Mutmaßliche Schleuser von Flüchtlingen vor Gericht

JUSTIZ Prozess vor Landgericht Gießen / Asylsuchende sollen in Gefahr gebracht worden sein

Ein mutmaßlicher Schleuser (2.v.l.) sitzt  in Gießen zu Prozessbeginn im Landgericht neben seinen Verteidigern Ferhat Tikbas (l.) und Alexander Hauer (M.). (Foto: Rumpenhorst/dpa)

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 37 und 45 Jahre alten Angeklagten aus Gedern und Usingen Mitglieder eines europaweit agierenden Schleuserrings waren. Sie sollen den Transport der Menschen insbesondere von Ungarn nach Deutschland organisiert und dafür unter anderem Fahrer geworben oder Fahrzeuge gemietet haben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft standen die beiden „relativ weit oben“ in der Hierarchie des Rings.

Fünf Taten zwischen Mai 2015 und April 2016

Die Anklage listet insgesamt fünf Taten zwischen Mai 2015 und April 2016 auf, die teils im Versuch stecken geblieben sein sollen. In einem Fall geht es zudem um den Vorwurf der Körperverletzung: Laut Anklage mussten 34 Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak ihre Reise von Ungarn nach Deutschland in einem Sprinter antreten - dafür sollte jeder 3000 Euro zahlen. Im Innern sei es so stickig geworden, dass die Menschen Dichtungen herausrissen. Dennoch habe ein Kind wegen Sauerstoffmangels das Bewusstsein verloren. Die Menschen konnten gerettet werden: Der Transporter ging einer Kontrolle auf der Autobahn 3 in Bayern ins Netz.

Die umfangreichen Ermittlungen gegen die Verdächtigen begannen nach Angaben der Staatsanwaltschaft, nachdem ein Fahrer ausgepackt hatte. „Das Risiko, entdeckt zu werden, bürdet man den kleinen Lichtern auf, den Fahrern“, sagte Anklagevertreter Bernd Süß. Die Ermittler starteten Telefonüberwachungen sowie Observationen. Anfang Juni dann konnten die beiden Angeklagten aus Gedern und Usingen festgenommen werden. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Zu Beginn ihres Prozesses am Donnerstag wurde nur die Anklage verlesen. Die Verteidiger kündigten eine Aussage der Männer für den nächsten Verhandlungstag am 19. Dezember an. Das Urteil soll Ende Januar 2017 gesprochen werden. (dpa/lhe)


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