Wo kein Wind, da kein Geld

ENERGIE Erfahrungen von Hohenahr beflügeln Diskussion im Kreis Gießen

Nicht immer haben die Windräder des Windparks Hohenahr getan, was sie sollten: sich drehen und Strom liefern. (Archivfoto: Reeber)

Aber ein Windrad ist in Bürgerhand: "Auch war das Windaufkommen im gesamten Jahr 2013 niedriger als im langjährigen Vergleich der Vorjahre", heißt es in einer Vorstandsmitteilung vom Dezember an die 113 Mitglieder der "Aufwind" Energiegenossenschaft Lahn-Dill-Bergland.

Und darin steht außerdem: "Auch 2014 zeichnet sich bis jetzt eine ähnliche Entwicklung ab: Das Windaufkommen bis Ende September ist deutlich niedriger als im langjährigen Vergleich zu erwarten."

Und da war es vernünftig, an die Energiegenossen für 2013 erst mal keine Ausschüttung zu zahlen. Zwar hatte man 2013 laut Bilanz 598 597 Euro Einnahmen "aus Lieferungen und Leistungen". Aber von der Abschreibung auf die 4 793 910 Euro Vermögen an "Erzeugungs- und Bezugsanlagen" bis zu 103 709 Euro "Zinsen und ähnliche Aufwendungen" war von dieser Einspeisevergütung einiges abzuziehen, so dass am Ende 51 627 Euro übrigblieben.

Weil niemand weiß, wie stark der Wind künftig wehen wird, hat die Energiegenossenschaft dieses Geld lieber zusammengehalten, statt es auszuschütten. Schließlich waren 2012, dem ersten Jahr des Windparks, am Ende 11 363 Euro an Verlust angefallen.

Die Ausschüttungsaussichten für 2014 sind ebenfalls nicht wirklich gut. Der Vorstand an die Genossen: "Selbst wenn ausreichend Wind vorhanden war, konnten öfters Anlagenstillstände beobachtet werden. Im Winter 2013/2014 kam es zu ungewöhnlich langen Stillständen aufgrund von Eisabschaltung. Die verbauten Eissensoren waren offenbar zu sensibel und wurden im Laufe des Herbstes ausgetauscht, wodurch weitere Stillstände notwendig wurden."

Der Blick richtet sich auf den Biebertaler Ortsteil Königsberg

Auch ansonsten gab es Probleme: "Im Februar 2014 kam es zu längeren Stillständen aufgrund von Problemen an Kabelverbindungen", heißt es in der Mitteilung an die Energiegenossen. Und: "Im Juli und im September kam es zu langen Stillständen aufgrund des Defekts eines elektrischen Bauteils, welches für die Einspeisung des gesamten Stromes in die Kabeltrasse nach Aßlar zuständig ist."

Schließlich: "Weitere kürzere Stillstände erfolgten während des gesamten Sommers wegen Nachbesserungsarbeiten an den Rotorblättern zur Anlagenoptimierung." Da fallen die Abschaltungen zum Fledermausschutz kaum noch ins Gewicht.

Fazit des Vorstands: "Unter all dem hat natürlich die Stromproduktion deutlich gelitten. Es bleibt auf windstärkere Jahre zu hoffen."

Diese Hoffnung könnte trügen. Die Gemeinde Biebertal, wo um deren Ortsteil Königsberg herum neun Windkraftanlagen neu entstehen sollen, hat gerade ein Windgutachten veröffentlicht, das den durchschnittlich erwartbaren Wind bei Königsberg mit sechs Meter pro Sekunde angibt. Allerdings erst in 140 Metern Höhe und mit deutlichem Hinweis auf Unsicherheitsmargen. Das ist nahe an der Untergrenze von 5,75 Metern pro Sekunde, ab der ein Gebiet vom Regierungspräsidenten überhaupt als Vorrangfläche für Windkraft ausgewiesen werden darf.

Mit den Anlagen in Hohensolms soll es künftig um Königsberg herum 16 Windräder geben. Das ist Rekord im Kreisgebiet, wo bisher nur in Rabenau-Rüddingshausen Anlagen stehen.

Geplant sind aber weitere von Grünberg/Laubach bis Staufenberg/Allendorf/Lda., wo sich in Fragen der Rentabilität der Blick nach Biebertal richten wird, weil hier kreisweit die höchstgelegenen Standorte für Windräder sind.


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Kommentare (1)
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