Der Weilburger Reformator

Professor Fey stellt für die Bürgerinitiative Kaspar Goldwurm vor
Professor Winfried Frey und ...

Kaspar Goldwurm, der wegen seiner Herkunft aus dem heutigen Südtirol auch den lateinischen Namen "Athesinus" (Etsch) trug, wurde nur 35 Jahre alt. 1524 in Sterzing geboren, kam als Anhänger Luthers nach Studien in Italien und Wittenberg nach Marburg. In dieser laut Frey "hessischen Kaderschmiede der Reformation" wurde er 1545 als "Lehrer adliger Knaben" nach Weilburg berufen. 1546 ernannte ihn Graf Philipp III. zum Hofprediger, 1548 wurde er Visitator des nassauisch-weilburgischen Kirchenwesen. Als solcher gilt er als eigentlicher Reformator der Grafschaft.

Was das für ihn an Arbeit bedeutete, schilderte Frey ausführlich anhand von Beispielen. "Geradezu erschlagen von Alltagsproblemen" zitierte er Goldwurm. Beschwerden und Forderungen gab es immer wieder: Der Weilburger Schulmeister wehrt sich gegen Sonderwünsche der Bürger, die Pfarrer von Dollar, Atzbach und Großenlinden streiten sich um Altareinkünfte, der Pfarrer von Neu-Weilnau verlangt einen Vorschuss von einem Jahresgehalt und sein Kollege in Weidenhausen und Volpershausen fordert Abhilfe bei untreuen und nachlässigen Kollegen. Daneben richtete Goldwurm in Weilburg eine "ordentliche Schul" ein und in Usingen Kirchenordnung und Schulregiment.

Ein kaiserliches Gesetz, das die Entscheidung über die beiden Religionen auf Eis legte ("Interim"), bedeutete für Goldwurm die Unterbrechung seines Weilburger Aufenthaltes von 1548 bis 1551. Mit seiner Weilburger Kirchenordnung vom 14. April 1554 (auf Ihrer fürstlichen Gnaden Befehl") setzte sich jedoch der Protestantismus mit Geboten und Verboten in Nassau durch. Daneben findet Kaspar Goldwurm noch Zeit zum Bücherschreiben, darunter sein Hauptwerk "Wunderwerck und Wunderzeichen", einen Kirchen-Kalender und die Übersetzung eines italienischen astrologischen Werkes.

1559 stirbt Kaspar Goldwurm Athesinus im Alter von 35 Jahren. "Er hat das Fundament der Schlosskirche noch gesehen", sagte Professor Frey. Vor deren Errichtung von 1707 bis 1712 stand ihr Vorgängerbau, damals aus der Zusammenlegung von Stiftskirche St. Andreas und St. Martin entstanden.

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Dokument erstellt am 22.09.2012 um 15:16:02 Uhr
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