
Es ging um das, was Runkel bewegt, aber auch um rote Karten. Die Schiedsrichter-Obmann Bender aber für seine Gegenspielerin nicht zücken wollte. "Es war nur eine Verwarnung, weil Daten nicht so rübergekommen sind. Ich komme aus der Fairness und hoffe auf einen fairen Wettbewerb."

Anders als in ihrem Beruf als Lehrerin für Musik und Religion am Weilburger Gymnasium Philippinum zierte sich Ragnhild Schreiber, ihrem Mitbewerber eine Note für dessen bisherige Arbeit zu geben. "Das fällt mir auf die Schnelle schwer." Bei der Frage nach dessen "Versetzung" zeichnete sich mehr Entscheidungsfreudigkeit ab. "Es gibt Alternativen. Es gibt Steigerungspotenzial für die nächsten sechs Jahre."
Die Runde vor mehr als 250 Bürgern, die am Donnerstagabend auf Einladung des NASSAUER TAGEBLATTs und der Nassauischen Neuen Presse (NNP) gekommen waren, war eröffnet.
- Investieren und Sparen: Wie soll denn Runkel erblühen? wollte TAGEBLATT-Chefredakteur Uwe Röndigs, der zusammen mit NNP-Redaktionsleiter Joachim Heidersdorf moderierte, wissen. Ragnhild Schreiber will es mit Maß versuchen. "Sparen bedeutet aber nicht, zu allem Nein zu sagen", betonte die 52-Jährige aus Schadeck. Bei Investitionen gehe es um ein geschicktes Positionieren auf der Zeitachse. Es gebe Maßnahmen, die warten könnten.

"Aus einem Schneeball kann aber irgendwann eine Schneewalze werden", warnte Friedhelm Bender. "Dann türmt sich so viel auf, dass man irgendwann nicht mehr weiß, wie es hinzukriegen ist." Es werde Runkel nicht gelingen, die Lücke im Haushalt von 2,1 Millionen Euro auf Null zu fahren. Er gab zu bedenken, dass durch den Weggang von zwei Unternehmen 1,5 Millionen Gewerbesteuer weggebrochen seien.
- Industrie und Gewerbegebiete: Drei Ideen, wie Runkel bessere Rahmenbedingungen für mehr Industrie schaffen kann, wollte Claus Kandels vom Ortsbeirat Ennerich von beiden Kandidaten hören. Ragnhild Schreiber erklärte, sie hätte den Eindruck gewonnen, dass hier in Runkel "so gut wie nichts" passiert sei. Möglichkeiten seien aber vorhanden. Ein erster Schritt sei gewesen, dass die Stadt Landflächen von der Hessischen Landgesellschaft zurückgekauft habe. Als zweiten würde sie zusammen mit den Entscheidungsträgern überlegen, was damit gemacht werde, und dann auf Firmen zugehen.
"Ich bin überrascht von der Aussage, wir hätten nichts unternommen", konterte Friedhelm Bender und nannte das Dehrner Gewerbegebiet Auf dem See, das sich in der Warteschleife befinde. "Wer meint, dass Firmen Schlange stehen, täuscht sich", merkte der 57-jährige Wirbelauer an. Gewerbegebiete müssten angenehm zu erreichen sein, außerdem sei es wichtig, permanent Kontakt mit den Firmen zu halten. Wenn es Gewerbegebiete gebe, dann würden auch die Menschen nach Runkel ziehen. "Das ist wichtiger als die Gewerbesteuer. Sie kommt an zweiter Stelle", meinte Bender.
Ragnhild Schreiber: "Wasser ist das Gold der Zukunft"
- Privatisierung: Ob das Leben in Runkel teuer werde, wollte TAGEBLATT-Chefredakteur Uwe Röndigs wissen und fragte nach Einsparmöglichkeiten. Friedhelm Bender sah diese bei energetischen Sanierungen und bei der Auslagerung von Tätigkeiten. Er setzt weiter auf ehrenamtliche Unterstützung der Bürger. "Ohne sie hätten wir Mehrausgaben im siebenstelligen Bereich gehabt." "Was kann die Stadt auslagern?", fragte Simon Lissner nach. Friedhelm Bender nannte eine Grundstücks- und Energiegesellschaft als "typische Möglichkeit". Auf keinen Fall Wasser. Das kostbare Nass lag auch Frank-Peter Lautermann bei seiner Nachfrage am Herzen. Es herrschte Einigkeit. "Unter mir wird Wasser nie privatisiert, nicht ein Liter", betonte Friedhelm Bender.
"Wasser ist das Gold der Zukunft. Ich bin die Letzte, die diesen Weg beschreiten würde", erklärte Ragnhild Schreiber.
- Wellnesszentrum: Hohe Wellen schlug das geplante Wellnesszentrum mit Schwimmbad, Ärztehaus und Physiotherapie und dessen geplante Bauhöhe von 16 Metern. "Sind Sie dafür oder nicht?", wollte Walter Hammerschmidt wissen. Er wohnt in Schadeck "Am Bangert", dessen erste Reihe bei dieser Bauhöhe von Anfang Dezember bis Ende August kein Sonnenlicht mehr sehen würde.
Friedhelm Bender: "Es will keiner, dass Menschen Sonne nicht mehr sehen"
"Wenn Sie meinen, der 16-Meter-Klotz ist verabschiedet, dann ist das nicht der Fall", sagte Friedhelm Bender. "Wir befinden uns im Bauleitverfahren. Der Planer hat einen Entwurf gemacht. Das ist ein Plan. Wenn die Stellungnahmen abgegeben sind, wird diskutiert. Es will keiner, dass die Menschen die Sonne nicht mehr sehen." Er machte aber auch klar, dass die Diskussion das Projekt nicht zum Scheitern bringe, denn es steigere die Attraktivität von Runkel, versprach aber die Belange der Bürger zu unterstützen. Und bekam dafür viel Beifall.
Unbenommen trage das Wellnesscenter zur Optimierung der Infrastruktur bei, meinte Ragnhild Schreiber. Eine optimale Lösung sei es aber nicht, eher ein "Köder an der Angel", um einer "bestimmten Firma" sehr, sehr lukrative Bauplätze an die Hand zu geben. "Meine Vorbehalte sind sehr groß. Es gibt eine bessere Lösung."
- Soziale Stadt: Runkel wirbt als soziale Stadt an der Lahn. "Wird es sie weiter geben?", fragte Kornelia Löw. "Sozial ist auch, in den nächsten Jahren dafür zu sogen, dass alles bezahlbar ist und nicht Geld für Konzepte ausgegeben wird, die nichts bringen", antwortete Ragnhild Schreiber. Der alltagstaugliche Nahverkehr lasse zu wünschen übrig. Sie sei kreativ und würde einen Gesamtentwurf mit neuen Aspekten liefern. Das Runkeler Buschen sei eine Antwort, aber relativ kostspielig. Auf keinen Fall zurückfahren will Friedhelm Bender. "Der Mensch ist die Investitionen wert", sagt er - sei es beim unentgeltlichen Runkeler Buschen, bei den Belangen von älteren Menschen und Familien oder der Kinderbetreuung.
- Tourismus: Eine neue Lösung präsentierte Ragnhild Schreiber bei der Frage nach der Rad- und Fußgängerbrücke von Arfurt nach Villmar, die laut Bender momentan wegen finanzieller Belastungen nicht realisierbar sei. "Mein großer Traum wäre keine Brücke, sondern ein Nachen, der auf der Lahn hin- und herfährt. Das wäre auch attraktiv für den Tourismus."
Runkel hat die Wahl: Am 3. März ist es soweit.








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