125 Bürger lauschen Kandidaten

BÜRGERMEISTERWAHL Bewerber fürs Rathaus diskutieren auf Einladung der FDP

Das Frage- und Antwortspiel mit den beiden Bürgermeisterkandidaten Marius Hahn (links) und Michael Stanke (rechts) moderiert die Limburger FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Schardt. (Foto: Fluck)

Dabei agierte Hahn als stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender aus der Oppositionsrolle. Sein oberstes Credo ist das Versprechen, künftig betroffene Bürger in Planungsprozesse stärker einzubeziehen. Für sein Bekenntnis "nicht hinter geschlossenen Türen zu verhandeln und dann einen fertigen Plan zu präsentieren, an dem nichts mehr geändert wird", gab es Applaus vom Publikum.

Als Negativ-Beispiele nannte er das Prozedere um die Grabenstraße und den Neumarkt, die Zweitausbausatzung und die Kehrsatzung. Er sprach sich für jährliche Bürgerversammlungen in jedem Stadtteil aus.

Der SPD-Mann meint, dass sich Limburg nicht nur um Tagestouristen, sondern stärker um Geschäftsreisende und Kongresse kümmern müsse. Er kann sich auf dem Gelände der Rastanlage Limburg-West unter Beteiligung der Stadt ein Kongresshotel vorstellen. Hahn will die Zweitausbausatzung auf den Prüfstand stellen und sprach von einem großen Handlungsdefizit hinsichtlich Sicherheit und Ordnung. Er kritisierte den hellen Bodenbelag in der Fußgängerzone, dessen Reinigung die Stadt monatlich 1000 Euro koste.

Der SPD-Mann tritt für mehr bezahlbare Wohnungen und ein Mehrgenerationenhaus auf dem Gelände der Blechwarenfabrik ein. Er forderte ein Gesamtverkehrskonzept statt einzelner Veränderungen. Es müsse mit Diez über die Ableitung des Lkw-Verkehrs und über Tempo 30 auf stark belasteten Hauptverkehrsstraßen in den Stadtteilen gesprochen werden.

Auch Michael Stanke setzt sich für Transparenz in Entscheidungsprozessen ein. In Anspielung auf die Grabenstraße wies er darauf hin: "Es gibt überall Nutzungskonflikte. Man kann es nicht jedem recht machen und irgendwann muss man entscheiden."

Beide Kandidaten wollen ein Hotel, um Kongresse in Limburg anzusiedeln

Für den Neumarkt hätten die Stadtverordneten eine Vorentscheidung getroffen. Die Idee, dass er parkfrei werde, habe gute Chancen. Derzeit habe der Platz eine schlechte Aufenthaltsqualität. Außerdem müsse es auch Plätze ohne Autos geben. Die Entscheidung über den Neumarkt werde noch vor der Kommunalwahl 2016 getroffen.

In den vergangenen Jahrzehnten sei von den Bürgermeistern in Sachen Verkehr viel versprochen und wenig gehalten worden. "Wir haben eine hohe Belastung der Anwohner, andere Menschen müssen fahren. Limburg ist eine alte Handelsstadt, die ihren Straßen und Bahnstrecken ihren Wohlstand verdankt", gab der CDU-Kandidat zu bedenken und räumte ein: "Ich kann nicht versprechen, dass in sechs Jahren alles besser wird."

Wenn es eine Umgehung gäbe, dann dauere das länger als 15 Jahre. "Wir müssen andere Wege finden, den Lkw-Verkehr zu reduzieren. Er belastet die Diezer Straße zu 25 Prozent. Wir brauchen nachts mehr Tempo-30-Straßen." Als nächste sei die Holzheimer Straße an der Reihe. "Städte mit derart hohem Publikumsverkehr wie Limburg können nie richtig sauber sein", gab der Kandidat zu bedenken und verwies auf vier städtische Reinigungskolonnen, für die die Stadt jährlich 600 000 Euro aufwende. Das veranlasste Hahn zu dem Appell: "Wir alle sind für die Sauberkeit zuständig."

Auch Stanke ist der Meinung, dass Limburg ein Hotel im oberen Segment braucht, erteilte aber einer Beteiligung mit Steuermitteln eine Absage.

Dass es in der Altstadt Probleme gebe, da stimmte Stanke Hahn zu. Zu den Problemfällen am Domberg gehöre das unzureichende Toilettenhäuschen, das durch einen Neubau ersetzt werden müsse. "Wir brauchen für öffentliche Toiletten ein Innenstadtkonzept und wieder eigenes Personal", betonte der Erste Stadtrat. Zum Thema sozialer Wohnungsbau erwähnte er ein derzeit mit dem Walter-Adlhoch-Haus in Arbeit befindliches Konzept und sein Bestreben, in der Ortskernsanierung neue Wege zu gehen: "Da muss man auch mal Häuser abreißen und neu bauen dürfen."

- Der Verein "Keine Südumgehung Limburg" lädt für Dienstag, 21. April, um 19 Uhr zur Podiumsdiskussion mit den beiden Bürgermeisterkandidaten in den großen Saal des Gasthauses "Zur Post" in Linter ein.


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