden Elementen herausgelöst, mit einem Schwerlastkran auf Schwertransporter verladen und auf das Gelände des am 31. Dezember 2010 stillgelegten Werks von Heidelberg Zement gebracht.

Für Christian Steinberg, Geschäftsführer der Steinberg GmbH, war die Demontage Routine. Seit 27 Jahren baut er weltweit Industrieanlagen zurück und wieder auf.

14 Mitarbeiter dirigierte er beim Rückbau der Kalksteinförderbandanlage, die in der Zeit des Wirtschaftswunders erbaut worden war. Das schwierigste dieser Aufgabe war, den Verkehr zu regeln, denn während der Abbauarbeiten mussten die Verkehrsteilnehmer immer wieder kurz angehalten werden, immer, wenn mit Schneidbrennern gearbeitet wurde oder auch beim Wegheben der zwei Teile. Allerdings ließen sich so manche Autofahrer von der aufgebauten Ampel und den Rotphasen nicht beeindrucken und fuhren "stur" durch die Baustelle. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte Steinberg entsetzt. "Die Leute sehen doch, dass hier Funken fliegen, dass hier gearbeitet wird und dass meine Mitarbeiter und ich auf der Straße stehen", fuhr Steinberg fort und schüttelte den Kopf.
Teile der Anlage werden verkauft oder in anderen Werken wieder verwendet
Der Rückbau des Zement-Werkes und der 2,5 Kilometer langen und 800 Millimeter breiten Förderbandanlage, die vom Hermannsteiner Steinbruch in das Zementwerk führte, begann im Januar 2011. Seitdem wurde die Konstruktion der Bandanlage, die überwiegend durch Stollensysteme führte, demontiert.
Stahlträger, Gummigewebebänder, Motoren, Steuereinheiten und Rollensysteme wurden Stück für Stück abgebaut. "Insgesamt rund 225 Tonnen Material", teilte Christian Steinberg dieser Zeitung vor Ort mit. "Um die komplette Anlage zu demontieren, waren wir hier in Wetzlar mit rund zwölf Mitarbeitern tätig."
Das Gewebegummiband der Förderbandanlage wurde zerkleinert und entsorgt. Der Lauftisch, Motoren, Steuereinheiten und die Stahlträger werden in einem Sandwerk von Heidelberg Zement wieder ihren Dienst tun. "Die Anlage ist mittlerweile wieder in Betrieb", berichtete Steinberg.
Die anderen Maschinen, die im Steinbruch jahrzehntelang genutzt wurden, sowie die Schwerlastkraftwagen, die den Kalk zum Mahlwerk am Förderbandtisch brachten, wurden zum Teil verkauft oder in anderen Werken von Heidelberg Zement in Betrieb genommen.
"Die Planung und Organisation für den Abbau der Förderbandbrücke dauerte intern eigentlich nur eine Woche. Heidelberg Zement musste aber bei der Stadt Wetzlar Anträge stellen und diese mussten genehmigt werden; das dauerte sehr lange, rund eineinviertel Jahre", berichtete Steinberg.
Nachdem nun die Förderbandbrücke abgebaut worden ist, werden die Ofenlinien im Zementwerk demontiert und zum Teil an anderen Betriebsstätten des Unternehmens weiter genutzt. Eine Ofenlinie ist etwa 90 Meter lang.
In den Öfen befinden sich so genannte Laufringe, die den Ofenmantel - Drehrohre - tragen. In einer Ofenlinie sind vier der jeweils 85 bis 90 Tonnen schweren Laufringe verbaut. Ein Laufring kostet in der Anschaffung rund zwei Millionen Euro und ab Bestellung muss man rund drei Jahre bis zur Auslieferung warten. Diese Laufringe sind alle betriebsbereit und werden für 100 000 Euro ausgebaut und als Ersatzteile für andere Werke bereitgestellt.
Des Weiteren werden die Packmaschine, der Palettierer und die Rohmühle abgebaut. Während die Packmaschine und der Palettierer in anderen Heidelberg-Zement-Werken zum Einsatz kommen sollen, wird die Rohmühle verkauft.
"Nach und nach" verschwindet so wieder ein Stück Wetzlarer Industriegeschichte.







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